Mit zehn Knoten vor dem Wind Mit zehn Knoten vorm Wind

Kreuzfahrt unter Segeln - Allein in den letzten zwölf Monaten sind zwei neue Luxus-Großsegler in See gegangen, die deutsche Dreimastbark "Sea Cloud II" und der schwedische "Royal Clipper". Das Seeabenteuer in kleinem Kreis unter geblähtem Tuch erfreut immer mehr Reisende ­ und Reeder.

Mallorca liegt unter Wolken. Noch während der Fahrt vom Flughafen zur Pier Muelles de Poniente, wo sich acht Gäste aus Hamburg einschiffen sollen, beginnt es zu regnen. Heftige Windböen schütteln die Palmen an der Strandpromenade, treiben gischtige Wellen ans Ufer.

"Ihr Segelabenteuer kann beginnen ...", verheißt, durchaus zweideutig, der Reiseplan des Veranstalters. Bei diesem Wetter mit Kurs auf Korsika durchs Mittelmeer, dazu noch auf einem Windjammer?

Der liegt fest vertäut im Jachthafen und verströmt ­ gottlob ­ den stillen Glanz solider Seetüchtigkeit: ein mächtiger weißer Rumpf, bald 120 Meter lang, vier Decks hoch, mit breitschultrigen hölzernen Aufbauten und drei Masten aus Stahl, die mehr als 50 Meter weit in den grauen Himmel ragen. Der goldene Adler am Bug, der Schiffsname in schwarzen Lettern versichern: kein Fliegender Holländer, sondern "Sea Cloud II", gebaut und betrieben vom Reeder Hermann Ebel, ansässig am - erste Adresse - Hamburger Ballindamm.

Der hagere, bärtige Finanzmann und Freizeitsegler hat das rund 50 Millionen Mark teure Fünf-Sterne-Schiff bei strahlendem Sonnenschein und unter wurfmächtiger Taufbeteiligung der Fernsehdame Sabine Christiansen im Februar in Las Palmas in Dienst gestellt. Und damit einmal mehr bewiesen, dass die ExklusivSegelkreuzfahrt eine schöne Sache ist, für Schiffseigner wie für fernwehgeplagte Reisende.

Immer mehr Maritim-Anleger bauen immer öfter Luxus-Großsegler für eine wachsende Schar wohlhabender Kreuzfahrtfreunde. Die nicht auf monströsen schwimmenden Bettensilos mit tausenden von Paxen mitfahren möchten, sondern sehr wohl die Reminiszenz an seemännische Tradition und den (verhaltenen) Kampf mit den Elementen vorziehen. Als Ebel 1978 mit der "Sea Cloud" startete, bewegte er sich noch allein auf weiter See. Mittlerweile hat das Floating Funhouse reichlich Gesellschaft bekommen.

Anfang der 90er Jahre stellte der Schwede Mikael Krafft gleich zwei Schiffe in Dienst, die Viermaster-Schwestern "Star Clipper" und "Star Flyer". 1994 gesellte der Kreuzfahrt-Unternehmer Peter Deilmann, ansässig im holsteinischen Neustadt, seine anmutige Dreimastbarkentine "Lili Marleen" hinzu. Und im vergangenen Jahr gelang Krafft ein neuer Coup: Mit dem Vollschiff "Royal Clipper", nachempfunden dem 1902 gebauten Salpeterfahrer "Preussen", ließ er für rund 120 Millionen Mark den bislang größten Segler vom Stapel.

Derweil plant eine Anlegergruppe unter französischer Führung bereits einen ähnlichen Windjammer, die Fünfmastbark "France II Renaissance", die 2004 von Brest aus in See stechen soll. An Bord 200 Passagiere in 100 bis zu 35 Quadratmeter messenden Luxussuiten. Reiseziel: die Überseeterritorien der Grande Nation.

Im Kielwasser dieser fürstlichen Riggschiffe bläht eine ganze Armada von Lustklippern ihre Segel. Die aber werden von Seefahrt-Puristen nicht für voll genommen ­ weil sie, wie das Club-Med-Schiff oder die Kreuzer der amerikanischen Windstar Cruises, unter einer Hightech-Takelage fahren, die maschinell bedient wird. Oder weil sie den exklusiven Luxus vermissen lassen, wie die russische "Sedov", die ukrainische "Khersones" oder die Barkentinen-Flottille der Reederei Meyer zur Heyde in Laboe; in dieser Preisklasse ist jedoch aktives Mittun am Tau und Takelwerk durchaus willkommen.

Klaus Ahrens

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