Bücher Geschichten vom Gründer

Krupp ohne Legende: mm-Rezensent Heinz Metzen stellt Bücher vor, die Aufstieg und Fall großer Persönlichkeiten in der Wirtschaft nachzeichnen.

Rother, Thomas:

"Die Krupps. Durch fünf Generationen"; Campus, Frankfurt am Main 2001, 247 Seiten, 39,80 Mark.

Der Spruch "Hart wie Kruppstahl" stimmte noch nie. Die Stähle der Firma Krupp waren und sind nicht härter als die anderer Stahlproduzenten. Nur berühmter.

Die vielleicht größte Leistung von Thomas Rother besteht darin, dass er der Versuchung widersteht, die Familie Krupp zu heroisieren oder zu dämonisieren. Anders als viele Autoren vor ihm instrumentalisiert Rother den Krupp-Konzern nicht als Symbol für die Verflechtung von preußischem Militarismus und Großkapital.

Er schildert die vorbildlichen Sozialleistungen, die das Unternehmen im 19. Jahrhundert bot. Doch Rother spart auch die Schattenseiten nicht aus, wie den Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gegen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach.

Rother versteht es, seinen Stoff zu einem packenden Familienepos aufzupeppen. Die Saga beginnt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der junge Alfred Krupp reiste unter falschem Namen durch England. Als "Baron Schropp" getarnt, spähte er britische Walzwerke und Schmieden aus. Mit dem erworbenen Wissen brachte er die Fabrik seines verstorbenen Vaters auf Trab.

Den Durchbruch schaffte Krupp mit der Erfindung des nahtlosen Radreifens für Eisenbahnwaggons. Noch heute verweisen die drei Ringe im ThyssenKrupp-Logo auf diese Entwicklung. Berühmt allerdings wurde Krupp nicht nur als Eisenbahnbauer, sondern auch als Waffenschmiede des deutschen Reiches.

Nach 150 Jahren und zwei Weltkriegen verließ die Gründerfamilie das Unternehmen. Das Firmenkapital floss in eine Stiftung. Schließlich fusionierte Krupp mit dem langjährigen Revierrivalen Thyssen.

Bei aller Spannung, die Rothers Buch vermittelt: Es handelt sich um ein Werk, das auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Dafür sorgen Register, Zeittafel und eine umfangreiche Krupp-Bibliografie.

Fazit: Eine faszinierende Lektüre für jeden, der sich gern von lebendig geschilderter Geschichte fesseln lässt.


Der Erfinder der Kreuzfahrt: Albert Ballin schuf die größte Reederei der Welt - und starb auf tragische Weise.

Straub, Eberhard:
"Albert Ballin. Der Reeder des Kaisers"; Siedler, Berlin 2001, 272 Seiten, 39,90 Mark.

Als Albert Ballin 1857 im Hamburger Arme-Leute-Viertel Baumwall geboren wurde, gab es noch keinen deutschen Staat, und die Meere gehörten den Schiffen Britanniens. Alberts Vater, ein jüdischer Auswanderungsagent, lebte von jenen, die alles aufgaben, um in den USA eine neue Existenz aufzubauen.

57 Jahre später stand Albert Ballin auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Mit der Hapag, der Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, leitete er die größte Reederei der Welt. Am 20. Juni 1914, wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ließ er die "Bismarck" vom Stapel laufen, das damals weltgrößte Passagierschiff. Zur See fahren sollte die Bismarck erst acht Jahre und einen verlorenen Krieg später. Unter dem Namen "Majestic" und unter britischer Flagge.

Die deutsche Kriegsniederlage und das Ende der preußischen Monarchie hat Ballin nicht verkraftet. Am 9. November 1918, dem Tag, als der Kaiser ins Exil flüchtete, setzte der Großreeder seinem Leben mit einer Überdosis Beruhigungsmittel ein Ende.

Wer sich für die Industrialisierung der Seeschifffahrt interessiert, für den Aufbruch der Hansestädte in ein neues Zeitalter oder auch nur für die Erfindung der Kreuzfahrt (sie wurde von Ballin ersonnen, um die teuren Atlantikdampfer auch im Winter auszulasten), wird in diesem Buch viel Spannendes erfahren.

Gleichzeitig ist das Buch eine Parabel über die Gründerzeit: Globalisierung trifft auf Provinzialität, Pioniergeist auf Fortschrittsfeindlichkeit. Neue Branchen kämpfen gegen die Zwänge, die ihnen ein veraltetes Rechtssystem auferlegt.

Das hanseatisch-maritime Umfeld dieser Ballin-Biografie erinnert an einen Roman von Thomas Mann. Leider nimmt sich der Autor auch Manns Schreibstil zum Vorbild - ohne diese Messlatte zu erreichen. So heißt es über Ballin: "Da funkelte sein Witz auf, er betörte die Damen mit verspielter Courtoisie."

Fazit: Eine spannende Gründerzeitbiografie aus Kaisers Zeiten. Die zeitliche Einordnung gilt allerdings auch in sprachlicher Hinsicht.

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