Börsenbarometer Favoritenwechsel

Die aktuelle mm-Erhebung zeigt, wie schnell sich die Stimmung im Börsenvolk ändert. Einer der Profiteure ist Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle.

Joachim Milberg

ist Spitze. 67 Prozent der von manager magazin befragten Privatanleger haben den Vorstandsvorsitzenden des Autoherstellers BMW zum beliebtesten deutschen Topmanager gewählt. Ihm trauen sie aus einer Gruppe von 20 Konzernchefs am ehesten zu, den Börsenwert seines Unternehmens nachhaltig zu steigern.

Beim Amtsantritt Milbergs vor etwa zwei Jahren hätten das die wenigsten erwartet. Der Professor der Ingenieurwissenschaften galt nicht gerade als Lichtgestalt. Er war im Vergleich zu Wolfgang Reitzle bei der Entscheidung um die Nachfolge von Bernd Pischetsrieder bei BMW nur zweite Wahl.

Doch Milberg hat die Skeptiker bislang eines Besseren belehrt. Er hat sich von der Verlust bringenden Tochter Rover getrennt und BMW im Premiumsegment der Autobauer strategisch gut aufgestellt. Die 3er-Serie ist ein Verkaufserfolg und der Gewinn des Konzerns deutlich gestiegen.

Milbergs Wahl zum aktuellen Liebling der Aktionäre ist sicher das überraschendste Ergebnis des aktuellen Börsenbarometers. Zum zweiten Mal (nach mm 4/2001 ) hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Spezialisten für Finanzkommunikation, Kirchhoff Consult, 1158 Aktionäre nach ihrer Ansicht zum Börsenklima und ihrer Einstellung zu den deutschen Konzernchefs befragt.

Erneut ging es um Top oder Flop für 20 Vorstandsvorsitzende, die von der mm-Redaktion für die Umfrage nominiert waren. Gegenüber dem ersten Ranking gab es kräftige Veränderungen: Die Privatanleger reagierten erstaunlich schnell auf aktuelle Nachrichten.

Beispiel Allianz/Dresdner Bank: Neben Milberg darf sich vor allem Henning Schulte-Noelle als Aufsteiger der mm-Umfrage betrachten. Mit einem Plus von 8 Prozentpunkten auf 60 Prozent schaffte es der Allianz-Chef auf Platz vier der aktuellen Untersuchung, ganz knapp vor Deutsche-Bank-Sprecher Rolf-E. Breuer. Der kam zwar auch auf 60 Prozent Zuspruch, erhielt aber mehr negative Stimmen ().

Allianz-Lenker Schulte-Noelle hat sich mit der Übernahme der Dresdner Bank bei den Anlegern beliebt gemacht. Offenkundig bewerten sie das Allfinanz-Konzept, das Fachleute keineswegs nur positiv beurteilen, als zukunftsweisende Konzeption.

Ebenfalls hoch in der Gunst der Anleger stehen VW-Chef Ferdinand Piëch (Platz zwei, 67 Prozent) und der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Heinrich von Pierer (Platz drei, 66 Prozent).

So eindeutig das Votum für die Spitzenleute der deutschen Vorstandselite ausfiel, so harsch gingen die Privatanleger mit den Absteigern der aktuellen Untersuchung ins Gericht. Am härtesten getroffen hat es Jürgen Weber und Ron Sommer.

Lufthansa-Chef Weber (minus 16 Prozentpunkte, Platz 15) dürfte vor allem die eskalierte Tarifauseinandersetzung mit seinen Piloten geschadet haben. Der lang andauernde Streit um höhere Gehälter zwang viele Reisende, donnerstags auf die Bahn umzusteigen oder Termine zu verschieben.

Das hat Kunden wie Aktionäre verärgert. Zwar hielt sich die Lufthansa-Aktie noch ganz ordentlich; doch die Schuld an den Streiks wird mittlerweile nicht nur den Kapitänen der Maschinen gegeben. Offensichtlich hat auch Webers Image durch die Auseinandersetzung gelitten.

Deutschlands bekanntester Manager, Ron Sommer, landet auf dem viertletzten Platz. Der Telekom-Chef (ebenfalls minus 16 Prozentpunkte), der mit dem Börsengang des Unternehmens den Aktienboom in Deutschland eingeläutet hatte, hat das Vertrauen der Anleger verspielt.

Enttäuscht von Sommers Leistungen sind sicher nicht nur diejenigen, die seit der Emission der dritten Aktientranche über 60 Prozent verloren haben. Auf die aktuelle Sonderfrage der mm-Untersuchung ("Glauben Sie, dass Ron Sommer als Chef der Deutschen Telekom der richtige Manager ist, um den Konzern im harten Wettbewerb der Telekommunikationsbranche zu führen?") antworteten 43 Prozent der Anleger mit "Nein".

Neben der Bewertung der Konzernchefs informiert das mm-Börsenbarometer auch über die Stimmung am Kapitalmarkt und die Investitionsfreudigkeit der Anleger.

Das Börsenklima (plus 1,0 nach plus 1,3 in der ersten Befragung) hat sich danach leicht verschlechtert. Offenbar sehen deutsche Aktionäre noch keine richtige Trendwende am Kapitalmarkt. Kein Wunder, dass 80 Prozent der Befragten angeben, mit dem Kauf von Wertpapieren noch warten zu wollen.

Wenn sie denn kaufen, bevorzugen die Deutschen mit 47 Prozent Aktienfonds, gefolgt von festverzinslichen Wertpapieren mit 32 Prozent. Die Direktanlage in Aktien (16 Prozent) spielt eine untergeordnete Rolle.

Der Dax 30, der US-Index Dow Jones und der EuroStoxx sind die favorisierten Anlagesegmente. Erstaunlicherweise gaben immerhin 26 Prozent der Befragten an, auch in Aktien des Neue-Markt-Index Nemax zu investieren. Die Hightech-Börse erfreut sich also trotz des Crashs nach wie vor einer gewissen Beliebtheit.

Offenbar hofft ein guter Teil der befragten Privatanleger auf ein baldiges Comeback der Aktien.

Christoph Seeger

Ranking: Die Topmanager im Anlegerurteil


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