Verbände Trägheit der Masse

Wirtschaftspolitik - Deutschland - ein Verbändestaat. Eine Unzahl von mehr oder minder gewichtigen Organisationen wird von den Unternehmen finanziert. Ist dieses teure System noch zeitgemäß?

Manchmal macht es "ffffffffffffffffffffffffffffffffft". Ein Zischen durchschneidet die Stille, wenn die Sprinkleranlage den kleinen Bambus-Hain benetzt. fffffffffffffffffffffffffffffffft - Leere, Helligkeit, Ruhe. Die Sonne scheint durchs Glasdach. Nur selten überquert ein Mensch die Flächen aus poliertem Marmor.

Eine Atmosphäre sakraler Leichtigkeit durchweht das Berliner "Haus der Wirtschaft" - das Stein gewordene Zentrum des deutschen Verbändestaats, eröffnet 2000, Baukosten 197 Millionen Mark. 520 Menschen, für die Spitzenorganisationen der Wirtschaft tätig, sitzen auf 27.000 Quadratmetern. Macht 51,92 Quadratmeter pro Person. Durchschnittlich.

ffffffffffffffffffffffffffffffffft. Die Mitarbeiter des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) vertreten in Berlin "die deutsche Wirtschaft", wie es so schön heißt.

Noch präsentiert sich die deutsche Verbändeordnung als homogener korporatistischer Block. Doch der Block zeigt Risse. Immer mehr fächert sich die Unternehmenslandschaft auf, immer weiter driften die Interessen auseinander. Mit Zeitverzögerung geben die Mitgliedsfirmen den Druck weiter, dem sie selbst ausgesetzt sind: Sie treiben die Funktionäre an, drohen mit Austritt, wenn sie können.

Die behäbigen Organisationen sollen schneller, schlagkräftiger, billiger werden. Vorstände und Eigentümer-Unternehmer fragen sich: Brauchen wir die Verbände noch?

Eine berechtigte Frage. Nirgends sonst auf der Welt stecken die Firmen in einem derart festgefügten Rahmen aus Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden, aus Industrie- und Handels-, Handwerks- und Landwirtschaftskammern. "Wie keine andere Gesellschaft setzt die deutsche auf die Kooperation zwischen Staat und Verbänden", sagt Helmut Voelzkow vom Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Passt die korporatistische Ordnung noch in eine globalisierte Wirtschaft?

Henrik Müller


Der Verbändestaat

In Deutschland gibt es unzählige Kammern und Verbände, der politische Einfluss ist überall zu spüren. Ist dieses teure System noch zeitgemäß?

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