BMW Spätes Glück

Joachim Milberg - Ein unauffälliger Professor an der Spitze der Glitzerfirma BMW - der Kontrast könnte größer nicht sein. Doch unter dem neuen Chef fand die weißblaue Marke zurück zu alter Stärke. Wie kommt es, dass beide zusammenpassen?

Jetzt regnet's Liebreiz. Eben noch ist Joachim Milberg durchs thailändische Werk gehastet. Hat sich zeigen lassen, wie hier, zehntausend Kilometer fern der Heimat, aus nackten Karossen und dem Inhalt wuchtiger Kartons fertige Autos entstehen; hat mit dem Finger den Türspalt kontrolliert und gesehen, dass alles gut ist.

Nun, am Ende der Runde, hat sich eine Delegation der einheimischen Mitarbeiter aufgebaut, die jungen Arbeiterinnen in der ersten Reihe. Glucksend reichen sie kleine Kränze aus Jasmin an Milberg und seine Begleiter. Man rückt zum Gruppenbild zusammen, die Kameras rattern ­ bis der BMW-Chef sagt: "So!" Soll heißen: Weiter bitte, es gibt noch viel zu tun!

Für die Posen des Konzernherrn hat Joachim Milberg keine Zeit. Und kein Talent.

Dem drahtigen, mittelgroßen Mann mit dem Silberscheitel geht alles Barocke ab. Er hat so gar nichts von dem Machertypus, den deutsche Auto-Kraten gemeinhin geben. Nichts vom pathetischen Tremolo eines Jürgen Schrempp, des DaimlerChrysler-Lenkers; nichts von einem wie VW-Vormann Ferdinand Piëch, dessen Lächeln zwischen genialisch und diabolisch changieren kann.

Wenn Milberg zu den Aktionären spricht, klingen selbst Rekordergebnisse nach Leitungswasser. Schaut er in die Kameras der Fotografen, arbeitet sich wohl sein linker Mundwinkel zu einem Lächeln hoch; der rechte aber bleibt stets ein bisschen zurück - zögernd, absichernd.

Als Milberg noch einfaches Vorstandsmitglied war, verantwortlich für die Produktion, schien er fast unsichtbar. "Man hat nicht bemerkt", erzählt ein Weggefährte, "wenn er den Raum betrat."

Wundert es da, dass seine Ernennung zum Vorstandschef im Februar 1999 Erstaunen auslöste, am meisten bei ihm selbst? Das sollte der Mann sein, der BMW wieder aufrichtet? Der, wie auch immer, das Debakel um Rover beendet, den Fehlkauf in Großbritannien? Der die Untergangspropheten zum Verstummen bringt, die schon lange behaupten, BMW sei zu klein, um allein zu überleben?

Heute, zweieinhalb Jahre später, lautet die Antwort: ja. Seltsamerweise ja.

Michael Machatschke

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