Lucent Falsch verdrahtet

Milliardenverluste, Kurseinbruch und nun auch noch die gescheiterte Fusion mit Alcatel. Hat der Telekommunikationsausrüster noch eine Chance?

Am Dienstag, dem 29. Mai, trafen sich die Delegationen von Lucent und Alcatel zu abschließenden Beratungen im Hauptquartier der Franzosen in Paris. Die Pressetexte waren geschrieben, der Preis war ausgehandelt: Der amerikanische Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies sollte zum Preis von 23 Milliarden Dollar in ein noch namenloses Gemeinschaftsunternehmen mit den Franzosen gehen.

Plötzlich die Kehrtwende. Noch am Abend des 29. Mai gaben beide Konzerne mit dürren Worten bekannt, dass der Zusammenschluss nicht stattfindet. Lucent, so Alcatel-Insider, war überraschend abgesprungen.

Ein Eklat. Vorstandschef Henry Schacht und seine Aufsichtsräte waren sich offenbar uneins, ob der Handel mit den Franzosen wirklich sinnvoll ist.

Die Megafusion ist geplatzt - doch was wird nun aus Lucent? Der Konzern hat sich in eine lebensbedrohliche Krise manövriert. Die Zweifel sind groß, dass er die Wende noch aus eigener Kraft schaffen kann.

Vom Markt kommt derzeit keine Hilfe. Die Nachfrage nach Telekommunikationsausrüstung ist drastisch gesunken, weil die meisten Kunden, die Telefongesellschaften, hoch verschuldet sind. Auch besser aufgestellte Lucent-Konkurrenten wie Nortel, Cisco und Alcatel entlassen Mitarbeiter und schreiben ihre Lagerbestände in Milliardenhöhe ab.

So hart wie Lucent hat es in der Branche indes keinen getroffen.

Der Niedergang des US-Konzerns ist ein Lehrstück für Missmanagement. Es handelt von Führungskräften, die ihre eigenen Fähigkeiten und das Potenzial ihres Unternehmens überschätzt haben. Die sich berauschen ließen von aufgeblähten Börsenkursen und überzogenen Absatzerwartungen. Und die viel zu spät auf die Warnzeichen reagiert haben.

Anne Preissner


Lucent
Kann der Konzern ohne Partner überleben?

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.