Ford "In vier bis fünf Jahren am Ziel"

Wie Europa-Chef Nick Scheele den Turnaround packen will

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Wie viel Zeit geben Sie sich, um verlorene Kunden zurückzugewinnen?

Scheele: Wir haben erst vergangenes Jahr angefangen, aus Ford wieder eine attraktive Marke zu machen. Ich denke, es dauert noch vier, fünf Jahre, bis wir am Ziel sind. Schneller geht ein solcher Prozess nicht, das habe ich in meiner Zeit als Chef von Jaguar gelernt. Dort kamen wir von noch weiter unten und brauchten für den Turnaround sogar noch ein paar Jahre länger.

mm: Was Ford vor allem fehlt, ist eine attraktive Produktpalette. Da können Sie die Kunden nicht auf das Jahr 2005 oder später vertrösten.

Scheele: Wir haben in den vergangenen fünf Jahren 15 neue Modelle eingeführt. Das war zu wenig. Wir bringen jetzt im gleichen Zeitraum 45 neue Fahrzeuge und Modellvarianten auf den Markt. Das hat mit dem Transit und dem Mondeo angefangen und geht im Herbst mit dem Fiesta weiter, der einen großen Sprung nach vorn gegenüber seinem Vorgänger darstellen wird.

mm: Das ist Ihr Brot-und-Butter-Geschäft. Wann bauen Sie endlich attraktive Nischenmodelle wie Minivans und Cabrios?

Scheele: Keine Frage, dem Boom im Minivan-Segment haben wir nicht genügend Beachtung geschenkt. Damit ist uns ein potenzieller Absatz von rund 200.000 Einheiten im Jahr entgangen.

mm: Warum? Ein Minivan auf Focus-Basis hätte doch längst bei den Händlern stehen können.

Scheele: Wir waren verunsichert. Mit dem Mégane Scénic und dem Zafira haben Renault und Opel das Ziel voll getroffen. Wir standen vor der Frage, ob man diesen Vorsprung mit unserem jetzigen Focus-Modell überhaupt noch aufholen kann. Die Antwort war Nein. Wir werden einen Minivan deshalb erst auf Basis des nächsten Focus auf den Markt bringen.

mm: Auch ein Cabrio soll es von dem jetzigen Focus nicht geben. Was bleibt dann noch von Ihrer angekündigten Modell-offensive?

Scheele: Wir haben uns auf Basis des heutigen Focus verschiedene Cabrio-Varianten angesehen. Keine hat uns wirklich gefallen. Das Design des heutigen Modells ist dafür nicht geeignet. Aber seien Sie sicher, auch das werden wir mit der nächsten Generation ändern. Bis dahin bringen wir mit dem Street Ka im Jahr 2003 ein preisgünstiges Auto für die Cabrio-Fans auf den Markt.

mm: Und das soll ausreichen, um das Biedermann-Image loszuwerden?

Scheele: Sicher nicht. Sie haben Recht, was Ford jetzt braucht, sind Helden. Unsere Marke stand lange Zeit auch für Motorsport. Denken Sie nur an die Cosworth- und RS-Modelle der 80er Jahre. Diese Tradition wollen wir mit einer Sportlinie beim Fiesta, Focus und Mondeo wieder aufleben lassen.

mm: Ford ist auch technisch jahrelang der Konkurrenz hinterhergefahren. Wo haben Sie den größten Nachholbedarf?

Scheele: Ohne Zweifel bei Dieselmotoren. Ford hätte im vergangenen Jahr europaweit 230.000 Autos mehr verkaufen können, wenn wir genügend Aggregate im Programm gehabt hätten.

mm: Der Diesel-Boom läuft nicht erst seit gestern. Wie konnte Ford diesen Trend verpassen?

Scheele: Tatsache ist: Wir haben ihn verschlafen. Das Know-how haben wir uns jetzt aber durch das Joint Venture mit PSA gesichert, einem der erfahrensten Dieselhersteller. Die Motoren werden zunächst in den neuen Fiesta eingebaut.

* Das Gespräch führten die Redakteure Jörg Schmitt und Frank Scholtys.

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