Berater Gewinner ohne Glanz

Sie geben vor, für jedes Problem eine Lösung zu haben, und kassieren deftige Honorare. Sind Unternehmensberater ihr Geld wert? mm hat Deutschlands Topmanager befragt. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

So reizvoll, so vorbildhaft kann die Schweiz sein: urdemokratisch, weltoffen. Und so lukrativ.

Für Unternehmensberater zum Beispiel: Etliche internationale Großkonzerne haben im Bergstaat ihren Sitz; die Eidgenossen zahlen in Relation zu ihrem Sozialprodukt so viel Beraterhonorare wie kaum ein zweites Land auf der Welt.

Für McKinsey im Besonderen: Die Consulting-Kultfirma dominiert das Business zwischen Basel, Genf und Zürich. Und dann, ja dann folgen diese schrecklichen Monate, in denen sich das Alpenidyll zum Alpentrauma wendet. Im März kracht das Nationalheiligtum Swissair spektakulär zusammen: Allianzen sind gescheitert, mehr als drei Milliarden Mark Verlust haben sich angesammelt, Airline-Chef Philippe Bruggisser muss gehen.

McKinsey gleich mit. Vor einem Jahrzehnt mit Swissair ins Geschäft gekommen, hatten die Ratgeber die letztlich gescheiterte Unternehmensstrategie entwickelt und alles in allem schätzungsweise rund 100 Millionen Mark an der Luftfahrtgesellschaft verdient.

Sicher, auch andere Consultants wie PricewaterhouseCoopers oder A. T. Kearney und zahlreiche Investmentbanker standen der trudelnden Fluglinie zur Seite, mehr oder weniger hilfreich. Klar, das Swissair-Management hatte die McKinsey-Konzepte stümperhaft umgesetzt, Risiken übersehen, die falschen Firmen gekauft. Allein: Solche Feinheiten nimmt am Ende kaum noch einer wahr.

So bleibt nur kollektive Zerknirschung. "Schön ist so etwas natürlich nicht", räumt der deutsche McKinsey-Chef Jürgen Kluge (47) ein, abseits seiner Verantwortlichkeit unter sicherem Düsseldorfer Flughimmel, "gar nicht schön." Das findet auch die Konkurrenz: "Was McKinsey weh tut", sagt ein Wettbewerber, "schmerzt immer auch die ganze Branche."

Von einer "allgemeinen Beraterkrise" spricht bereits der Schweizer Betriebswirtschaftsprofessor Manfred Timmermann: Nach dem Debakel bei der Swissair, so der einstige Topmanager der Deutschen Bank, habe die Glaubwürdigkeit der Vordenker schwer gelitten, die Unternehmen müssten sich nun überlegen, ob sie überhaupt noch Strategieaufträge erteilten. Unternehmensberater, fordert Timmermann, sollten für ihre Fehlleistungen haften.

Ein Mythos gerät ins Wanken. Die smarten Jungs und toughen Mädels, die für jedes Problem jede Lösung anbieten (und umgekehrt), stehen in der Kritik wie selten zuvor.

Wolfgang Hirn/Dietmar Student

Weiter zu Teil 2: Der Mythos gerät ins Wanken


Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.