Bertelsmann CEO der Schmerzen

Stunk mit den Partnern, Zoff um die Strategie - der Weg an die Börse ist noch weit.
Von Klaus Boldt

Sein Glaube an die Lehre von den großen Zusammenhängen, bei denen es auf Kleinkram nicht so ankomme, und sein Bekenntnis zur Theorie, dass es nie zu spät sei, verleihen Thomas Middelhoff (48) den Auftritt eines Mannes, dessen Los es ist, der Anführer zu sein, wovon auch immer.

Neben viel Schönem birgt diese Haltung freilich auch Unliebsames, etwa das Gefühl, miss- oder auch mal gar nicht verstanden zu werden. Dem Bertelsmann-Leiter widerfuhr dies zuletzt um Fronleichnam herum.

High wie junge Pfadfinder von den eigenen Hormonen, von der Vorstellung nämlich, 2004 mit Bertelsmann an die Börse zu gehen, hatten Manager des Medienkonzerns einigen Journalisten vorfreudig gesteckt, welch machtvolle Schritte Banker, zum Beispiel die von JP Morgan, empfohlen hätten ­ im Zuge des seit Monaten tobenden vorbörslichen Strategiegewitters.

Der Medienmulti, so der schlichte Rat, müsse sich von Verlustbringern trennen und Minderheitsgesellschafter bei Tochterfirmen auslösen - etwa die Familie Jahr, Partner mit 25,1 Prozent beim Verlagsriesen Gruner + Jahr (G+J); auch dessen in Teilen defizitäres Zeitungsgeschäft ("Berliner Zeitung") befände sich besser im Besitz der Konkurrenz.

Irgendwann landete die Idee im "Spiegel", von Middelhoff unkommentiert, weil er sie nie ernstlich verfolgt hat. In verschärfter Form verbat sich G+J-Chef Bernd Kundrun (43), Vorstandskollege von Middelhoff bei Bertelsmann, alle Mutmaßungen darüber, wer die Geschäfte von G+J exekutiere; auch die Jahrs fühlten sich arg angefasst, als sie aus der Tiefe der Berichterstattung erfuhren, dass sie nur Teil eines größeren Ganzen seien.

Allen voraus schäumte Burkhard Schmidt, seines Zeichens Anführer der Jahr-Holding: "Heraushalten" solle sich Middelhoff, ... "kein Weisungsrecht", ... "gezielte Aktion" und so weiter. So giftig ging es noch nie zu zwischen Bertelsmann und seinem größten Gewinnbringer.

An Fronleichnam eilte Middelhoff nach Hamburg. In einem Klubraum des Verlagshauses klärte der CEO der Herzen die Irrtümer auf. Ja, versichert ein Mitglied der Jahr-Familie, des tagelangen Empörens müde, ja, nun sei das Verhältnis wieder "friedlich und ruhig". Alles gut?

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