Arcor/Deutsche Bahn Verwirrende Signale

Mit immer neuen Forderungen verzögert Aktionär Bahn den Börsengang von Arcor.
Von Anne Preissner

Von 18 bis 22 Uhr rangen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn (58) und Vodafone-Vorstand Thomas Geitner (46) in der ehemaligen Mannesmann-Zentrale in Düsseldorf um eine Lösung. Vergeblich.

Tags darauf, am 7. Juni, trafen sich die Unterhändler der beiden Herren um elf Uhr in der Arcor-Zentrale in Eschborn und tagten bis in den späten Abend. Wiederum ohne Ergebnis.

Seit Monaten schwelt zwischen der Vodafone-Tochter Arcor und ihrem Minderheitsgesellschafter Bahn (18,17 Prozent) der Streit um die Zukunft der Bahntechnik; die gehört zur Festnetz-Telefongesellschaft Arcor, einst eine Tochter von Mannesmann und mit der Fusion dem Vodafone-Konzern zugefallen.

1996 hatte der damalige Bahn-Chef Heinz Dürr (67) das Leitungsnetz, das neben den Gleisen verlegt ist, ausgegliedert. Dürr war der Ansicht, Kommunikationstechnik sei nicht das Geschäft der Bahn. Freilich hatte er mit dem bahneigenen Telefonnetz auch die Leitungen für Signale, Weichen und sonstige Sicherheitseinrichtungen aus der Hand gegeben.

Mehdorn will nun die Leit- und Sicherheitstechnik zurückhaben. Im Gegenzug ist er bereit, den Arcor-Anteil und die damit verbundene Sperrminorität bei den Stimmrechten aufzugeben - gegen einen saftigen Aufpreis.

Der Konflikt droht zu eskalieren. Am 29. Mai wandte sich Hermann J. Schmidt, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Arcor-Gruppe, mit einem dreiseitigen Hilferuf an Bundeskanzler Gerhard Schröder (57). Zurzeit sei "Arcor intern und extern fast gelähmt", schreibt er. Die "Teilung der Company in eine "Bahn-Telekommunikation" und einen "Privat-Bereich" gefährdet Arcor sehr massiv", klagt Schmidt.

Die Arcor-Gruppe gilt im Festnetzgeschäft als größter Konkurrent der Deutschen Telekom. Die Umsätze des früheren Mannesmann-Ablegers nehmen sich im Vergleich zum pinkfarbenen Riesen freilich bescheiden aus: 1,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr; Gewinne fielen bisher gar nicht ab.

Umso wichtiger ist das profitable Teilgeschäft mit bahnspezifischen Diensten. Es trug im letzten Jahr über 25 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 2700 der knapp 8500 Arcor-Mitarbeiter sind in diesem Geschäftsbereich tätig. Neben der Betriebsleittechnik wickelt Arcor für die Bahn auch den gesamten Telekommunikationsverkehr ab - das bringt Jahreseinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.

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