Editorial Teurer Rat

Jeder Redner, der gelegentlich vor Publikum aus der Wirtschaft auftritt, kennt den Trick: Es bedarf nur eines kurzen eingeschobenen Seitenhiebs auf das Gewerbe der Unternehmensberater, und schon erntet der Vortragende Lacher und zustimmenden Beifall.
Von Wolfgang Kaden

Nein, sie sind nicht unbedingt beliebt, jene stets in Dunkel gewandeten Herren (und wenigen Damen), die ihr Deutsch mit immer neuen Anglizismen anreichern und die offenkundig nur mit Unterstützung von Laptop und Charts reden können.

Die mangelnde Popularität hat den wirtschaftlichen Erfolg der Helfer allerdings nicht bremsen können. Immer größer ist das Heer dieser nicht unbedingt billigen Ratgeber geworden; die erstaunliche Summe von rund 20 Milliarden Mark haben Deutschlands Unternehmen im vergangenen Jahr für Beratungsleistungen ausgegeben.

Lohnt das viele Geld? Werden da nicht letztlich nur alte Weisheiten in neuer, schicker Verpackung geliefert?

Die mm-Redakteure Wolfgang Hirn und Dietmar Student suchten Antworten auf die Fragen. Sie sprachen mit zahlreichen Managern über deren Einschätzung. Und sie verschickten Fragebogen an Führungskräfte der 200 bedeutendsten Unternehmen. Knapp die Hälfte kam zurück - eine erstaunlich hohe Quote.

Die Ergebnisse müssten das Beratergewerbe nachdenklich stimmen. Das selbstbewusste Auftreten der Consultants passt offenkundig nicht immer zur gebotenen Leistung. So sah noch nicht einmal die Hälfte der Manager ihre Erwartungen durch die Berater voll erfüllt.

Dennoch dürfte das Beratungsgeschäft auch in Zukunft gedeihen. Es gibt gute Gründe für das Engagement von Beratern. Unternehmensführung wird zunehmend komplexer. Berater, die ihr Geld wert sind, können die unzähligen Variablen der Entscheidungsfindung aufs Wesentliche reduzieren und aufbereiten. Sie bringen Kenntnisse über Wettbewerber ein, liefern vielleicht sogar neue Gedanken und Perspektiven.

Allerdings - nicht immer sind diese Gründe die wahren Motive, wenn eine Unternehmensleitung die Berater ins Haus holt. Allzu häufig dienen die Expertisen der Consultants als Alibi. Schwache Führungskräfte verschanzen sich gern hinter den Gutachten einer weltweit renommierten Beratungsfirma, die es ja angeblich wissen muss. Viel Geld wird da ausgegeben für einen fragwürdigen Zweck: Es sollen Verantwortlichkeiten verwischt werden.

Doch dieser Versuch muss misslingen. Verantwortlich für die Führung des Unternehmens ist am Ende allein der Vorstand. An dieser Tatsache kann der beste Berater nichts ändern.

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