Topmanager Die Selbstdarsteller

Irgendetwas macht Jürgen Strube (61) falsch. Ein Blick in das Register von Deutschlands klassischer Klatschpostille "Bunte" zeigt: In den vergangenen sechs Jahren wurde der stille BASF-Chef beharrlich geschnitten, "Bunte"-Erwähnungen seit 1995: null. In der gleichen Zeit schrieb das Blatt rund 100 Mal über den Automanager Jürgen Schrempp, mal Bewegendes, mal Nebensächliches.

Die publizistische Reserviertheit, typisch für Deutschlands Chemiekonzerne, wirkt antiquiert in einer Zeit, in der sich Firmenlenker bereitwillig als Popstars der Kapitalismuskultur feiern lassen. Aber die Zurückhaltung (einmal im Jahr "FAZ" reicht aus) hat einen entscheidenden Vorteil: Das Ego wird gezügelt.

Klar schädigt der Hyperstress Körper und Seele der deutschen Unternehmensführer. Die Managerkrankheit Nummer eins jedoch, sagt einer aus der Zunft, sei eine andere: "übertriebene Selbstdarstellung und realitätsfernes Selbstbewusstsein".

Viele Topmanager verstünden sich als "Sendboten der Zukunft", als "Auserwählte" und "Lichtgestalten", hat der Kölner Soziologieprofessor Erwin Scheuch festgestellt, der das Phänomen in seinem neuen Buch ausführlich behandelt.

Jeden kann es treffen, theoretisch.

Etwa nach zwei Jahren, schätzt ein deutscher CEO, tappe ein Vorstand "in die Ego-Falle": "Man hat sich an alles Angenehme gewöhnt - Dienstwagen, Stäbe, die Schmeicheleien der Zuarbeiter. Und denkt: Ich bin hier, weil ich gut bin." Wer dann nicht rasch auf Selbstkritik umschalte, sich konterstarke Sparringspartner suche, "der hebt ab".

Wie - gelegentlich - Jürgen Schrempp. Nach dem Chrysler-Coup beschied sich der Stuttgarter nicht lange mit stiller Freude, sondern trompetete in Mir-kann-keiner-Manier hinaus, von einer Fusion unter Gleichen könne keine Rede sein, in Wahrheit hätte Daimler die Amerikaner übernommen. Das wussten die damals längst selbst; nun wusste es die ganze Welt.

Wehe, wenn sie nicht loslassen können. Gern lassen sich Topmanager von der Aura des Unersetzlichen umwehen. Auch eine Ebene darüber, in deutschen Aufsichtsräten, klammern sich die Protagonisten an Macht und Amt. Weil Thyssen-Krupp-Oberkontrolleur Heinz Kriwet (69) seinen Posten partout nicht räumen wollte, auch aus Sorge vor persönlichem Imageschaden, verharrte der Ruhrkonzern lange Zeit in Lethargie; bis Kriwet am Vorabend der entscheidenden Hauptversammlung nach massivem Druck doch noch einlenkte.

Ohne ein starkes Selbstwertgefühl, keine Frage, lässt sich kein Weltkonzern führen. "Das Ego ist die Triebfeder", sagt Infineon-Chef Ulrich Schumacher (siehe "Das Ego ist die Triebfeder"). Ohne extreme Persönlichkeiten, streitbar und schwierig, geht es nicht. Nur: Dann muss auch jemand in der Lage sein, die querköpfige Extravaganz zu kontrollieren und sinnvoll zu kanalisieren. Warum holte Schrempp keiner rechtzeitig aus dem All auf die Erde zurück? Wer bremst Piëch, wenn der sich mal verfährt?

Die Medien - manager magazin maxima culpa - sind nicht ohne Schuld; sie leben schließlich von selbstverliebten Egomanen und launigen Lautsprechern - je schriller, umso schöner für die Story.

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