Topmanager Das A-Syndrom

Die gute Nachricht vorweg: Es wird besser. Die schlechte: Die Tatsache, dass deutsche Unternehmen von farblosen Anpassern geführt werden, bleibt ein Phänomen und somit von gewisser zahlenmäßiger Tragweite.

Ein Headhunter, honorig und gut verdienend (der gern beides bleiben möchte), hat die Personalspitze der Dax-30-Unternehmen klassifiziert. Ergebnis: Etwa ein Drittel würde von so genannten A-Typen oder Administratoren geleitet.

Zu dieser Spezies gehören Manager, die im schützenden Beziehungsgeflecht der Deutschland AG herangewachsen sind und nun als "funktionierende Apparatschiks" (ein Hightech-Unternehmer) Dienst tun. Von der "Unbeweglichkeit an der Spitze" und dem "Festhalten an den Sesseln der Macht" habe er "fast ein Magengeschwür" gekriegt, berichtet ein Ex-Manager. Falls die Beharrer und Bewahrer dann doch abtreten, dreht sich die Schwäche-Spirale oft einige Windungen weiter.

Nicht der Aufsichtsrat, wie es das Gesetz vorsieht, sondern die Chefs selbst suchen in der Regel ihre Nachfolger aus. Sie wählen gern Leute, die ein wenig blasser sind - um die eigene Brillanz zu demonstrieren.

Fatale Folge: Das Managerniveau sinkt ständig; Querdenker und Entrepreneurtypen wandern aus oder in die Selbstständigkeit ab.

Ach ja, siehe oben, alles wird besser. Denn es gibt Topmanager, deren Persönlichkeit den Wandel mitvollzogen hat. Preussag-Chef Michael Frenzel (54), Siemens-Führer Heinrich von Pierer (60) oder Lufthansa-Lenker Jürgen Weber (59) zum Beispiel: allesamt als A-Typen gestartet und bei B zwischengelandet.

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