Topmanager Die Angst vor dem Scheitern

Der Druck lastet schwer auf dem Gemüt, wenn das auch kaum einer offen zugibt. Aber in der behaglichen Anonymität von Umfragen lassen sich Ängste und Verunsicherung zumindest statistisch so richtig ausleben.

Seit über zehn Jahren leuchten die Kölner Wissenschaftler Winfried Panse und Wolfgang Stegmann die Seelen der deutschen Führungskräfte aus. Jüngste Erkenntnis: In den vergangenen drei Jahren, seit der Turbokapitalismus in Deutschland heißläuft, sind die heimischen Manager signifikant furchtsamer geworden: Jeder fünfte bekennt sich heute zu seiner Angst vor Überforderung, knapp 60 Prozent räumen diffuse Ängste vor Fehlern ein, fast 70 Prozent gehen mit dem Trauma des Jobverlustes ihrem Tagwerk nach.

Besonders bedrückend: Das Misstrauen gegenüber den Zuarbeitern im eigenen Unternehmen ist offenbar rasant gewachsen. 44 Prozent der Manager fürchten sich vor Fehlinformationen; die Konkurrenz auf den Märkten (35 Prozent) verbreitet weniger Schrecken.

Der Bammel im Business wirkt fatal: Er lähmt Kreativität und Risikobereitschaft, überfällige Entscheidungen werden noch weiter hinausgezögert - nur wer nichts tut, macht garantiert keine Fehler.

Die Angst vor dem Scheitern ist verständlich und ein urdeutscher Wesenszug. Wer hier zu Lande als Topmanager versagt, wird in der Regel gesellschaftlich geächtet und findet selten einen zweiten adäquaten Job.

Lediglich im Falle des Münchener Autobauers BMW gilt ein glanzloser Abschied offenbar als Empfehlung: Den hinausgedrängten Produktionsvorstand Carl-Peter Forster (46) hat sich Opel schnell gegriffen. Und der heutige Volkswagen-Manager Bernd Pischetsrieder (53), als BMW-Chef dereinst über das Rover-Debakel gestolpert, ist erster Anwärter auf die Nachfolge von VW-Ikone Ferdinand Piëch (63) - zumindest, wenn es nach dem Willen des Wolfsburger Autokraten geht.

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