Was macht eigentlich Johannes Ludewig?

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mag rudern, wie er will - als Retter des Schienenstrangs bleibt ihm nur der zweite Rang. Sofern die Geschichtsschreibung Mehdorns Vorgänger Johannes Ludewig folgt.

"Ich", strunzt der, "habe die Bahn konzeptionell auf den richtigen Weg gebracht." Und: "Ich war derjenige, der gesehen hat, dass Milliardeninvestitionen für das Netz vor meiner Zeit in eine völlig unakzeptable Richtung gesteuert wurden."

Ludewig wagt sich weit vor für einen, der unsanft aus dem Amt geschieden ist; vielleicht genau aus diesem Grund.

Noch immer empören ihn "die Unmöglichkeiten meiner Verabschiedung". Man habe ihn nicht einmal gefragt, ob er vielleicht ein paar Leute einladen wolle. Ludewig, den Helmut Kohl der Bahn vorgesetzt hatte, schied durch den Lieferanteneingang, ohne Büfett und Blumen. "So abserviert zu werden", grimmt er, "das wünscht man seinem ärgsten Gegner nicht."

Da nutzte es nichts, dass Ludewig - zum Ende seiner Amtszeit - tatsächlich ein paar gute Ideen hatte, mutig Prestigeprojekte kippte, etwa die ICE-Strecke durch den Thüringer Wald oder die Untertunnelung des Stuttgarter Bahnhofs. Er sollte bloß schnell weg.

Drei Monate habe er gebraucht, um Abstand zu gewinnen. Die Familie habe ihn aufgefangen. Und eine neue Aufgabe wieder aufgerichtet.

Ein (ungenanntes) Unternehmen bat ihn um Vermittlung im Streit mit der Treuhand-Nachfolgerin BVS, Streitwert: 400 Millionen Mark. Die Mission gelang dem Ex-Bahner offenbar so gut, dass ein zweiter, ähnlicher Auftrag folgte.

Heute betreibt der Staatssekretär a. D. das Beratungshaus Ludewig-Consulting. Das besteht im Wesentlichen aus zwei Büros in Berlin und Bonn, dem Inhaber selbst und einem großen Kunden: dem Bonner IVG-Konzern.

Ludewig unterstützt seinen Mandanten beim Ringen um den neuen Berliner Großflughafen, den IVG gemeinsam mit dem Essener Baukonzern Hochtief errichtet. Das Geschäft wabert zwischen Wirtschaft und Politik. Hier fühlt sich Ludewig zu Haus.

Der Jungunternehmer zielt nicht auf Expansion. Denn erstens sei die Aufgabe kaum delegierbar, "die Leute, die mich engagieren, wollen mich selbst". Zweitens hat er Gefallen gefunden am etwas entspannteren Leben, an regelmäßigem Sport (er hat elf Kilo abgenommen) und den Freuden des Enkel-Hätschelns.

Und dann lockt da noch dieses Abenteuer in Sachsen-Anhalt: Die CDU des Not leidenden Landes bat den früheren Ost-Beauftragten um Beistand. Er soll der Union helfen, im Frühjahr 2002 endlich auf die Regierungsbank zu wechseln. Dort fände sich dann vielleicht auch für ihn ein Platz, als Wirtschaftsminister.

"Ich kandidiere für kein bestimmtes Amt", bremst Ludewig. Überschwang verbietet sich. Bei der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt errang die CDU tränentreibende 22 Prozent.

Reizvoll scheint dem Ost-Experten die Aufgabe aber doch. Er hat angefangen, Kontakte zu knüpfen, sondiert bei Gewerkschaften und Verbänden, was denn die Sachsen-Anhaltiner wünschen. Und er redet sich schon mal in Schwung. "Wir in Ostdeutschland", sagt er, "sind keine Bittsteller, sondern aktive Mitgestalter des modernen Deutschlands."

Plötzlich ist es da: Das Feuer, das Ludewig als Manager womöglich fehlte.

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