Forum Leserbriefe

Die Schattenseiten der Zunft


Medizin:

mm unterzog die zehn größten Diagnosekliniken Deutschlands einem verdeckten Test (siehe mm 3/2001)

Wenn zwei Ärzte das Gleiche sagen - dann ist einer kein Arzt. Schöner als durch Ihren Artikel kann man diese alte Weisheit nicht belegen. Die modernen Geräte spiegeln oft eine Genauigkeit wider, die näherer Betrachtung nicht standhält.

Häufige Fehler der Check-ups: zu viel Messung, zu wenig Interpretation und eine oft hölzerne Anleitung, festgefahrene Gewohnheiten zu ändern. Das gelingt nur durch Information und Motivation, aber dazu brauchen wir den Manager einen ganzen Tag. Für den Check ist das lang, bezogen auf das Leben aber kurz.

Dr. M. Spitzbart,
Lauf

Seit Jahren weist der Privatärztliche Bundesverband im eigenen Interesse darauf hin, dass Ärzte behutsam mit den Ressourcen sowohl der Krankenkassen als auch der Selbstzahler umgehen sollten. Wenn auch manche von uns die Untätigkeit der Politik bei der Anpassung der Gebührenordnung für Ärzte (wenigstens an die Inflationsrate) zur Weißglut treiben mag, so ist das kein Grund, Leistungsausweitung der ganz besonderen Art zu betreiben; nicht nur in Privatkliniken werden "Patienten" krank geredet, auch bei Niedergelassenen werden zum Teil abstruse unwissenschaftliche Untersuchungsmethoden wie Vega-Tests, Regulationsthermographie, Elektroakupunktur oder Irisdiagnose angewandt wie bei Heilpraktikern.

Sind wir also dankbar, dass solche entlarvenden journalistischen Aktivitäten wie im manager magazin die Schattenseiten unserer Zunft aufklären helfen. Ansonsten haben auch wir Funktionäre beziehungsweise Standesvertreter keine Chance zu erfahren, wen wir eigentlich vertreten.

Dr. Oehl-Voss,
Zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes der Privatärzte

Die Titel-Story verleitete mich erstmals zum Kauf Ihres Magazins, mit dem Tenor dieses Artikels stimme ich sogar überein, die Ausführung ist jedoch dermaßen schlecht, dass dies mein erster und letzter Kauf war.

Dr. Horst Wildhack,
Hamburg

Gerade für Mitarbeiter in Führungspositionen von Unternehmen ist Gesundheitsvorsorge sinnvoll. Rechtzeitig kann so schweren Erkrankungen begegnet werden. Bei Ablagerungen in den Halsgefäßen zum Beispiel wird man frühzeitig einen Blutplättchenhemmer oder eine cholesterinsenkende Diät beziehungsweise Therapie verordnen.

Erstaunlich ist nur, warum die meisten Unternehmen den Check-up für ihre Manager in Diagnostik-Kliniken durchführen lassen. Die Probanden werden durch mehrere mehr oder weniger gut kooperierende Abteilungen geschickt und von mehr oder weniger kompetenten Ärzten untersucht.

Das Entscheidende ist die Synthese der erhobenen Befunde, dem jeweiligen Probanden die für die künftige Lebensführung wesentlichen Befunde zu erklären und Normvarianten (unbedeutende, praktisch normale Befunde) zu belassen, was sie sind, eben Normvarianten.

Dr. Gerhard Pongratz,
Fürth

Die subjektiven Eindrücke Ihres Redakteurs, eingeschätzt als "Leidensweg", beim Test der Check-up-Kliniken wollen wir nicht kommentieren. Medizinische Aspekte können wir aber im Interesse der Früherkennung und Abwendung lebensbedrohlicher Erkrankungen nicht unkommentiert lassen.

Schlaganfall-, Herzinfarktrisiko:

Eine wissenschaftlich akzeptierte, gut reproduzierbare Methode zur direkten Evaluierung der Früharteriosklerose (Verkalkung) der Gefäße stellt die Messung der Intima-Media-Dicke besonders der A. carotis communis (Halsschlagader) dar. Dies hat eine Vielzahl von Studien überzeugend demonstriert. Veränderungen an der Halsschlagader lassen vor allem auch Rückschlüsse auf Veränderungen an den Herzkranzgefäßen zu, wie ebenfalls solide durchgeführte Studien gezeigt haben.

Risiko Krebserkrankungen, insbesondere Prostata- und Darmkrebserkrankungen:

Mit dem Tumormarker für die Prostata (PSA) zusammen mit dem freien PSA stehen uns sehr empfindliche Marker zur Verfügung (hohe Spezifität und Sensitivität), die frühzeitig Veränderungen anzeigen können.

Eine Beurteilung ist zusammen mit einer klinischen Untersuchung und Ultraschalluntersuchung der Prostata möglich.

Aus unserer Sicht ist es geradezu fahrlässig, dass diese Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs vom Autor in die Kategorie "unsinnig und wenig empfehlenswert" eingestuft werden.

Dieses gilt auch für die Früherkennung des kolorektalen Karzinoms (Dickdarmkrebs). Hier empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen eine Rekto-Coloskopie jenseits des 50. Lebensjahrs als die ideale Screening-Methode.

Wir stimmen der Forderung des Autors und seines Beraters nach Qualifikationsstandards und Qualifikationszertifikationen zu, sind aber auch gerade deshalb der Meinung, dass die Verfasser sich mit ihren Empfehlungen nicht mehr auf dem neuesten Stand der Evidence-based Medicine befinden.

Dr. Tomas Stein,
Diagnostik Zentrum Fleetinsel Hamburg GmbH

Die aufwändige, sehr teuere Diagnostik kann man sich weitgehend sparen, wenn man sich einen altbewährten, soliden Hausarzt sucht, der einen und die Familie seit Jahren kennt und beim Eintreten in das Sprechzimmer schon erkennt, wo es wirklich fehlt.

Dr. Manfred Müller,
München

In dem Artikel über Check-up-Kliniken wird bei der Programmbewertung der Tumormarker PSA (Prostata-spezifisches Antigen) als unsinnig, zum Teil bedenklich bewertet. Bei der Zielgruppe von Männern zwischen 25 und 65 Jahren - so die Fußnote - wird die jährliche PSA-Bestimmung bei Männern ab dem 50. Lebensjahr von der American Cancer Society und der American Urological Association, den größten und wichtigsten Fachgesellschaften ihrer Art, empfohlen. Wissenschaftlich ist eine enge Beziehung zwischen der Höhe des PSA-Spiegels und der Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms gesichert.

In Deutschland ist die jährliche PSA-Bestimmung zwar kein Bestandteil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung, aber zumindest kein Urologe kann es sich erlauben, bei dieser jährlichen Untersuchung keine PSA-Messung vornehmen zu lassen.

Der gesundheitsbewusste Mann sollte selbst entscheiden, ob er jährlich sein PSA messen lassen möchte oder der Einstufung des mm Glauben schenken sollte.

Prof. Dr. J. E. Altwein,
München

Ihr Artikel hat mich sehr beeindruckt. Zu diesem Thema liest man ja viel, aber in der Regel leider nur Dinge, die an der Oberfläche entlanggeschrieben sind. Hier hat sich nun ein Magazin endlich einmal die Mühe gemacht, fundiert und sorgfältig zu recherchieren und das Thema sachlich korrekt und trotzdem spannend darzustellen.

Hervorragend ergänzt wird dieser Bericht durch die Statements von Professor Schwartz, mit dem Sie einen Experten zu Wort kommen lassen, der nicht hinlänglich Bekanntes zum Thema wiedergibt, sondern tatsächlich das formuliert, was momentan Stand der Wissenschaft ist.

Ernst Rudolf Fissler,
Königstein

Vor drei Jahren habe ich auf Grund lang anhaltender gesundheitlicher Beschwerden gemeinsam mit meinem Hausarzt beschlossen, einen kompletten Check-up in der DKD Wiesbaden durchfühen zu lassen, und ich wurde in einem zweieinhalbtägigen Marathon durch die Diagnoseabteilungen der DKD "auf den Kopf gestellt".

Die Terminabstimmungen innerhalb des Hauses haben hervorragend funktioniert. Für die Gesamtprozedur hatte ich einen Internisten als Ansprechpartner, der mit für mich erkennbarer Fachkompetenz und mit hohem Zeitaufwand die Koordination der einzelnen Fachbereiche veranlasste und mich sehr ausführlich beriet.

Ergebnis: Es wurden letztendlich die tatsächlichen Ursachen meiner Beschwerden gefunden und durch Folgemaßnahmen restlos beseitigt. Das ausgesprochen schlechte Testergebnis bezüglich der DKD hat mich deshalb sehr verwundert.

Theobald Humbert,
per E-Mail

1. Es ist eindeutig falsch, Blutzuckerbestimmung, Blutbild, Blutsenkung, Urinuntersuchungen, Augendruckmessung (grüner Star), Schilddrüsenultraschall (Kropf, Schilddrüsenkarzinom) und Ultraschall der hirnversorgenden Halsgefäße nur in Problemsituationen anzuwenden.

Gerade die Früherkennung der Arteriosklerose (Halsgefäße) kann entscheidende therapeutische Konsequenzen haben, da es zu deren Behandlung sehr wirksame Medikamente gibt.

2. Ein hoher Stellenwert in der Krankheitsfrüherkennung hat die von ihnen als unsinnig apostrophierte Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

3. Falsch ist es, die kleine Darmspiegelung unter Vorsorgeaspekt anzuwenden, da die anderen nicht eingesehenen Darmabschnitte auch krank sein können.

Dr. med. Jürgen Schmidt,
Leipzig

Übernahmeschlacht

Kontroverse um das Interview mit Klaus Esser über Regelungen bei Takeovers (mm 3/2001 )

Ein "faires Regelwerk für deutsche Unternehmen" und eine "kompetente und mit Profis besetzte Schiedskommission" bei Übernahmekämpfen forderte Klaus Esser im Interview mit mm. Der Fall Mannesmann/Vodafone, so der Ex-Mannesmann-Chef, habe gezeigt,dass die bisherige Übernahmekommission überfordert sei. Helmut Loehr, Vorsitzender der Übernahmekommission, widerspricht in einem Brief an die Redaktion heftig. In einem Antwortschreiben verteidigt Esser seine Meinung.

Brief von Helmut Loehr, Vorsitzender der Übernahmekommission:

In seinen Ausführungen zur Rolle der Übernahmekommission irrt Klaus Esser in vier wesentlichen Punkten:

1. Artikel 11 des Übernahmekodex regelt, dass die Angebotsfrist mindestens 28 Tage und höchstens 60 Tage betragen darf. Diese Regelung ist identisch mit den Fristen des britischen City Code. Die Aussage Klaus Essers, dass der Übernahmekodex Fristen vorsehe, die "sich wie Kaugummi dehnen" lassen, ist insoweit nicht haltbar.

2. Die Übernahmekommission hat den Fall Vodafone/ Mannesmann ­ entgegen der Behauptung von Herrn Esser ­ nicht nur an die Geschäftsstelle der Übernahmekommission weitergereicht, sondern hat sich damit eingehend befasst. Sie hat in dieser Sache am 20. Dezember 1999 erstmalig in ihrer Geschichte in einer Sondersitzung ausschließlich zu diesem Thema getagt. Grundlegende Fragen zu diesem Fall wurden jeweils im schriftlichen Umlaufverfahren von den Mitgliedern entschieden. Als Vorsitzender der Kommission stand ich im fortlaufenden Kontakt mit der Geschäftsstelle und habe mich in Einzelfällen direkt in die Gespräche mit den Unternehmensvertretern eingeschaltet.

3. Die Geschäftsstelle verfügt über die notwendige Expertise, um den komplexen Fall Mannesmann/Vodafone sachgerecht zu bearbeiten. Bis dahin hatte die Geschäftsstelle rund 90 Übernahmeverfahren abgewickelt. Die abfälligen Bemerkungen von Herrn Esser zur Qualifikation der Mitarbeiter der Geschäftsstelle entbehren jeder Grundlage.

4. Weder die Übernahmekommission noch ihre Geschäftsstelle sind entgegen den Ausführungen von Herrn Esser mit Beamten besetzt. Die 14 Mitglieder der Übernahmekommission sind hochrangige Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Privatanleger und Wissenschaft. Die Geschäftstelle der Übernahmekommission ist bei der Deutsche Börse AG angesiedelt, die mit ihren Mitarbeitern auf jahrelange Kapitalmarkterfahrungen zurückgreifen kann. Helmut Loehr

Die Antwort von Klaus Esser:

Fussballfreunde wissen: Durch noch so hitzige Diskussionen am Montag kann man ein Spiel nicht gewinnen, das man am Samstag verloren hat. Das gilt auch für die Übernahmekommission und deren Geschäftsstelle. Im Interview ging es mir nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft. Beim nächsten Übernahmeangebot sollten faire und wirksame Regeln gelten. Aus Fehlern müssen wir lernen und sie deshalb nennen dürfen. Zu den einzelnen Punkten:

Zu 1: Herr Loehr schreibt, die strikte Zeitobergrenze sei 60 Tage. Der Übernahmekampf zwischen Mannesmann und Vodafone begann etwa am 20. Oktober 1999 und dauerte bis zum 7. Februar 2000. Dies waren 110 Tage. Die Geschäftsstelle hat einfach die Frist erst nach 63 Tagen in Lauf gesetzt. Meine Empfehlung heißt: in Zukunft soll die 60-Tages-Frist zählen, sobald der Übernahmekampf läuft.

Zu 2: Herr Loehr betont, dass die Übernahmekommission "erstmals in ihrer Geschichte in einer Sondersitzung" am 20. Dezember zum Übernahmekampf "getagt" habe. Der 20. Dezember war der 62. Tag des Kampfes. Für die Zukunft empfehle ich: Wir sollten bei den bedeutenden Übernahmekämpfen einen Schiedsrichter auch schon in der ersten Halbzeit auf dem Platz haben. Entscheidungen müssen im Tagestakt erfolgen.

Zu 3 und 4: Die von Herrn Loehr hervorgehobene Erfahrung der Geschäftsstelle war nicht hilfreich; keiner der Fälle war dem Übernahmekampf Vodafone-Mannesmann ähnlich. Für die Zukunft empfehle ich die Besetzung einer Kommission durch Personen mit Rechtskenntnis, Kapitalmarkterfahrung und Entscheidungsbereitschaft. Diese Kommission soll nach dem Berliner Gesetzentwurf mit Beamten besetzt werden. Diese decken Rechtskenntnis und Entscheidungsbereitschaft ab. Doch Kapitalmarktkompetenz sollte besser durch Praktiker aus Banken und Anwaltssozietäten vertreten sein. Im Interview kam dies möglicherweise missverständlich rüber: Nicht die Mitarbeiter in der heutigen, sondern in der geplanten künftigen Schiedsstelle wären Beamte.

Dr. Klaus Esser


Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften zu kürzen.

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