Topmanager André Leysen über ...

Gevaert-Chef Leysen moniert Schwächen der Unternehmenskontrolle

... die Effizienz deutscher Aufsichtsräte

In deutschen Aufsichtsräten ist eine fruchtbare Diskussion schwierig. Arbeitnehmervertreter und Kapitaleigner stimmen fast immer en bloc ab. Der Druck ist sehr groß, mit seiner Gruppe zu stimmen, auch wenn man Vorbehalte hat. Wenn der deutsche Aufsichtsrat sich irrt, dann irrt er sich eben einstimmig.

... die Haftung der Kontrolleure

Es kommen sehr schnell angelsächsische Usancen auf Deutschland zu. Jeder einzelne Aufsichtsrat kann dann für Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden, falls er nicht die nötige Sorgfalt angewendet hat. Als Konsequenz aus dem verschärften Haftungsrecht legen viele Leute in Frankreich und Belgien freiwillig ihre Aufsichtsratsmandate nieder; sie wollen die Verantwortung und das finanzielle Risiko nicht mehr tragen.

... Anregungen für eine bessere Aufsichtsratsarbeit

Die so genannten Vorbesprechungen, in denen Arbeitnehmer und Kapitalvertreter getrennt beraten, sollten aufgewertet werden. Jeder muss dort seine Bedenken äußern und auch schriftlich niederlegen können. Das einzelne Mitglied kann so seine Bedenken ventilieren und trotzdem die Loyalität der Gruppe respektieren.

... das Vorbild Holland

In holländischen Aufsichtsräten herrscht eine professionellere Dialogkultur. Die Kontrolleure tagen öfter. Die Gremien werden gezielt nach unterschiedlichen Fähigkeiten zusammengesetzt: Man sucht sich jemanden fürs Internationale, einen Personalfachmann und natürlich auch einen Finanzexperten. Aber anders als in Deutschland gibt es in Holland nie mehr als einen Bankenvertreter im Aufsichtsrat.

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