Donnerstag, 21. November 2019

Nach Niedergang der Oppenheims Die Auferstehung der Kölner High Society

Neue Netze: Kölscher Klüngel 2.0
DPA

Nach dem Niedergang der Oppenheims sortiert sich Kölns High Society neu. Für die geplagte Stadt eine Befreiung.

In den ach so glorreichen Zeiten war die exklusivste Einladung in Köln ein Anruf aus dem Bankhaus Sal. Oppenheim: Man möge sich doch bitte an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit am Flughafen Köln-Bonn einfinden, Privatfliegerterminal, versteht sich. Dort bestieg man dann mit Bankmächtigen wie Matthias Graf von Krockow und ausgesuchten Freunden des Hauses dessen Jet und düste runter nach Ibiza - das der Kölner gern Iih-Bit-Zah nennt, mit Betonung auf der zweiten Silbe.

Im sonnigen Süden fand man sich in einer Villa wieder, es gab reichlich Champagner für die Ladys, Zigarren für die Herren, man besprach das eine oder andere Investment. Und wenn es dunkelte und die Stimmung entkrampft ward, landeten einige hochvermögende Gäste im Pool, wie einer schaudernd erzählt, der sich auf einer spätrömischen Orgie wähnte. Spätestens da bekamen mehr und mehr Wirtschafts- und Societygrößen das Gefühl, dass es nicht mehr lange gut gehen könne mit Kölns erster Familie.

Ging es dann ja auch nicht. Die blaublütigen Bankiers verhedderten sich in ihren Geschäften, die Bank wurde 2009 in letzter Sekunde verkauft, das Vermögen ist größtenteils futsch, und die Ex-Chefs sitzen seit mehr als zwei Jahren fast wöchentlich in einem Strafprozess auf der Anklagebank. Die Urteile könnten schon im Juli gesprochen werden, Haftstrafen nicht ausgeschlossen.

Einer der letzten Kölner Patrizier lässt mittags beim Italiener Kartoffeln und Brot links liegen, Kabeljau in Dijonsoße und Gemüse genügen Patrick Adenauer, einem schlanken Herrn, der auf dem Trottoir allem Gegenverkehr vorauseilend ausweicht, behände, feingliedrig und auch sonst das Gegenbild zum ausladenden Ex-Banker Krockow.

Kanzlerenkel Patrick Adenauer: "Signal für einen Neuanfang für Köln"

Adenauer erzählt, noch immer bewegt, von der kürzlichen Beerdigung seines Schwiegervaters Klaus Ulonska, des großherzigen und volksnahen Mäzens seiner Heimatstadt und des Fußballklubs Fortuna Köln. Die halbe Stadt kam, um ihn zu verabschieden.

Andere werden weniger vermisst. Ja, "der Niedergang einer Bank wie Sal. Oppenheim ist eine Tragödie. Aber ihr wohnt auch das Signal für einen Neuanfang für Köln inne", sagt der Kanzlerenkel, der als Präsident der Familienunternehmervereinigung ASU bundesweit bekannt wurde.

Köln kommt wieder. Noch vor zehn Jahren sah es übel aus für die Stadt. Sie schien in die Fänge einer Clique geraten zu sein, galt als verklumpt, gelähmt. Die Beinahepleite der Privatbank Sal. Oppenheim 2009 beraubte Kölns Society dann auch noch ihrer schillerndsten Herrschaften aus Freiherren und Baronessen. Köln war zu einem vielleicht sympathischen, aber hoffnungslosen Ort geschrumpft.

Nun hat die Metropole am Rhein begonnen, die Patina abzuwaschen. Die Oppenheims und Ullmanns? Passé. Die Gerlings? Erbe Rolf floh mit seinen Milliarden in die Schweiz. Die Industrieadeligen derer Wolff von Amerongen? Hinfort. Die Könige sind tot (gesellschaftlich betrachtet), es lebe das Volk.

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