Sonntag, 18. August 2019

Sportmarke Hummel "Wir wollen den FC Bayern gar nicht sponsern"

Frauenfußball-Nationalmannschaft von Afghanistan

Der Sportausrüster Hummel kann Mega-Marken wie Nike oder Adidas nicht mit Geld herausfordern. Dafür aber mit Frechheit und Mut. Hummel-Eigentümer Christian Stadil setzt auf Buddha, Kampfsport - und die Coolness der Fußballer.


Veranstaltung: Christian Stadil exklusiv in der manager lounge

mm: Herr Stadil, Sie sind Fan von Buddha, machen Yoga und Kampfsport. Wie praktizieren Sie Ihre Leidenschaften?

Stadil: Mein täglicher Trainingsplan ist ein Mix aus Yoga, Crossfit und Kampfsport. Dazu gehören auch klassische militärische Übungen wie Klimmzüge und Liegestützen. Das mache ich, seitdem ich neun Jahre alt bin. Ich habe mit Taekwondo angefangen, war einer der jüngsten Boxer Dänemarks. Dann habe ich als Trainer beim Militär Kampfsportarten unterrichtet. In dieser Zeit war ich Teil der königlichen Leibgarde. Später kamen noch Kung-Fu und Thai-Boxen hinzu. Außerdem besteige ich Berge in Tibet, Japan, Chile und den Alpen.

mm: Das klingt ziemlich extrem. Welche Rolle spielt der Buddhismus dabei für Sie?

Stadil: Ich verbinde Sport mit Spirituellem, beispielsweise meditiere ich und mache Atemübungen. Ich praktiziere den Buddhismus aber nicht im strengen Sinne als Glauben, sondern eher als Philosophie, als Wissenschaft des Geistes. Mein Sohn, der bald zwei Jahre alt wird, ist übrigens am 8. April geboren. Genau wie Buddha. Ein Fingerzeig des Schicksals? Keine Ahnung. Ich finde das auf jeden Fall witzig.

mm: Welchen Einfluss hat das Spirituelle auf die Sportmarke Hummel?

Stadil: Hummel ist sicher kein religiöses Unternehmen, das muss man schon strikt trennen. Unsere Mitarbeiter repräsentieren viele verschiedene Nationen, Kulturen und Religionen. Allerdings hat der Buddhismus großen Einfluss auf mein wirtschaftliches Handeln. Meine Philosophie habe ich vor zehn Jahren niedergeschrieben in meinem Buch "Company Karma".

mm: Karma und Kapitalismus - wie passt das zusammen?

Stadil: Wir leben in einer Welt, die immer kleiner und kleiner wird. Wir wachsen zusammen, vor allem durch das Internet. Das heißt, jede Handlung eines Unternehmens hat eine gesellschaftliche Konsequenz. Unternehmensführer müssen sich dessen bewusst sein und danach handeln.

mm: Das sind schöne Worte. Aber als Unternehmen müssen Sie zunächst einmal Geld verdienen - und das deckt sich nicht unbedingt mit den Interessen der Gesellschaft.

Stadil: Da stimme ich Ihnen vollkommen zu! Wir sind nicht die Heilsarmee, sondern ein gewinnmaximierendes Unternehmen. Wir wollen unsere Gewinne steigern, wir wollen Marktanteile erobern und so unsere Wettbewerber ärgern. So ein Unternehmen ist wie ein Körper, der Blut braucht. Unser Blut ist das Geld - eine Firma braucht Cashflow und Liquidität, um zu funktionieren. Wenn man kein Geld hat, ist es auch schwer, etwas Gutes zu tun. Ich pflege immer zu sagen: Kein Geld, kein Karma. Sobald wir Gewinne erzielt haben, stellt sich aber die entscheidende Frage: Was tun wir mit dem Geld?

mm: Nun ja, Sie geben viel Geld für Werbung und Marketing aus... Kann man so den Planeten retten?

Stadil: Wir wollen ja gar nicht den ganzen Planeten retten. Aber wir haben den Anspruch, dass das, was wir tun, eine Relevanz besitzt. So sponsern wir zum Beispiel die Fußball-Nationalmannschaften von Afghanistan und Sierra Leone - sowohl das Männer- als auch das Frauenteam. Gerade in Afghanistan war es Frauen unter dem Taliban-Regime lange nicht möglich, Fußball zu spielen. Außerdem sponsern wir die komplette erste Liga in Afghanistan, sodass wirklich jedes Team in Hummel-Kleidung spielt. Ich möchte durchaus behaupten, dass man die Welt durch Sport ändern kann. Mit Fußball erreicht man manchmal mehr als mit Waffen.

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