Was Apple-Anleger ignorieren 203 Milliarden Dollar Cash und andere Kleinigkeiten

Von Andrea Rungg
Im Januar eröffnete Apple im chinesischen Hangzhou einen neuen Apple-Store. Im vergangenen Quartal wuchs der Umsatz in China um 112 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar. Und das soll jetzt ein Grund zur Besorgnis sein?

Im Januar eröffnete Apple im chinesischen Hangzhou einen neuen Apple-Store. Im vergangenen Quartal wuchs der Umsatz in China um 112 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar. Und das soll jetzt ein Grund zur Besorgnis sein?

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203 Milliarden Dollar Kapitalreserven: Was Apple kaufen könnte

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Nun, gut ist eben nicht gut genug. Dieser Satz gilt für kein anderes Unternehmen so sehr wie für das weltweit wertvollste. Apple  präsentiert regelmäßig Umsatzzuwächse von denen selbst manch aufstrebendes, gehyptes Startup nur noch träumen kann. Im abgelaufenen Geschäftsquartal lag der Zuwachs bei 33 Prozent zum Vorjahr. Apple präsentiert Quartalsgewinne, die manch Top-Fortune-500-Unternehmen nicht einmal im Jahr machen.

Oder nehmen wir den Vergleich mit Dax-Unternehmen auf. In einem für Apple normalen Quartal machte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsquartal mit 10,7 Milliarden Dollar Gewinn so viel wie Daimler im gesamten Geschäftsjahr 2014 - und Daimler war damit hinter Volkswagen die Nummer zwei.

Aber derartige Vergleiche zählen an der Börse nicht. Es zählt die Zukunft, die Hoffnung, dass noch mehr geht. Der kleinste Zweifel am Unternehmen lässt manche Anleger des Konzerns sogleich in tiefe Depression verfallen. Anders kann man die Vernichtung von 66 Milliarden Dollar Börsenwert (minus 7 Prozent) nach Bekanntgabe der Quartalszahlen kaum interpretieren. Und weil man sich dabei die Augen reibt, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Nummer vier der umsatzstärksten Dax-Unternehmen - also BMW - an der Börse nicht einmal so viel wert ist.

Angst vor dem rasanten Wachstum in China

Die Anleger haben mindestens eine Schwäche ausgemacht: Apple blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück und verkaufte statt rund 50 Millionen iPhones "nur" 47,5 Millionen - immerhin trägt das iPhone 63 Prozent zum Umsatz von 49,6 Milliarden Dollar bei.

Auch China könnte ein Risiko sein, schließlich warnen die Autokonzerne bereits vor Einbrüchen angesichts der Turbulenzen auf den Aktienmärkten und einem gebremsten Wachstum. Apple erwirtschaftete in der Volksrepublik einen Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 112 Prozent. China ist für Apple also nach wie vor eine Bank. Anleger scheinen aber zu befürchten, dass das Land in der regionalen Umsatzverteilung Übergewicht bekommt und ein konjunktureller Rückfall Chinas Apple dann um so härter treffen könnte. Dabei war China noch nicht vor allzu langer Zeit ein Hoffnungsträger.

Für Anleger betrüblich dürfte auch die Prognose von Apple gewesen sein: "Nur" mit 49 bis 51 Milliarden Dollar Umsatz rechnet das Unternehmen im laufenden Quartal. Dabei hatten Analysten auf mindestens 51 Milliarden Dollar gesetzt. Dass Apple chronisch konservative Schätzungen abgibt, das scheint nicht zu beruhigen.

Dass die Apple Watch ein Verkaufsschlager wird, davon ist Apple-Chef Tim Cook überzeugt

Dass die Apple Watch ein Verkaufsschlager wird, davon ist Apple-Chef Tim Cook überzeugt

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Enorme Cash-Reserven und das Missverständnis um die Apple Watch

Und die Apple-Watch? Daran dürften sich die Anleger kaum geklammert haben. Schließlich hatte der Konzern bereits im September vergangenen Jahres die Erwartungen derart gedämpft, in dem er angekündigt hatte, man werde die Computeruhr unter "Other Products" subsummieren.

Wer genaue Verkaufszahlen wollte, also Kenntnis darüber, ob sie nun ein Flop ist oder nicht, der musste sich an die Berechnungen der Analysten halten. Die waren allerdings so unterschiedlich, dass Apple am Dienstag immerhin den Hinweis gab, dass die Kategorie "Other Products" im Vergleich zum Vorjahr eigentlich schrumpfende Umsätze verzeichnet hätte, wenn die Apple Watch nicht mitgerechnet würde. Dieser Hinweis ließ immerhin den Schluss zu, dass Apple Uhren im Wert von mindestens knapp einer Milliarde Dollar verkauft haben muss.

Es gibt schlechtere Produktstarts, mag sich manch Konkurrent gedacht haben - und dabei in Tränen ausgebrochen sein.

Enorme Cash-Reserven im Ausland gehortet

Schließlich gab es noch eine Kennziffer, die die Anleger schlicht ignoriert haben. Es war eine historische Zahl, eine die noch nie ein IT-Konzern verkündet hat. 203 Milliarden Dollar - um genau zu sein, 202,8 Milliarden Dollar (plus 9,5 Milliarden Dollar zum Vorquartal). Das ist die Höhe der Cash-Reserven, die Apple hortet - vorwiegend im Ausland, nämlich 89 Prozent davon.

Würde Apple das Geld in die USA transferieren, dann müsste der Konzern darauf 35 Prozent Steuern bezahlen. Für eine höhere Dividende würde Apple womöglich eher weitere Schulden in Kauf nehmen, als dafür Cash-Reserven anzuzapfen.

Apropos Dividende: Wäre Apple-Chef Tim Cook genauso stur wie sein Vorgänger Steve Jobs gewesen und hätte keine Dividende gezahlt, dann könnte der IT-Konzern auf einen Kassenbestand von 330 Milliarden Dollar blicken. Und wenn wir schon bei "hätte, wenn und aber" sind, dann sei an dieser Stelle vermerkt, dass Apple mit 330 Milliarden Dollar dank des schwachen Euro den diesjährigen Bundeshaushalt in Höhe von 299,1 Milliarden Euro locker hätte alleine stemmen können.

Gut, aber auch mit 203 Milliarden Dollar könnte Apple einiges anstellen - wie unsere Übersicht zeigt.

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203 Milliarden Dollar Kapitalreserven: Was Apple kaufen könnte

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