Jeff Bezos und Co. Superreiche im Yachten-Kaufrausch

Die Aktienmärkte florieren, viele Milliardäre sind während der Corona-Krise noch reicher geworden. Wohin mit dem vielen Geld? Der Markt für Superyachten boomt.
Luxusyacht "Dilbar": Ein ähnliches Exemplar hat angeblich zurzeit die Bremer Lürssen-Werft für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Arbeit

Luxusyacht "Dilbar": Ein ähnliches Exemplar hat angeblich zurzeit die Bremer Lürssen-Werft für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Arbeit

Foto: Peter Seyfferth / imago images / Peter Seyfferth

Irgendwann vor längerer Zeit muss Jeff Bezos morgens mit einem Wunsch erwacht sein, wie ihn viele Menschen haben, den sich aber nur die wenigsten erfüllen können: Ich hätte gerne eine Megayacht.

Bezos (57) ist Gründer und Chef des Online-Konzerns Amazon und mit einem durch die Corona-Krise noch einmal vergrößerten Vermögen von rund 190 Milliarden Dollar laut "Forbes"  gegenwärtig der reichste Mensch der Welt. Er gehört zu den wenigen, die sich diesen Wunsch mit Leichtigkeit erfüllen können. Und offenbar tut er das auch: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg  vor einigen Tagen verbreitete, lässt sich Bezos zurzeit in den Niederlanden eine 127-Meter-Segelyacht bauen. Der Dreimaster mit dem Projektnamen "Y721" gehöre zum Größten, was im Hotspot der Luxusschiffbauer bisher gefertigt wurde, heißt es in dem Bericht. Laut Website Superyachts.com  wird es sogar die größte reine Segelyacht der Welt.

Kostenpunkt: vermutlich mehr als 500 Millionen Dollar.

Für die Geschichte gibt es - wie fast immer im auf äußerste Diskretion bedachten Großyachten-Gewerbe - keine Bestätigung. Doch sie passt ins Bild: Die Corona-Krise hat das Geschäft mit Luxusyachten offenbar enorm angetrieben. In der Pandemie gleichen sich Superreiche und Normalsterbliche in mancher Hinsicht mehr als in ruhigeren Zeiten: Die Menschen sind durch Lockdowns, Quarantäneregeln und Reisebeschränkungen in ihren Freiheiten eingeengt, "Distanz halten" lautet die Devise. Der feine Unterschied ist jedoch: Wer ein zwei- oder gar dreistelliges Milliardenvermögen sein Eigen nennt, hat gewisse Möglichkeiten.

Dazu gehört zum Beispiel der Kauf einer Luxusyacht. Insbesondere unter Pandemiebedingungen hat ein Privatschiff von 50 Metern Länge oder mehr unbestreitbare Vorteile: Der Besitzer bleibt auch über weitere Strecken mobil, der geforderte soziale Abstand kann dennoch eingehalten werden. Kein Wunder also, dass der Handel in den vergangenen Monaten florierte. Schließlich hat die Corona-Krise zwar die Wirtschaft vielerorts lange Zeit in die Knie gezwungen. Die Börsen jedoch haben sich von einem anfänglichen Schock im Frühjahr 2020 schnell wieder erholt und entwickeln sich seither stabil bis aufwärts.

In der Folge haben die Vermögen in Milliardärskreisen rund um den Globus ebenfalls tendenziell sogar noch zugelegt, und zwar enorm. So zählte das US-Magazin "Forbes"  vor wenigen Wochen weltweit insgesamt 2755 Milliardäre - 660 mehr als noch vor einem Jahr. Das Gesamtvermögen dieser Superreichen beläuft sich dem Magazin zufolge inzwischen auf 13,1 Billionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch acht Billionen Dollar.

Im Handel mit Luxusyachten macht sich dieser Aufschwung bemerkbar. Vor allem der Secondhand-Markt ist Branchenbeobachtern zufolge momentan so gut wie leer gefegt sei. "Der Verkauf von Gebrauchtyachten boomt extrem", sagt Martin Hager, Chefredakteur des Magazins "Boote Exclusiv". "Angebote sind kaum zu finden, was auch auf die Umstände der Corona-Krise zurückzuführen sein dürfte." Im gleichen Zuge, so Hager, haben auch die Preise für gebrauchte Privatschiffe angezogen.

Warum mit dem Yachtkauf warten?

Gleiches berichtet Sam Tucker, Experte von Vesselsvalue, einem maritimen Bewertungs- und Datenanbieter. "Der Secondhand-Markt für Superyachten ist sehr aktiv mit einer Rekordzahl an Transaktionen", teilt er auf Anfrage mit. Nachdem im Frühjahr vergangenen Jahres die beginnende Pandemie zunächst auch den Handel mit Yachten beeinträchtigt habe, habe das Geschehen im Juli Fahrt aufgenommen, so der Marktkenner. "Wir reiten noch immer auf dieser Welle und es gibt keine Zeichen, dass der Markt sein Momentum verliert."

Auch Tucker vermutet einen direkten Zusammenhang zwischen Corona-Krise und dem plötzlichen Aufschwung am Yachtmarkt. "Große Yachten werden womöglich als gute Gefährte zur Isolation sowie sicheren Urlaub betrachtet", meint er. "Doch das gilt auch für Inseln und Villen." Tatsächlich habe die Pandemie womöglich viele Menschen nachdenklich gemacht. Millennials seien ohnehin bekannt für ihre Man-Lebt-Nur-Einmal-Einstellung, so Tucker. Wenn jemand also über eine Superyacht nachdenke - warum warten, bis es zu spät sei?

Anders als auf dem Gebrauchtmarkt sieht es dagegen offenbar im Geschäft mit Neubauten aus. Dort sei ein Einfluss durch die Pandemie bisher kaum zu spüren, sagt "Boote Exclusiv"-Chefredakteur Hager. Das könnte auch an den langen Lieferzeiten liegen. So müssen Kunden bei Einzelanfertigungen wie dem Projekt "Y721" nach der Bestellung bis zu vier Jahre auf die Auslieferung warten.

Auf den weltweit rund 180 auf dieses Genre spezialisierten Werften befinden sich nach Angaben Hagers momentan etwa 800 Superyachten im Bau, 18 davon in Deutschland und allein knapp 400 in Italien, dem wichtigsten Standort für diese Branche. "Die Zahl der Bestellungen hält sich gegenwärtig konstant", sagt der Branchenbeobachter. "Das ist ein gesunder Markt, der aber nicht abhebt."

Amazon-Chef Bezos ist also keineswegs der einzige, der zurzeit auf sein neues Spielzeug wartet. Laut Bloomberg hat beispielsweise auch Hollywood-Regisseur Steven Spielberg (74, "Schindlers Liste", "Indiana Jones") ein schwimmendes Domizil in Auftrag gegeben. Spielbergs aktuelles Schiff sei vor Kurzem für 131 Millionen Euro zum Verkauf angeboten worden, so der Bericht . Ein Sprecher des Filmgranden habe zu dem Thema das übliche Statement abgegeben: kein Kommentar.

Laut "Bild"-Zeitung  baut die Bremer Lürssen Werft zudem gegenwärtig eine rund 160 Meter lange und 23 Meter breite Superyacht für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (35). Der "schwimmende Palast" mit dem Arbeitsnamen "Project Blue", der frühestens 2022 fertig werden soll, sehe so ähnlich aus, wie die 156 Meter lange Luxusyacht "Dilbar", die Lürssen 2015 für den Usbekischen Milliardär Alisher Usmanov (67) gebaut habe, so die Zeitung. Vermutlicher Preis: 300 Millionen Euro.

... und so sieht es aus: Mordaschows neue Motoryacht "Nord"

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Foto: imago stock / imago images/TheYachtPhoto.com

Einer, der nicht mehr warten muss, ist dagegen Oligarch und Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow (55). Der Russe, der seine Milliarden - laut "Forbes" sind es zurzeit rund 33 - mit dem Severstal-Konglomerat in seiner Heimat gemacht hat, übernahm schon Anfang dieses Jahres für geschätzte 400 Millionen Euro (oder auch ein bisschen mehr) eine funkelnagelneue 142-Meter-Motoryacht von Lürssen. Während der Touristikkonzern Tui, an dem Mordaschow einen Großteil der Anteile hält, ums Überleben ringt , gönnt sich der Magnat auf seinem Schiff nur vom Feinsten: Swimmingpool, Beachclub, Kino, Theater und einiges mehr kann Mordaschow seinen Gästen bieten. Zudem gibt es an Bord gleich zwei Hubschrauberlandeplätze, von denen einer auf Knopfdruck in einen Hangar verwandelt werden kann.

Apropos Hubschrauberstellplatz, da kann wiederum Amazon-Gründer Bezos noch einen draufsetzen. Auf einem Schiff mit drei Masten, wie er es sich den Berichten zufolge in den Niederlanden bestellt hat, ist es naturgemäß schwierig, einen Helikopter zu landen. Für den reichsten Mann der Welt ist das aber längst kein Grund, auf dieses Mindestmaß an zusätzlicher Mobilität zu verzichten. Bezos soll - einem Branchentrend folgend - kurzerhand zusätzlich zum Hauptschiff noch eine Nebenyacht bestellt haben, einen Hubschrauberlandeplatz inklusive. Die Lebenspartnerin des Amazon-Chefs, die amerikanische TV-Moderatorin Lauren Sánchez (51), sei schließlich Helikopterpilotin, heißt es in Medienberichten. Und auch der Amazon-Chef nehme angeblich bereits Flugstunden.

cr
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