Leuchtendesigner Tobias Grau "In den Wohnzimmern ist es viel zu hell"

Mit dem Glühlampenverbot bricht eine neue Beleuchtungsära an. Mit Energiesparlampen können sich jedoch weder Verbraucher noch Lichtdesigner wirklich anfreunden. Leuchtengestalter Tobias Grau erklärt im Gespräch mit manager magazin, warum er auf LEDs setzt und welche Herausforderungen die neue Technik für das Design bedeutet.

mm: LEDs sind immer weiter auf dem Vormarsch. Setzen Sie als Leuchtendesigner überhaupt noch auf andere Techniken?

Grau: Im Wohnraumbereich setzen wir ganz stark auf die LED, weil es da so große Chancen gibt, wirklich Neues zu gestalten und tolle Sachen zu bauen, die nur wenig Strom verbrauchen.

Aber im Bürobereich sieht es ganz anders aus. Dort wird die Glühlampe ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt. Und im Vergleich zu den Leuchtmitteln, die da gegenwärtig Verwendung finden, spart die LED kaum etwas. Es ist zwar ein sehr gutes Licht, mit dem man, anders als mit den im Bürobereich üblichen Leuchtstofflampen, das volle Spektrum der Farbwiedergabe hinbekommt. Aber weniger Kosten hat man damit derzeit dort noch nicht. Deshalb wird der Durchbruch für die LED-Technik ganz sicher beim privaten Verbraucher zuerst kommen, der da viel mehr Sparpotenzial hat.

mm: Welche Herausforderungen birgt die neue Technik für Sie als Gestalter?

Grau: Wir arbeiten so richtig intensiv erst seit gut einem Jahr mit LEDs für den Wohnraumbereich, weil davor das Licht schlicht viel zu schwach war. Das ist mittlerweile besser gelöst, ohne Einbußen bei der Lichtqualität. Die Leuchtengestaltung selbst ist damit allerdings eine komplett andere: Die LED ist vorne kalt und hinten sehr heiß. Damit verlangt sie komplett andere Leuchtenformen als eine Glühbirne, bei der das umgekehrt ist. Das ist für Designer eine riesige Herausforderung.

Dadurch, dass wir die Hitze hinten wegbringen müssen, entstehen völlig neue Formen - ein Tropfen zum Beispiel, dessen metallener Körper zugleich als Kühlelement dienen kann. Und wir haben völllig neue Möglichkeiten. Für Treppenhäuser etwa kann man getrost eine Vielzahl kleiner hängender Leuchtkörper entwerfen - in klassischer Technik, etwa mit Halogen, wäre das ein Problem, weil man nicht ohne Aufwand zum Austausch der Leuchtmittel an die Leuchte kommt. LEDs muss man nicht austauschen. Die haben laut Herstellern, und das sind ja Weltfirmen, denen man das glauben darf, eine Lebensdauer von 50.000 Stunden, können also mehrere Jahrzehnte in Betrieb sein.

Man muss schon sagen: Das Glühlampenverbot ist für die Branche ein Schwungrad. Es gibt einen richtigen Schub. Es ist die spannendste Zeit, die ich je als Designer erlebt habe.

"Energiesparlampen haben drinnen nichts zu suchen"

mm: Viele Lichtplaner sagen, es dauere noch fünf Jahre, bis die LED massentauglich sei. Was ist Ihre Prognose?

Grau: Es geht garantiert schneller.

mm: Muss man denn jetzt komplett umdenken? Die meisten Verbraucher haben ja einen ziemlichen Leuchten-Mix in Betrieb: Außen am Haus Energiesparlampen, innen ein paar mit Glühbirnen, etliche Halogenstrahler und vielleicht in Küche und Keller noch Leuchtstofflampen…

Grau: Das ist doch alles gar nicht so schlimm. Mit dem stufenweisen Glühlampenverbot ist jedoch eine sehr extreme Wahrnehmung beim Verbraucher entstanden. Aber es ändert sich gar nicht so viel. Die Energiesparlampen draußen können bleiben, für diesen Bereich reichen sie vollkommen aus. Allerdings taugen sie auch nur für den Außenbereich, drinnen haben sie nichts zu suchen.

Halogenstrahler und Leuchtstofflampen kann man einfach weiterbetreiben - für die nächsten Jahre kann man getrost auch weiter auf Halogenleuchten setzen, die ja ein traumhaft schönes Licht geben. Bisher können die LEDs auch noch keine riesigen Lichtmengen in einem winzig kleinen Spot bündeln. Der klassische Kronleuchter etwa mit Kerzenglühlampen ist allerdings ein Problem. Dafür habe ich keine Lösung.

mm: Haben Sie sich mit Glühbirnen bevorratet?

Grau: Ja. Das hat doch jeder gemacht. Ein paar Sachen möchte man ja doch weiterbetreiben.

mm: Wenn man doch auf LEDs umsteigen will: Wie kann man sich als Verbraucher orientieren?

Grau: Man muss auch innerhalb der LEDs genau hinsehen. Es gibt LEDs, die ein scheußliches Licht mit einer sehr schlechten Farbwiedergabe geben; blöderweise haben genau die eine hohe Energieeffizienz. Die richtig guten verbrauchen etwas mehr Strom. Da muss man sich entscheiden, was man will.

Wir verkaufen unsere neuen Leuchten gar nicht mit dem Argument LED. Das Leuchtmittel ist dem Verbraucher doch eigentlich egal, Hauptsache, er bekommt gutes Licht, das er dimmen kann und das bezahlbar ist. Für die Lichtqualität ist die Farbwiedergabe entscheidend. Und die sieht man nicht auf den ersten Blick. Im Leuchtengeschäft stehen zig Leuchten auf engem Raum, da kann man realistisch kaum etwas erkennen. Um das zu sehen, braucht man ein Umfeld, in dem die Leuchte isoliert steht.

mm: Sind LEDs denn schon wirklich hell genug, um Wohnräume komplett zu beleuchten?

Grau: In deutschen Wohnzimmern ist es sowieso generell viel zu hell. Wenn ich mit der Hochbahn durch Hamburg-Eppendorf fahre und in die Wohnzimmer gucke, fällt mir immer auf, was die Leute für Riesenleuchten haben. Wenn man Lichtberatung macht, muss man oft als erstes sagen: Mach die Lampe da oben aus. Man sollte viel eher pointiert gut ausleuchten als so ein Dauerfeuerwerk brennen lassen.

mm: Man sollte meinen, die Leute wüssten es besser - kein Innenarchitekt hat doch je dazu geraten, einen Raum von der Mitte aus erbarmungslos auszuleuchten.

Grau: Es hat historische Gründe, die immer noch eine Rolle spielen. Ganz früher, zu Zeiten von Kerzen und Petroleumlampen, hatte man gar nicht die Ressourcen, einen Raum komplett auszuleuchten. Das Licht war pointiert. Mit der Elektrifizierung hatte man auf einmal Lichtquellen zur Verfügung, die den Raum mit wenig Aufwand komplett erhellen konnten. Viele sind einfach dabei geblieben.

Fallende Tropfen: Die Leuchten von Tobias Grau

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