Montag, 21. Oktober 2019

Teppichdesign Patchwork mit Persern

Auf dem Boden wird es bunt. Die neuen Teppiche kommen mit fröhlichen Farben und interessanten Mustern - und auch beim Recycling kommen die Hersteller auf ganz neue Ideen und zerschneiden alte Perserteppiche zu handlichen Fliesen.

Köln - Alte Perser werden aufgemotzt, bunter Filz setzt Akzente, und Pixelmuster verfremden Farben: Neue Ideen bringen in dieser Saison frischen Wind ins Teppichdesign. Auf der internationalen Möbelmesse "IMM Cologne" in Köln zeigten in diesem Jahr mehrere Hersteller Patchwork-Teppiche mit Vergangenheit. Das Unternehmen Stepevi aus Istanbul zerschneidet alte Perser in viereckige Fliesen. Zuvor werden sie gereinigt und zum Teil nachgefärbt, erklärt Martin Neumann, der Vertreter des deutschen Generalimporteurs. "Und so ist jeder Teppich ein Unikat."

Die Modelle fallen auch sonst aus dem Rahmen: Eine Standardgröße ist beim Modell "Harvest" nicht einzuhalten - je nach Zahl der verwendeten Fliesen fällt der Teppich auf Bestellung größer oder kleiner aus. Der Idee der Wiederverwertung und Verfremdung hat sich auch das neue Modell des Herstellers Kymo aus Karlsruhe verschrieben. Mit seinem Teppich "Mashup" will das Unternehmen den Orientteppich im "Vintage-Look" neu erfunden haben. Auch hier werden alte Perser demontiert, aufbereitet und in Patchwork-Mustern neu zusammengestellt.

"Die Stoffe werden bedruckt, eingefärbt, abgewetzt und in Felder zerschnitten", erklärt Sprecherin Ann Zuber. Ziernähte schmücken die Übergänge auf dem neuen Teppich. Außerdem gibt es das Modell "Fabric [Squared]", bei dem ein elastischer Schaumkern mit Textilien oder Filz überzogen wird. Er dient als Begleiter für das Yoga-Training oder die entspannte Lektüre mit einer Tasse Tee auf Bodenhöhe.

Die Verfremdung steht auch hinter dem Design des Teppichs "Rose Pixel" aus dem Hause Bretz aus Gensingen. In der Kollektion der Designerin Carolin Fieber dominiert die Blume. Auf dem Teppich erahnt der Betrachter die rosa Blüte allerdings nur noch mit viel Fantasie. "Ich hatte das Blumenmuster am Computer pixelisiert und groß ausgedruckt", sagt die Designerin.

Ökotrend beim Bodenschmuck

Unterschiedliche Florhöhen, eine Mischung von Materialien und der Kontrast von Erdtönen mit bunten Farben verleihen dem Teppich einen Körper. Ähnliche Verläufe finden sich auch in den beiden anderen Modellen der Kollektion: "Red Light" solle an Urbanität gemahnen, sagt Fieber. Die grauen Verläufe von "Shades" rufen Schatten hervor. Auf dreidimensionale Effekte zielt auch Stepevi mit Modellen, die Synthetikgarne und Schurwolle mischen. Durch wechselnde Florhöhen entstehen geometrische oder von der Natur inspirierte Muster.

Und auch der Ökotrend hat den Bodenschmuck erreicht. So hat das Unternehmen Hey-Sign aus Meerbusch schon seit mehreren Jahren Filz im Programm. "Filz ist wohnlich, warm und behaglich, und er absorbiert Schall und schlechte Gerüche", sagt Sprecherin Sonja Zilz. Für das Modell "Tiles" verband Designerin Wiebke Hoffmann unregelmäßig angeordnete, quadratische Filzplättchen zu einer großen, immer wieder durchbrochenen Fläche. Und "Twice" verknüpft zwei Hälften in einem Stecksystem.

Das italienische Unternehmen Moroso recycelt ebenfalls alte Perserteppiche. Nachhaltigkeit ist auch das Ziel des schwedischen Herstellers Bolon, der zeigt, dass ein Bodenbelag aus gewebtem Vinyl zusammen mit einem pflanzlichen Weichmacher durchaus wohnlich aussehen kann.

Außerdem wurde auf der Messe ein Modell von Moroso präsentiert, dass das indische Rangoli-Muster aufgreift. Auch das Modell "Furoshiki" des portugiesischen Herstellers TemaHome wirkt wie ein Kunstwerk - es verarbeitet japanische Motive in einem Läufer.

Thorsten Wiese, dpa

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