Architekturtrends Viel Glas, viel Holz

Von kuscheliger Fachwerkseligkeit über kühle Glashausarchitektur bis zu modernen Ökofassaden - Fertighäuser gibt es mittlerweile in vielen verschiedenen Stilrichtungen. Mit den im Werk vorproduzierten Elementen sind auch ganz individuelle Gestaltungen möglich - allerdings nicht unbedingt billiger als in klassischer Bauweise.

Bad Honnef - Mehr als jedes siebte deutsche Einfamilienhaus wurde 2008 in Fertigbauweise errichtet. Mitentwickelt wurde die Fertighaus-Idee bereits am legendären Bauhaus. Etwa seit 1926 setzte sich der Gründer der Architekturschule, Walter Gropius, intensiv damit auseinander. Seine Philosophie: Mittels vorproduzierter Bauelemente kann nach dem Baukastenprinzip der Grundtyp eines Hauses variiert werden. Vom Arbeiterhaus bis zum herrschaftlichen Familiensitz sollte die mögliche Palette reichen.

Moderne Fertighäuser knüpfen aber nicht nur wegen des Prinzips der Vorfertigung an die Tradition des Bauhauses an. "Die prägenden Stilelemente des Bauhauses - kubische Formen, gerade Linien und funktionale Grundrisse - finden sich in vielen aktuellen Fertighäusern wieder", sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef.

Daneben liegenEntwürfe im Trend, die traditionelle Fachwerkbauweise mit viel Glas neu interpretieren. "Bodentiefe Verglasungen geben den Blick ins Innere des Gebäudes frei und beziehen die umgebende Natur mit ein", erzählt Catharina Praedel vom Hersteller Huf-Haus in Hartenfels. Ähnliche Entwürfe finden sich auch bei Anbietern wie Da Vinci Haus aus Elben und Meisterstück-Haus aus Hameln.

Festpreis auf hohem Niveau

"Ausschlaggebend für die wachsende Akzeptanz von Fertighäusern ist, dass immer mehr Bauherren die Möglichkeiten der freien Planung nutzen", sagt Klaas. Frei geplante Fertighäuser seien eine wirtschaftliche Alternative zum teuren Architektenhaus. Im Gegensatz zum Standardhaus vom Bauträger seien sie trotzdem eine individuelle Lösung.

"Viele hochwertige Fertighäuser haben eine gute Architektur", bestätigt auch der Architekt und Fachbuchautor Thomas Drexel aus Augsburg. Wichtig sei aber darauf zu achten, welcher Planer und welches Konzept dem Kunden bei der Verwirklichung zur Verfügung stehen.

Dass freigeplante Fertighäuser mit Festpreis günstiger sein sollen als Häuser von Architekten, hält Drexel für ein Vorurteil. "Der Bauherr hat beim Fertighaus zwar den Vorteil eines Festpreises", erklärt der Experte. Diesen erkaufe er sich allerdings durch einen Preis auf hohem Niveau, denn Fertighausfirmen müssten die Kosten für Hausausstellungen und Vertrieb in den Hauspreis einkalkulieren.

Fertighäuser aus der Fabrik setzen aber auch auf Ökologie und Energieeffizienz. "Die deutschen Hersteller von Holzfertighäusern haben sich schon sehr früh mit ökologischem Bauen und der Planung von Energieeffizienzhäusern beschäftigt", berichtet Klaas. Ihre Bauweise verschaffe ihnen einen Vorsprung bei der Wärmedämmung. Und die industrielle Vorfertigung sorge dafür, dass die Häuser auch tatsächlich die geplante Energiespar-Qualität erreichten.

Stephanie Hoenig, dpa

Fertighäuser: Die neuen Trends in Bildern

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