Lichtgestaltung Bye, bye bulb

Das Ende der Glühbirne naht. Schon ab Dienstag werden matte und 100-Watt-Glühbirnen aus den Regalen verschwunden sein. Energiesparlampen sind vielen wegen ihres kalten Lichtes aber regelrecht verhasst. manager-magazin.de sprach mit führenden Lichtplanern über leuchtende Alternativen - und mit welchen Tricks man atmosphärische Störungen vermeiden kann.

Hamburg - Das Aus der Glühbirne steht fest. Das Verschwinden der 100-Watt-Birnen und der matten Varianten ist nur der Auftakt. In einem Jahr sind dann die 75-Watt-Birnen dran, 2011 die 60-Watt-Modelle und 2012 schlägt dann auch für die 40- und 25-Watt-Modelle die letzte Stunde.

Alle Proteste, Rettungsversuche und Einwände wegen des Quecksilbergehalts der Energiesparlampen sind wirkungslos verhallt. Die EU gibt die Richtung vor: Stromsparen ist angesagt. Doch richtig warm mit den Alternativen sind bislang nur wenige geworden. In den letzten Wochen und Monaten beobachteten Händler regelrechte Hamsterkäufe von Glühbirnen in allen Formen und Stärken.

Abschied von der Lagerfeuerromantik

Auch Lichtplaner wie der Münchener Ben Wirth deckten sich noch einmal ein. "Das ist der Abschied von der Lagerfeuerromantik, ein richtiger Einschnitt", ist Wirt überzeugt, der als Hommage an die gute, alte 200 Watt-Glühbirne eine Halogenleuchte entworfen hat, die die Gestalt des Leuchtklassikers imitiert.

"Für manche Leuchten gibt es einfach keinen Ersatz." Zum Beispiel Kronleuchter, so Wirth, "sehen mit Energiesparlampen einfach nicht aus".

Auch Lichtplaner Herbert Cybulska vom Berliner Planungsbüro L-Plan ist wehmütig. "Da geht eine ganze Lichtkultur über den Jordan." Mit den Energiesparlampen und neuen Techniken werden sich viele schwertun, ist er überzeugt. "Von der Evolution sind wir auf Lagerfeuer gepolt" - und genau diesen Effekt könnten Energiesparlampen mit ihrem verfälschenden Farbspektrum nicht kreeieren.

Halogen als Mittel der Wahl

Die von der Politik propagierte Energiesparlampe ist für Planer wie Wirth, Cybulska und den Bonner Lichtexperten Andreas Schulz keine Alternative - auch nicht wenn sie von den Herstellern mit Labeln wie "warmweiß", neutralweiß oder "tageslichtweiß" versehen werden.

Zweifellos ist die Energiesparlampe der klassischen Glühbirne was die Energiebilanz angeht, weit überlegen. Doch ihr Lichtspektrum ist eingeschränkt. Es fehlen spektrale Anteile, insbesondere Rot, was dazu führen kann, "dass man vom Teppich zu Hause manche Farben gar nicht richtig wahrnimmt", wie Lichtplaner Schulz betont. "Die ganze Stimmung die sie verstreuen ist einfach nicht schön", sagt Wirth.

Wer sich trotzdem für Energiesparlampen entscheidet, sollte auf die Packung schauen und die dort vermerkten dreistelligen Ziffern: Je höher die erste Ziffer, desto weniger verfälscht das Licht die Farben, am besten ist eine neun. Außerdem sollte man schon im Laden testen, wie schnell die Lampen angehen. Manche Billigmodelle sind erst nach zwei Minuten komplett erleuchtet.

Mittel der Wahl ist für die Lichtdesigner für den Hausgebrauch derzeit Halogen - in Form von so genannten Hochvolt-Halogenlampen. Funktionierten diese früher meist über einen Steckmechanismus, gibt es mittlerweile auch eine Vielzahl von Modellen, die sich wie Glühbirnen in handelsübliche Lampenfassungen eindrehen lassen.

In Punkto Energiebilanz steht die Halogenlampe Energiesparleuchten zwar deutlich nach. Dafür ist ihr Licht aber nach den Worten von Lichtplaner Schulz aber "vergleichbar gut" wie das von Glühbirnen - "teilweise sogar brillanter". Außerdem lassen sie sich problemlos dimmen und man kann - ob der starken Strahlkraft - zu geringeren Wattzahlen greifen.

Hoffnung für Lüsterbesitzer

Auch für Besitzer von Lüstern gibt es Hoffnung. Lichtplaner Schulz rät ihnen, auf LED-Leuchtmittel in Form von Kernzenglühlampen umzusteigen. Das Zusammenspiel zwischen LED-Lichtquelle und reflektierenden Kristallstrukturen sorge nicht selten für ein "brillantes Ergebnis".

Die letztendliche Zukunft des Lichtes sehen die Experten allerdings in der LED-Technik, die nach einhelliger Meinung der drei Experten aber noch in den Kinderschuhen steckt. "Das Seelenheil liegt noch nicht in der LED-Technik. Die Industrie ist einfach noch nicht so weit", sagt Schulz. Auch OLED, bei dem ganze Flächen beleuchtet werden, "ist noch absolut Zukunftmusik."

Der Bonner Lichtplaner rechnet damit, dass es noch fünf Jahre dauern wird, bis die energiesparenden Technik wirklich marktfähig ist und weitere fünf bis sie sich durchgesetzt haben wird.

Doch die LED wird kommen. In der Automobilindustrie, im Unternehmensbereich und in der Haustechnik gibt es jetzt schon vielversprechende Experimente. Auch eine Variante, bei der mehrere LEDs gegen Phosphorscheiben leuchten und sich das Licht so farblich variieren lässt, stößt bei den Gestaltern auf Begeisterung. Wie bei Energiesparlampen, sollte man bei LED aber ganz besonders auf Qualität achten und im Zweifel lieber zum Markenprodukt greifen, rät Schulz. Ansonsten, rät Schulz einfach zum experimentieren. "Licht ist absolut subjektiv ."

Biderstrecke: Gelungenes Lichtdesign

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