Architektur Landloft

Mit Leben auf dem Bauernhof verbinden die meisten rustikale Gemütlichkeit und Landhauscharme. Dass es auch anders geht, und man auch in einem hundertjährigen Bauernhof mit Glas und Stahl Loftatmosphäre erzeugen kann, beweist dieser Umbau vor den Toren Kölns.
Von Kristina Raderschad

Hamburg - Dass sie eines Tages auf einem Bauernhof wohnen würden, genauer gesagt in dem umgebauten Futtersilo eines Vierkanthofes, hätten Tobias Wiemann und Bernd René Maesse kaum für möglich gehalten. In der Schmuckbranche und im Hotelmarketing tätig und oft auf Reisen, lebten die beiden in einer Stadtwohnung in bester Kölner Wohnlage, als ihnen das rund 100 Jahre alte Gebäude auf einem nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Vierkanthof zum Kauf angeboten wurde.

"Die fast sieben Meter hohen Räume des ehemaligen Silos haben uns auf Anhieb begeistert", erzählt Tobias Wiemann. "Für uns war immer klar: Wenn wir eines Tages ein eigenes Haus kaufen, dann nur eines mit extraviel Platz - egal ob Neubau oder altes Gemäuer."

Für die Umwandlung der Gebäude in ein modernes, offen gestaltetes Domizil mit rund 300 Quadratmetern Wohnfläche waren erstaunlich wenige bauliche Eingriffe nötig. "Die alten Ziegelmauern befanden sich in einem soliden Zustand und blieben weitestgehend intakt", so der Architekt Stephan Otto, für den die Hofrestaurierung in Erftstadt bereits die sechste ihrer Art war. "Im Erdgeschoss wurden lediglich Durchbrüche zwischen dem ehemaligen Silo und dem angrenzenden Stallgebäude geschaffen, sodass heute Wohnraum mit Galerie sowie Koch- und Essbereich offen ineinander übergehen."

Dank der Versetzung der Wohnraumrückwand wurden gut 30 Quadratmeter Fläche gewonnen. Das Dach ließ der Architekt an dieser Seite entsprechend verlängern; mit einem fünf mal sechs Meter breiten Dachausschnitt gegenüber dem Eingangsbereich schuf er dagegen ein luftiges Atrium.

"Schon vor dem Kauf gab es die Idee zu diesem privaten Innenhof, der an zwei Seiten vollflächig verglast ist", erinnert sich Tobias Wiemann. "Uns war gleich klar: Das ist der optimale Platz für einen Whirlpool!" Mit dem Jacuzzi hat sich das Atrium als ganzjährig nutzbares Spa etabliert. Tobias Wiemann und Bernd René Maesse genießen ihr neues Domizil auf dem Land als Ruhepol.

Dennoch ist ihnen die Nähe zur Stadt - örtlich wie auch gestalterisch - wichtig. Statt holzbetontem Landhaus- Charme wohnt den Räumen mit ihren in verschiedenen Grautönen lackierten Estrichböden, Einbauten aus Sichtbeton sowie Fensterrahmen und Geländern aus rohem Stahl eher die Atmosphäre eines Lofts inne.

"Der Kontrast zwischen den rund 100 Jahre alten Gemäuern und einem geradlinigen, coolen Interieur macht für uns den Reiz des Hauses aus", so die Bauherren, die eine schwarze, hochglänzend lackierte Kücheninsel ins Zentrum des offenen Erdgeschosses stellten. Hier verbringen sie häufig Abende mit ihren Freunden aus der Stadt, die anschließend ihr eigenes Reich im Gästetrakt unterm Dach beziehen können - für einen Kurzurlaub auf dem Land.

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