Innenarchitektur Wohnkapseln und Visionen

In einer spannenden Kulturausstellung des Wohnens zeigt das Wolfsburger Kunstmuseum die Schnittstellen zwischen Innenarchitektur und Kunst. Spektakuläre Entwürfe von Mondrian, Panton und Lichtenstein sind dabei ebenso zu sehen wie visionäre Wohnhüllen und Nachbauten von Künstlerateliers.

Wolfsburg - Kunst im privaten Wohnraum ist das Thema der neuen Ausstellung im Kunstmuseum in Wolfsburg . "Wohnen gehört zu den großen Themen des Lebens", begründet Museumsdirektor Markus Brüderlin den Streifzug durch 200 Jahre Wohngeschichte. Die 1600 Quadratmeter große und 17 Meter hohe Museumshalle hat sich für die Ausstellung "Interieur/Exterieur. Wohnen in der Kunst" in einen Parcours, ein Labyrinth von Innen- und Außenräumen verwandelt. Gezeigt werden bis zum 13. April etwa 140 Werke von 70 Künstlern und Designern.

"Es ist mehr als eine Kunstausstellung, es ist eine Kulturausstellung des Wohnens", sagt Brüderlin. Dem Besucher wird einiges abverlangt, fast wie auf dem Speicher eines alten Hauses gilt es sich zu orientieren: Bauhaus, Jugendstil, Popart - hinter jeder Wand, nach jeder Abbiegung ist etwas Neues zu entdecken. Von einzelnen preisgekrönten Stühlen und berühmten Gemälden über komplett eingerichtete Räume bis zu Videoinstallationen.

Genetische Bausteine aus 200 Jahren

Gerade eben noch steht der Besucher im Nachbau des Pariser Ateliers von Piet Mondrian von 1926, spaziert anschließend an den berühmten Cocktailsesseln der 50er Jahre und Küchentischen mit Resopal-Platte vorbei und steht dann vor einem Gemälde von Roy Lichtensteins aus dem Jahr 1997.

Eben noch kann man in das idyllisches Gemälde "Am Stickrahmen" von Georg Friedrichs Kersting aus dem Jahr 1827 versinken und schon weckt das für die Ausstellung geschaffene "Schlafzimmer 2/08" von Alexandra Ranner ganz andere Gefühle. Ein kahles Zimmer mit einem ungemachten Bett lässt an Einsamkeit, an unbehagliche Kälte und an Bedrohung denken. Es scheint, als spiegelt sich diese Szenerie in einem Spiegel, erst beim zweiten Blick bemerkt der Betrachter, dass er selbst in diesem Spiegel nicht zu sehen ist. Wer dem Impuls folgt, die scheinbare Spiegelfläche berühren zu wollen, wird durch Alarmsignale davon abgehalten.

Das Museum wolle erneut die Grenzen zwischen Gestaltung und Kunst ausloten, erläutert der Direktor das Ziel. "Genetische Bausteine" für das heutige Leben sollten aus den vergangenen 200 Jahren herausgefiltert werden. Damit wolle er zeigen, dass der moderne Mensch sich zwischen den Polen Offenheit und Abkapselung "einzuhausen" versuche. Mit seiner gläsernen Wohnkapsel wagt der Stuttgarter Ingenieur Werner Sobek einen Blick in die Zukunft, in der beide Bedürfnisse gespiegelt werden. Auf Knopfdruck wird die transparente Wohnhülle undurchsichtig. Auch eine Musterwohnung, zurückgebaut auf den Zustand von 1942, kann nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt besichtigt werden.

Anita Pöhlig, dpa

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