Möbeldesign Schiefer-Wohnen

Es ist ein äußerst sprödes Material, das sich der Bildhauer Lutz Kommallein für seine Designermöbel ausgesucht hat: In seiner Werkstatt entstehen minimalistische Bänke, Tische und Stühle aus schichtverleimten Schieferplatten. Die auf das Wesentliche reduzierte Ästhetik mutet fast japanisch an.

Hohenwalde - 30 Zentimeter breit, 60 Zentimeter lang, weniger als einen Zentimeter dick. Das Standardformat für portugiesische Schieferplatten lädt nicht dazu ein, das Material für großformatige Bänke oder Tische einzusetzen - gemeinhin werden die Platten nur für Dächer oder Wandverkleidungen verwendet.

Aber der Bildhauer Lutz Kommallein , gelernter Schmied und Steinrestaurator, lässt sich von den Widerspenstigkeiten des Materials nicht beirren: Seit er vor mehr als zwanzig Jahren in der Nähe seines damaligen Ateliers am Prenzlauer Berg in Berlin eine Schieferplatte fand, die bei einer Dachrenovierung übrig geblieben war, regt der spröde Werkstoff seine Phantasie an.

Skulpturen und Plastiken hat Kommallein schon daraus gebaut, auch filigrane Schmuckstücke aus extrem dünn geschliffenen Mini-Platten. Seit zwei Jahren hat er sich dem Möbelbau verschrieben - und konzipiert in seiner Werkstatt im idyllischen Hohenwalde tief in der brandenburgischen Uckermark minimalistische Tische, Stühle, Bänke und sogar Waschbecken aus Schiefer. Für eine Galeristin übernahm er gleich die komplette Innen- und Außeneinrichtung ihrer Geschäftsräume - vom Schreibtisch bis zum japanisch anmutenden Terrassenmobiliar.

"Der Stein gibt klare Grenzen"

"Schiefer hält unheimlich viel Gewicht aus", schwärmt Kommallein. Und das Material ist vielseitig: Neben dem schwärzlichen portugiesischen Schiefer gibt es brasilianische Sorten, die auch rot oder jadegrün sein können. Und italienische Schiefer kann bis zu zwei Zentimetern dick sein - Hersteller hochwertiger Billardtische wissen dieses Material zu schätzen, weil es absolut plan zu verarbeiten ist. Während der Schiefer beim Billardtisch aber unter grünem Filz verschwindet, legt Kommallein die Struktur offen. Besonders brüchig sei der Stein keineswegs, wenn man ihn absolut glatt poliere - und sogar wetterfest: "Da springt nichts ab. Da müsste man schon mit dem Hammer draufhauen", meint Kommallein.

Er verleimt die Platten gegeneinander versetzt im Sandwichverfahren mit Steinharz und stellt so minimalistische Möbelkonstruktionen her, die eine sehr schlichte Formensprache mit einer manchmal durchscheinenden Vorliebe für Asymmetrien verknüpfen. Dreieckige Stühle oder Tische mit schrägem Unterbau entstehen so, aber auch äußerst zurückgenommene Sitzbänke, die auf die Urform zweier rechter Winkel reduziert sind. Die aufwändige Verarbeitung macht die Möbel teuer: Für eine geschwungene Liege muss man schon etliche Tausend Euro auf den Schiefertisch legen.

"Der Stein gibt klare Grenzen, das macht die Arbeit mit Schiefer reizvoll", findet Kommallein. Die reduzierte Ästhetik setzt auch dem Komfort enge Grenzen. "Mit Polstersesseln können meine Stühle, was das angeht, nicht konkurrieren", meint er. Allerdings hat er dafür auch schon eine Lösung in Arbeit: "Ich überlege derzeit, ob ich die Bänke mit maßgefertigten Filzauflagen anbiete."

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.