Unikatmöbel Jagdbomber zu Schreibtischen

Das ist Recycling auf höchstem Niveau: Die süddeutsche Firma Private Wing baut Möbel aus historischen Flugzeugteilen. Aus den Tragflächen von Jagdbombern der 50er und 60er Jahre werden so Schreibtische von Entscheidern.

Bessenbach - Wer gerne fliegt, sehnt sich auch im Büro nach einem Möbelstück vom Himmel. Jedenfalls ging das Alexander Geis so. Der 33 Jahre alte Vielflieger wollte auch zu Hause nicht auf aeronautisches Ambiente verzichten.

Aus den Flügeln einer alten DC-9 baute sich der findige Tüftler einen Schreibtisch. Der Pilotensitz wurde zum Chefsessel umgebaut. Und aus der Idee für eine originelle private Raumgestaltung wurde in anderthalb Jahren ein Unternehmen, das noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben und im kommenden siebenstellige Umsätze machen soll.

"Ich bin ein Liebhaber schöner Möbelstücke", meint der 33-jährige Geis, "und besonders liebe ich Unikate." Freunde wurden auf die neuen Möbel im Heimbüro aufmerksam, und weil noch "Abfall von der Erstproduktion" da war, wurde gleich weitergebaut. "Die erste Kleinserie ging rasend schnell weg", erzählt Geis.

Barhocker aus Pilotensitzen

Seine Lebensgefährtin Sabine Jeitler stieg als Vertriebsleiterin in das junge Unternehmen ein und kümmert sich auch um die Beschaffung der Teile. Mittlerweile bauen sieben fest angestellte Mitarbeiter die Flugzeugmöbel. Lediglich komplexe Unterkonstruktionen und knifflige Lackarbeiten werden nach außen vergeben.

Der aktuelle Katalog umfasst mehr als 30 Modelle, vom ausladenden Konferenztisch aus Jagdbomberflügeln der 50er und 60er Jahre über Barhocker aus Pilotensitzen der Boeing B-50 und Stehtischen aus Turbinenschaufelrädern und Tiptanks.

Die exklusivsten Stück der aktuellen Kollektion sind zwei Serien von je zehn Schreibtischen aus Höhen- und Seitenrudern der DC-3, dem Flugzeug, das als "Rosinenbomber" der Berliner Luftbrücke Geschichte schrieb. Für knapp 6000 Euro ist so ein Möbel zu haben.

Möbel, die unters Waffengesetz fallen

Möbel, die unters Waffengesetz fallen

Wer nicht ganz so viel investieren möchte, sondern nur mit einem ausgewählten Accessoire seine Affinität zur Luftfahrt demonstrieren möchte, kann für knapp 800 Euro einen Kleiderständer bekommen, der aus einem auf eine Standplatte verschweißten Propellerblatt besteht - oder legt sich nur einen Trolley zu, mit dem einst die Stewardess die Getränke an Bord servierte. Auch Passagiersitze für Partykeller oder Lounge sind bei Private Wing zu bekommen.

Einzelne Flugzeugteile könne man schon einmal bei Ebay ersteigern, berichtet Geis, "für größere Stückzahlen muss man tief in der Branche sein." Staatliche Auktionen sind eine Hauptquelle für die Bessenbacher Möbelbauer. Allerdings gestaltet sich die Einfuhr oft kompliziert, weil der Export auch ausrangierter Militärteile meist dem Waffengesetz unterliegt.

Rund 30 bis 50 Tische verkauft Private Wing nach eigenen Angaben jährlich, gerne an Kunden wie den ehemaligen Tornado-Piloten, der seither Teile seines ehemaligen Arbeitsplatzes im heimischen Büro stehen hat - oder den Vorstandsvorsitzenden eines Metallbetriebs, der mit seinem Konferenztisch die Möglichkeiten des Materials demonstrieren will.

Hinzu kommt das "Kleinzeug", wie es Geis nennt - Garderobenständer und Kleinmöbel, die in höheren Auflagen gebaut werden. Und die Sonderanfertigungen: Eine regionale Fluglinie ließ sich aus der Triebwerksabdeckung einer Boeing 947 eine Rezeption bauen, und ein Discjockey eine fast zwei Meter hohe Soundkanzel aus der Boeing 747. Damit schließt sich dann der Kreis: Immerhin röhrt es wieder aus dem Rohr.

Fotostrecke: Aus Fliegern werden Möbel

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