Sonntag, 25. August 2019

Etuimacher Luxushüllen

Er ist der Mann für das edle Innenleben: Der Etuimacher Andreas Ludwig fertigt Schrankeinrichtungen für Privatflugzeuge und Jachten, damit Silberbesteck und Kristallgläser nicht klappern. Auch Fußballpokale bekommen bei ihm maßgeschneiderte Transportkoffer. Ein Werkstattbesuch mit manager-magazin.de.

Hamburg - Von Glamour ist hier wenig zu spüren. Ein alter Lastenaufzug rumpelt durch das graffitibeschmierte Treppenhaus. Hinter zerkratzten Türen bieten eine Musikschule, ein Sportstudiobetreiber und ein Tätowierer ihre Dienste an. Aber in diesem Haus, auf einer 220 Quadratmeter großen Hinterhofetage am Rande von Hamburg-Wandsbek, wird purer Luxus hergestellt: Im dritten Stock hat die Firma "Erich Ludwig e.K. - Besteckeinrichtungen - Etuis - Vertreterkoffer" ihren Sitz.

In der Werkstatt riecht es nach Holzleim und Leder. Meterlange, deckenhohe Regale quellen über mit Stoffrollen: edle Seiden und Atlasstoffe, Samt und Satin. Handschuhweiche Lederproben und opulente Musterbücher laden zur lustvollen Auswahl ein. Aber es gibt, von einigen hanseatisch-bescheidenen Vitrinen im Eingangsflur abgesehen, keinen Showroom. Alles sieht nach dem aus, was es ist: Handwerk. Arbeit eben.

Bei Ludwig entstehen Luxusfutterale für alles, was gut und teuer ist. Der Deutsche Fußballbund lässt Transportkoffer für Pokale fertigen und der Hamburger Senat repräsentative Hüllen für Ehrenbürgerurkunden. Auch die Automobiltrophäe "Goldenes Lenkrad" hat ihr maßgeschneidertes Köfferchen.

"Wir haben keine günstigen Produkte"

Reiche Scheichs und betuchte Hanseaten geben bei Ludwig gerne Innenausbauten für die Schränke ihrer Jachten und Privatflugzeuge in Auftrag, traditionsbewusste Damen aus den Hamburger Elbvororten betten das Familiensilber stolz in passgenaue Besteckschubladen aus hiesiger Produktion.

An der Wand lehnt ein halbfertiger Koffer zum unbeschadeten Transport eines Bischofsstabs. "Wir haben keine günstigen Produkte", umreißt Andreas Ludwig das Geschäftsprinzip, "aber auf Dauer rentiert es sich für unsere Kunden eben doch, in Qualität zu investieren." Der 40 Jahre alte Etuimacher führt eine alte Familientradition fort. Sein Urgroßvater gründete die Firma 1887. Aber erst als vor zehn Jahren Ludwigs Vater einen schweren Unfall hatte, machte auch der Junior sich die Firma zur Lebensaufgabe.

Damals studierte Ludwig gerade klassischen Gesang und verdiente sich die Ausbildung als Tanztrainer. Grafik hatte er mal studiert, auch Psychologie, aber in der Firma der Eltern mehr zu machen als nur ein bisschen auszuhelfen, hatte er sich nie vorstellen können.

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung