Dienstag, 10. Dezember 2019

Oscar Niemeyer Schöne Frauen, schöne Bauten

Eine Architekturlegende wird 100 Jahre alt: Der brasilianische Visionär Oscar Niemeyer hat die üppige Kurve als Bauform etabliert. Mit mehr als 500 Gebäuden prägte er das Antlitz der Moderne - und denkt noch lange nicht an Ruhestand.

Rio de Janeiro - Drei Frauen liegen nackt am Strand und zeigen ihre Kurven - dieses Poster hängt im Büro des legendären Architekten der Moderne, Oscar Niemeyer, über dem Schreibtisch. Damit huldigt der Brasilianer seiner größten Inspiration: der Schönheit der Frauen und der Natur.

Mit der Replikation ebendieser Ästhetik in seinen weltweit über 500 Gebäuden hat Niemeyer die moderne Architektur des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt. Am Samstag feiert er seinen 100. Geburtstag. Dabei lässt er jedoch keine Zweifel, dass er auch weiterhin Bauten von Weltruhm schaffen will. "Kurven sind die natürliche Lösung - die Lösung, die sich anbietet, je größer das Problem ist", sagt Niemeyer. "Es ist die Form des Menschen."

Die futuristische Formensprache mit kurvenreichen Konturen, spektakulären Tragwerkskonstrukten sowie seine fließenden Verbindungen zwischen innen und außen kennzeichnen die Bauwerke Niemeyers. Wenn Le Corbusier, mit dem der Brasilianer schon in den 1930er Jahren zusammenarbeitete, durch Huldigung der rechten Winkel weltberühmt wurde, so sind es bei Niemeyer die Rundungen.

Auch am UN-Hauptgebäude in New York zeichnete er für die Kurven des Tagungsgebäudes der Vollversammlung verantwortlich. Weltweit wurde Niemeyer vor allem wegen seiner Bauten für die in den 1950er Jahren auf dem Reißbrett geplante Hauptstadt Brasilia bekannt. Alle öffentlichen Gebäude stammen dort von ihm. Das Parlamentsgebäude und die Catedral Metropolitana gelten dabei als herausragend. Das Ensemble gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Abenteuer Brasilia

"Das war ein Abenteuer", sagt Niemeyer jetzt lapidar. "Es wurde so schnell gebaut, wir hatten kaum Zeit zum Nachdenken." In vier Jahren entstand Brasilia, das heute die Heimat von 2,2 Millionen Menschen ist. Zu seinen Meisterwerken zählt auch das Museum für zeitgenössische Kunst in Niteroi bei Rio de Janeiro: Wie ein riesiges, fast unheimliches, Ufo schwebt es majestätisch über der Steilküste.

"Das Wichtige für einen Architekten ist es das zu tun, was ihm gefällt. Nicht das, was andere von ihm verlangen", sagt Niemeyer. Dadurch sei man auch davor gefeit, seine Arbeit zu wichtig zu nehmen. "Nur wenig ist im Leben wirklich wichtig." In den Laudatios zu seinen zahlreichen Preisen klang das meist anders. Als er 1988 den Pritzker-Preis verliehen bekam - der oft als Nobelpreis der Architektur bezeichnet wird, wurde er als "Meister der modernen Architektur" bezeichnet.

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