Designleuchten Quallen fürs Wohnzimmer

Neue Techniken beflügeln die Leuchtendesigner zu organisch inspirierter Formenvielfalt. Moderne Dioden und mundgeblasenes Glas vereinen sich zu skulpturalen Gebilden, kühle Materialien entfalten überraschende Poesie - und der klassische Kronleuchter erfährt eine Neuinterpretation im neobarocken Stil.

Frankfurt am Main/Berlin - Ein leuchtender Quallenschwarm, sich windende Schlangen und kunstvoll aufgefächerte Blüten: Die neue Leuchtengeneration vereint Fantasie und Technik. Designer erschaffen Skulpturen, die auch ausgeschaltet die Blicke auf sich ziehen. Möglich wird vieles davon erst durch neue Materialien und Technologien - allen voran die sogenannten LEDs.

LEDs (Light Emitting Diodes), zu deutsch Leuchtdioden, gelten als die neuen Favoriten der Designer und sind zu einer ernsthaften Konkurrenz für Halogenleuchtmittel geworden. "Die LED-Technik ist immer mehr im Kommen", sagt Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Branchenverbandes licht.de in Frankfurt. Lange Jahre fanden sich die winzigen, aber sehr effektiven Lichtquellen nur im Verborgenen wie etwa hinter Standby-Leuchten von Fernsehern und Computermonitoren. Für die Verwendung im großen Maßstab waren sie im Vergleich zu herkömmlichen Glühbirnen zu teuer und technisch auch noch nicht ausgereift genug.

"Bis in die 90er Jahre waren Leuchtdioden nur in Rot, Orange, Bernstein, Gelb und Grün erhältlich", schreibt die britische Einrichtungs-Spezialistin Elizabeth Wilhide in ihrem Buch "Leuchten, Licht, Effekte". Inzwischen gebe es auch blaue und weiße Dioden, was das gestalterische Spektrum erheblich erweitere.

Auch sonst haben die Dioden einige Entwicklungssprünge hinter sich: "LED-Leuchten sind immer preiswerter geworden, haben eine lange Lebensdauer, sind klein und energiesparend", sagt Daniel Steps vom Landesverband Berlin-Brandenburg des Bunds Deutscher Innenarchitekten (BDIA).

Bis zu 50.000 Betriebsstunden hält eine weiße Leuchtdiode mittlerweile durch. Die Lichtausbeute der Winzlinge steigt mit jeder neuen Generation, und der Energieverbrauch ist verschwindend klein: Ganze drei Watt benötigt man, um mit einer Diode das Licht einer normalen Glühlampe zu erzeugen.

Während aus Steps' Sicht LEDs für eine technologische Orientierung bei der Lichtgestaltung stehen, verlieren sie für Wilhide mehr und mehr ihr rein technisch-funktionales Image. Immer öfter würden Dioden auch für kreative Lichtdekorationen verwendet.

Karge Dioden und barocke Opulenz

Zu den Pionieren modernen Leuchtendesigns gehört Ingo Maurer. "Threesome" heißt einer seiner neuesten Entwürfe - auf den ersten Blick sehr technisch anmutend, bei genauem Hinsehen aber eine verspielte Angelegenheit. Die Dioden strahlen einzeln in Rot, Blau und Grün, ergeben zusammen aber ein weißes Licht.

An die Blüte einer Calla erinnert die Stehleuchte "aR-ingo", die Ron Arad für Maurers Unternehmen in München entwickelt hat. Die poetische Form trifft hier auf ein äußerst kühles Material: Die Blüte wird von Aluminiumwaben geformt, durch die das Licht sanft schimmert.

Natur und Technik paaren sich auch bei der Hängeleuchte "Jellyfish" des französischen Herstellers Ligne Roset. Neben 256 Leuchtdioden besteht sie aus Kabelschutzhüllen, die normalerweise für Überschallflugzeuge verwendet werden. Für die Leseleuchte "Paranoid" kombinierte Designer Swan Bourotte die Hightech-Hüllen mit 24 LEDs zu einer flexiblen Schlange, die sich dem Lesenden nach Wunsch zuneigt.

Nüchtern und zugleich verspielt ist "Casino" von Tobias Grau. Im Inneren der Hängeleuchte aus mundgeblasenem Glas befindet sich eine in acht Farben programmierbare Leuchtdiode. Je nach Stimmung kann die Lichtfarbe von kühlem Blau zu warmem Rot verändert werden. Damit im Schein der Lampe gelesen werden kann, hat "Casino" zusätzliche LEDs, die ihr Licht nach unten hin warmweiß abstrahlen.

Das Gegenstück zu Graus minimalistischem Entwurf bildet der "LQ Chandelier", den Hani Rashid für die Lighterior-Kollektion des Herstellers Zumtobel aus Lemgo entworfen hat. Damit hat der New Yorker Architekt die üppigen Kristalllüster des 18. und 19. Jahrhunderts ganz neu interpretiert. Auf Kristall, Glas und Kerzen verzichtet er aber und setzt stattdessen auf Chrom und Leuchtdioden.

Hani ist nicht der einzige, der sich an einer Neuinterpretation des Kronleuchters versucht. Der Klassiker - für Elizabeth Wilhide die Urform aller Leuchten mit mehreren Lichtpunkten - scheint die Experimentierfreude der Designer anzuregen, die ihm zu einem Comeback verholfen haben. "Man kann die Trends bei Leuchten nicht von der übrigen Einrichtung loslösen", sagt Innenarchitekt Steps. Opulenter Barock sei eine der gerade angesagten Richtungen. Und dazu gehöre auch der Kronleuchter - aber eben nicht der von Oma geerbte, sondern ein in neuen Materialien modern interpretiertes Designerstück.

Sandra Cantzler, dpa

Design: Die neuen Leuchten in Bildern

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