Vernetztes Wohnen Digital ist besser

Das hätte was: Beim Klingeln des Weckers ist der Kaffee frisch aufgebrüht, beim Verlassen des Hauses sind automatisch alle Fenster verschlossen, Herd und Bügeleisen abgeschaltet. Zukunftsmusik? Technisch schon lange nicht mehr. Aber in der Praxis setzen sich intelligente Steuerungssysteme fürs Haus erst allmählich durch.

Duisburg - Als plakatives Beispiel für "intelligente Häuser" muss immer der Kühlschrank herhalten, der eigenständig nachbestellt, wenn der Erdbeerjoghurt aus ist. "Doch um solche Spielereien geht es gar nicht", sagt Enrico Löhrke, Geschäftsführer der inHaus GmbH in Duisburg. Das Planungsbüro ist aus dem Innovationszentrum für intelligente Haussysteme der Fraunhofer-Gesellschaft hervorgegangen und realisiert vernetzte Steuerungssysteme für Privat- und Bürohäuser.

Die neue Technik solle nicht die Herrschaft über das Haus übernehmen und seine Bewohner bevormunden, sondern sie im Alltag unterstützen, sagt Löhrke. Fast alle technischen Geräte im Haus können einbezogen werden, indem man sie miteinander vernetzt und zusätzliche Steuerungsfunktionen einbaut.

Beispiel Heizung: Die Raumtemperatur wird für jedes Zimmer individuell eingestellt und entsprechend der Außentemperatur gesteuert. Wird ein Fenster geöffnet, registriert dies ein Sensor, der dafür sorgt, dass die Heizung kurzzeitig heruntergefahren wird und keine Energie verloren geht.

Ist man tagsüber außer Haus, wird die Heizung gedrosselt. Kurz bevor man heimkehrt, schaltet man sie über das Handy wieder an. "Gerade in Sachen Energieeffizienz bringen die Hausautomatisierungssysteme sehr viel", betont Löhrke. So kann man Geräte mit hohem Stromverbrauch automatisch zu günstigen Tarifzeiten laufen lassen. Oder einen unnötigen Stand-by-Betrieb unterbinden.

Steuerung einfacher als erwartet

Steuerung einfacher als erwartet

Weitere Einsatzmöglichkeiten liegen im Bereich Sicherheit. So registrieren Fenstersensoren und Bewegungsmelder, ob jemand ins Haus will, der nicht ins Haus soll. Auf Knopfdruck lassen sich Polizei oder Rettungsdienst vom Bett aus alarmieren. Und eine Zentralverriegelung wie beim Auto sorgt dafür, dass alle Fenster und Türen verschlossen und die Alarmfunktionen aktiviert sind, wenn man das Haus verlässt. Um wieder ins Haus zu gelangen, deaktiviert man mittels Fingerabdruck die Alarmanlage.

Im Unterschied zum Auto sind die elektronischen Helfer in Privathäusern noch kein Standard. "Wir stellen aber eine stetig wachsende Nachfrage fest", sagt inHaus-Geschäftsführer Löhrke. Einen Überblick über den Stand der Entwicklung bekommt man in einer Reihe von Beispielhäusern, die meist an Forschungseinrichtungen zum Thema "Intelligentes Wohnen" angegliedert sind.

So testen die Forscher der Fraunhofer Gesellschaft im "inHaus-Entwicklungs-, Test- und Demozentrum" (inhaus-zentrum.de) in Duisburg in einem Doppelhaus neue Haustechniksysteme auf ihre Alltagstauglichkeit. Nach Anmeldung kann das Haus auch besichtigt werden. Auch in München (haus-der-gegenwart.de) und Paderborn (smarthomepaderborn.de) werden neue Wohnkonzepte erprobt.

Interessant sei eine vernetzte Wohnung für alle Personen, vom älteren Leuten bis zum jungen Technik-Freak, betont inHaus-Geschäftsführer Löhrke: "Es gibt sehr viele sinnvolle Anwendungen zum Beispiel für ältere Menschen, die es ihnen erleichtern, länger selbstständig zu bleiben." So könne man mit Sensoren dafür sorgen, dass automatisch ein Orientierungslicht eingeschaltet wird, wenn man nachts das Bett verlässt. Für mehr Sicherheit sorgen auch Systeme, die den Herd überwachen und Alarm schlagen, wenn er nicht ausgeschaltet wird.

Vernetzung im Neubau am einfachsten

Vernetzung im Neubau am einfachsten

Die Bedienung ist laut Löhrke weniger kompliziert als oft befürchtet: "Die Steuerung kann man individuell auf den Nutzer zuschneiden." Wer Spaß an der Technik hat, wird sich viele Einstellmöglichkeiten wünschen, wer es lieber bequem mag, kann auf Voreinstellungen zurückgreifen.

Außerdem ist eine Vielzahl von Bedien-Elementen vom Taster an der Wand über ein zentrales Touch-Screen-Display bis hin zu einem mobilen Mini-Computer von den Maßen eines elektronischen Terminkalenders möglich.

Herzstück der Anlagen sind intelligente Schaltelemente, die über die Datenleitung, den sogenannten "Bus", kommunizieren. Am einfachsten lässt sie sich bei einem Neubau mit den Elektroinstallationen verlegen. Bei einem Altbau ist eine nachträgliche Vernetzung aufwändiger. Führend auf dem Markt sind Produkte nach dem EIB/KNX-Standard. Von der European Installation Bus Association festgelegte technische Standards sorgen dafür, dass die einzelnen Komponenten kompatibel sind.

Wie viel teurer ein "intelligentes Haus" wird, "lässt sich pauschal nicht sagen", erklärt Löhrke: "Das hängt von der Struktur und Größe des Gebäudes und vom Umfang der Funktionswünsche des Bauherren ab." Nach Berechnungen des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) fließen derzeit etwa 2 bis 3 Prozent der Bausumme in die elektrotechnische Ausstattung eines Neubaus. Die Kosten für die Netzwerk-Ausstattung könne man etwa in derselben Höhe ansetzen. Sind die Voraussetzungen in Form von Leerrohren und Leitungen vorhanden, kann das System dann im Laufe der Zeit nach Belieben ausgebaut und angepasst werden.

Eva Dignös, ddp

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