Gartenmöbel Die neue Leichtigkeit

Die Sonne scheint, der Garten lockt. Wer noch nach allwettertauglichen Möbeln sucht und dabei die aktuellen Trends nicht außer Acht lassen will, sollte bei der Wahl der Gartenmöbel nicht unbedingt auf Teakholz bestehen. Avantgardistische Formen sind in diesem Jahr angesagt.

Köln/Frankfurt am Main - Einst wurde im Sommer auf bunten Plastikstühlen gesessen. Dann kamen die achtziger Jahre mit ihren kühl gestylten Outdoor-Möbeln aus Edelstahl. Und heute gibt es kaum noch einen Balkon oder ein Straßencafé, in dem nicht Tische und Stühle aus Teakholz stehen. In dieser Saison bekommen die massiven Möbel Konkurrenz von leichteren, luftigeren Artgenossen: Aus Kunststoff, Aluminium und Stahl formen die Designer neue, avantgardistische Sitz- und Liegegelegenheiten. Sie bieten viel Komfort und Platz, brauchen aber auch viel Raum.

"Von ihrer Ästhetik her gibt es immer mehr Gartenmöbel, die ihre Vorbilder bei guten Wohnmöbeln finden", sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Selbst moderne Klassiker wie der Freischwinger seien jetzt dank neuer Materialien draußen einsetzbar.

Als "Open Air Deluxe" wurde dieser Trend auf der Einrichtungsmesse Ambiente in Frankfurt betitelt: Die Grenzen zwischen Innen- und Außenbereich würden immer mehr verschwimmen. Balkon und Terrassen hätten sich von Stiefkindern in Haus oder Wohnung zu vollwertigen Lebensräumen gewandelt. Entsprechend wird in die Einrichtung des Freiluft-Wohnzimmers investiert: Einige der noblen Designerstücke kosten so viel wie mancher Kleinwagen.

Zur absoluten Luxuskategorie bei den Freiluftmöbeln gehört zum Beispiel "Yin Yang" von Dedon in Lüneburg. Das Sitzmöbel besteht aus einem platin- und einem bronzefarbigen Element. Zusammengeschoben ergeben die beiden Teile das chinesische YinYang-Symbol. Von Wasser geschliffene Steine und vom Wind modellierte Dünen schwebten Designer Nicolas Thomkins vor, als er die Sitzinsel entwarf, auf der zwei Personen Platz haben - und für deren optimale Wirkung die Terrasse üppig dimensioniert sein sollte.

Ebenfalls nicht für den Standard-Balkon geeignet sind die Doppel-Sonnenliegen und modernen Strandkörbe der Firma Decorama aus Belgien. "Die Strandkörbe gehen viel an hochklassige Hotels", sagt Inhaber Nico Attasio. Beliebt für den privaten Bereich seien derzeit Outdoor-Bartische und dazu passende Hocker. "Viele Leute bringen das Wohnzimmer nach draußen", hat Attasio beobachtet.

Leichtgewichte. Vorsicht bei Sturm!

Leichtgewichte. Vorsicht bei Sturm!

Teakholz und Aluminium spielten als Materialien für den Außenbereich zwar immer noch eine wichtige Rolle. Geflecht aus Kunststofffasern laufe der klassischen Kombination aber zunehmend den Rang ab. "Das sieht aus wie Rattan, ist aber UV-Licht- und wasserbeständig", erklärt Attasio. Die Flechtmöbel könnten deshalb problemlos das ganze Jahr über draußen bleiben. "Aber Vorsicht bei Sturm", warnt Attasio - schließlich handele es sich um Leichtgewichte.

Neben den dickeren Kunststofffasern arbeitet eine Reihe von Firmen inzwischen auch mit dünnen Polymergeweben. Die filigranen High-Tech-Stoffe verleihen Möbeln einen leicht schwebenden Charakter - so zum Beispiel der Liege "Skye" vom Hersteller Garpa aus Escheburg bei Hamburg. Star-Designer Peter Maly kombinierte dafür das wetterfeste Gewebe mit einem schlichten Edelstahlgestell.

Aber nicht allein die Vielseitigkeit und Robustheit haben Geflecht zu einem der wichtigsten Trends im Gartenmöbel-Bereich gemacht, heißt es bei der Gartenmesse "Spoga" in Köln. Die Flechtfasern aus Kunststoff sind äußerst pflegeleicht. "Die Entwicklung geht zum Nicht-Pflegen und 364-Tage-Draußen-Lassen", sagt Klaus Kaiser vom Einrichtungsunternehmen Lambert aus Mönchengladbach.

"Die Leute haben Stress und wenig Zeit - die wollen sie nicht mit dem Putzen ihrer Gartenmöbel verbringen." Während bei Holz- und Eisenmöbeln alle Jahre wieder gegen Verwitterung und Schmutz angebürstet und -gestrichen werden muss, reicht bei den High-Tech-Fasern das Abwaschen mit Seifenlauge. Darüber hinaus lösen die Flechtmaterialien laut "Spoga" ein großes Problem der Gartenmöbel-Branche: Gute zertifizierte Hölzer sind mittlerweile knapp geworden.

Dennoch gibt es auch in diesem Jahr noch Holzmöbel - oft in ungewohnten Formen. An ein Segelschiff erinnert zum Beispiel die "Tandem"-Sonnenliege, die Designer Thomas Sauvage für das Unternehmen Ego Paris entworfen hat. Für die flexibel kombinierbaren Lounge-Elemente fügte er einzelne Teakholz-Latten auf einen Aluminium-Rahmen. Der Clou sind die wie ein Segel wirkenden Kopf- und Rückenstützen aus festem Batyline-Gewebe, die auf den ersten Blick völlig frei über der Liege zu schweben scheinen.

Bodenständiger gibt sich "Hampton" von Weishäupl. Kubische Formen und massive, unbehandelte Teak-Stollen machen den Charakter dieser aus verschiedenen Elementen bestehenden Sitzgruppe aus. Polster in unterschiedlichen Farben und Mustern sorgen für Bequemlichkeit wie bei einem richtigen Sofa. "Wahrscheinlich stellt man so ein Möbel in den überdachten Außenbereich. Es könnte aber auch im Wohnzimmer stehen - nur darf es dann nicht zu eng sein", sagt Maren Lender, Sprecherin des Herstellers in Stephanskirchen (Bayern).

Farblich geht es in dieser Freiluft-Saison sehr dezent zu: Naturtöne, Silbergrau und Dunkelbraun prägen das Bild. "Bei Flechtmöbeln ist Schwarz ein großes Thema", sagt Klaus Kaiser von Lambert. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Einige Hersteller setzen auf eine Extraportion Farbe, so zum Beispiel das französische Unternehmen Fermob. Dessen ultramoderne Aluminium-Gartenbank "Origami" leuchtet unter anderem in Zitronengelb, Apfelgrün und Fuchsia - und stellt damit manche Blume in den Schatten.

Sandra Cantzler, dpa

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