Berlin Mitte Ein neues Stadtschloss

Es ist beschlossene Sache: Dort, wo einst der Palast der Republik stand, soll ein Teil des Berliner Stadtschlosses wieder aufgebaut werden. Der Bundesbauminister schwärmt von einem "Schaufenster für die Welt". Berlins Kultursenator Klaus Wowereit will zum Bau 32 Millionen Euro beisteuern.
Von Daniel Haas

Berlin - Die Lieblingsmetapher des Bundesbauministers war die des Schaufensters. Bei der Pressekonferenz im ausgeweideten Palast der Republik ein treffendes Bild: Die aus Sicherheitsgründen behelmten Journalisten genossen, zwischen Stahlstreben und Betonpfeilern hindurch, den Rundumblick auf die historische Mitte der Hauptstadt.

Eine alle geografischen und kulturellen Richtungen umspannende Vision soll auch das Humboldt-Forum werden. Die nach den deutschen Forscher-Genies Wilhelm und Alexander von Humboldt benannte Rekonstruktion des Stadtschlosses inklusive Kuppel wird, wenn alles gut geht, die außereuropäischen Sammlungen zeigen, die bislang noch im Stadtteil Dahlem lagern.

Dort seien sie "am falschen Ort", wie Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärte, dem touristischen Zugriff entzogen und überhaupt: einem zentralen Kultur-Fundus einfach nicht angemessen platziert. Damit sich die Sammlung, gemeinsam mit Teilbeständen der Zentralen Landesbibliothek und anderen Nutzern, als Herzstück des deutschen Kulturbetriebs profilieren kann, soll gebaut werden - laut Tiefensee ab 2010. Ausschreibung für einen Architekturwettbewerb: schon diesen Monat.

Berlin spendiert 32 Millionen Euro

Das alles kostet viel Geld, insgesamt 480 Millionen Euro (ursprünglich war man sogar von 750 Millionen ausgegangen bei einem Berliner Anteil von 160 Millionen). Die Hauptkosten will der Bund tragen, das Kabinett sich wahrscheinlich schon im Mai damit beschäftigen. Nach den Querelen um die Finanzierung der Hauptstadt-Opern zeigt sich die Hauptstadt allerdings kooperativ: 32 Millionen sicherte der Regierende Oberbürgermeister Klaus Wowereit (SPD) heute zu; gezahlt wird in Raten, ab 2012. Dafür erhält die Stadt 5000 Quadratmeter, auf denen man sowohl Humboldt-Sammlung als auch ein Teilsortiment der Zentralen Landesbibliothek unterbringen muss.

Die ist schon seit Beginn der neunziger Jahre ein Sorgenkind, platzt aus allen Nähten und müsste dringend neu organisiert werden. Dass für eine angemessene Präsentation der Bibliothek mindestens 11.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssten, war Wowereit ebenfalls eine Schaufenster-Metapher wert: Das Humboldt-Forum könne hier nur ein "Showroom" sein.

Ansonsten will man dem Humboldtschen Aufklärungsgedanken zu neuem Glanz verhelfen. In Tiefensees Worten: einen "Diskussionsprozess über außereuropäische Kulturen gestern und heute anregen". In Zeiten von Migrations- und Integrations-Debatten eigentlich ein modernes, progressives Konzept. Nur: Werden die Besucher kommen?

Geschichte erlebbar machen

Die Zahlen sehen nämlich bislang anders aus. Im Vergleich zu den Massen, die die Landesbibliothek bevölkern, sind die Dahlemer Kulturinteressierten eine verschwindende Minderheit. Das Verhältnis ist neun zu eins. Tiefensee verwies, ganz Optimist, auf das rege Interesse an der Museumsinsel. Außerdem werde man "Geschichte erlebbar machen", "Geschichte nachzeichnen": "Es wird nicht einfach was hingestellt."

Dahingestellt bleibt jedoch, ob die 80 Millionen an privaten Spendengeldern zusammenkommen. Und - weit wichtiger - ob die Kosten nicht doch am Ende explodieren. Was die Spenden angeht, habe man ein entsprechendes Versprechen von Wilhelm von Boddin, dem Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, erhalten, so Tiefensee.

Und was die Gesamtkosten angeht: Üben wir uns in der humboldtschen Praxis der scharfen Beobachtung. Schauen wir mal.

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