Trendsetter Gebügelte Hemden und ein voller Kühlschrank

Geschäftsreisende wissen die Vorteile von Wohnungen mit Service zu schätzen. Wer sich bei speziellen Anbietern ein Appartement mietet, kann auf einen Einkaufs-, Übersetzungs- oder ein Sekretariatsservice bis hin zum Chauffeur und Bodyguard zurückgreifen. Klein, aber fein ist der Markt, der sich an Hochqualifizierte wendet.

Frankfurt am Main - Wohnung suchen, Hemden bügeln und Zimmer putzen - dazu hat André Zickhardt keine Zeit. "Beruflich werden von mir Höchstleistungen erwartet", sagt der Finanzkaufmann. "Ich muss mich 100 Prozent auf meine Arbeit konzentrieren, dafür hat man mich hergeholt."

Der 41-Jährige ist neuer Chef eines Luxusladens für Schmuck, Uhren und Stifte in der Frankfurter Innenstadt und wohnt seit Anfang März in der Stadt - in einem Appartement mit Rundumservice. "Hier wird einem alles komplett abgenommen, man muss sich nicht um den alltäglichen Trödelkram kümmern", sagt Zickhardt.

Das Wohnen in komplett eingerichteten Appartements mit Service habe sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark ausgebreitet, sagt Anett Gregorius. Die Betriebswirtin befasst sich seit Ende der 90er Jahre mit der Entwicklung der Branche in Deutschland und betreibt im Internet ein Reservierungssystem für knapp 5000 so genannte Serviced Apartments verschiedener Anbieter. Besonders gefragt seien die Unterkünfte in Frankfurt, Berlin, Hamburg und München.

5000 Wohnungen mit Service

"Das Hauptklientel sind mit etwa 80 Prozent Geschäftsreisende", sagt Gregorius. Die meisten arbeiten als Unternehmensberater, in der Internet- und Medienbranche sowie bei Banken und Versicherungen. Aber auch Schauspieler und Ingenieure nutzen den Service. Kleine Wohnungen sind nach Angaben von Gregorius für rund 800 Euro pro Monat zu haben, in besonders exklusiven Häusern müssen die Gäste mehrere tausend Euro hinblättern.

"Es ist in Deutschland ein sehr enger Markt für Hochqualifizierte", sagt Thomas Beyerle, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds (DEGI) in Frankfurt. In die Wohnungen zögen vor allem Geschäftsreisende, bei denen das Unternehmen die Kosten übernehme. Nach seinen Schätzungen gibt es etwa 5000 Wohnungen mit Dienstleistungsangebot in Deutschland. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. Die Branche habe vor allem mit dem Boom an der Börse Ende der 90er Jahre Auftrieb bekommen.

Luxusherberge für den Vorstand

Eines der Gebäude, das in dieser Zeit entstand, ist das Frankfurter Eurotheum. Plantschen im Whirlpool mit Blick auf die Bankentürme und Fitness hoch über dem Dom - für diese exklusive Aussicht über Frankfurt müssen die Mieter eines Appartements im Innside-Hotel im Eurotheum bis zu 6200 Euro im Monat bezahlen. Für Frühstück und einen Stellplatz in der Tiefgarage kommen noch einmal jeweils 330 Euro dazu. Doch bei den Mietern spielt Geld oft keine Rolle. In den 35 bis 75 Quadratmeter großen Wohnungen der Luxusherberge steigen vor allem Vorstände großer Konzerne, Berater, Professoren, aber auch berühmte Opernsängerinnen und Dirigenten ab.

"Unsere Gäste haben vor allem eines nicht - Zeit", sagt Innside-Direktorin Martina Müller-Frasch. "Möglich ist alles: Vom Einkaufs-, Übersetzungs-, Sekretariatsservice bis hin zum Chauffeur und Bodyguard." Auf Wunsch kommen auch persönliche Fitness-Trainer, Masseure und Kosmetikerinnen ins Haus. Außerdem kümmert sich die Hotelchefin hin und wieder um eine Schule für das Kind eines Managers oder Handys für ausländische Geschäftsleute.

Neben Hotelketten vermieten auch spezielle Appartement-Anbieter und zahlreiche mittelständische Unternehmen Wohnungen mit Service. Der Markt habe sich in Deutschland aber viel langsamer entwickelt als in den USA, sagt Betriebswirtin Gregorius. Die ersten möblierten Wohnungen für Geschäftsreisende habe es in Deutschland Mitte der 1980er Jahre gegeben. "Es war lange nicht üblich, dass man jobbedingt so viel gereist ist, das ist erst seit einigen Jahren so."

Stefanie Baumer, dpa

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