Baden-Baden Die neue Schlossherrin

Den Zweiten Weltkrieg hat eines der schönsten Schlösser im Badischen unbeschadet überstanden - die Finanzkrise der badischen Markgrafen im 20. Jahrhundert dagegen nicht. Baden-Badens Wahrzeichen, das hoch über der Kurstadt thronende Neue Schloss, harrt seiner neuen Bestimmung.

Baden-Baden - Nach mehreren vergeblichen Anläufen, das seit langem leer stehende Gemäuer zu neuem Leben zu erwecken, will eine kuwaitische Geschäftsfrau das Schloss wach küssen. Aus dem ehemaligen Stammsitz des Hauses Baden und früheren Witwen- und Sommerresidenz der Markgrafen soll nun ein Luxushotel werden. Für die Stadt ist die Investorin aus dem Morgenland die letzte Hoffnung.

Doch die Pläne der Geschäftsfrau Fawzia al-Hassawi, für rund 80 Millionen Euro aus dem Schloss ein Luxushotel zu machen, stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Die Umsetzung stockt. Denkmalschützer und traditionsbewusste Bürger fürchten um das historische Stadtbild und auch um die Thermalquellen unterhalb des Schlosses.

Der von der neuen Schlossherrin angestrebte Bebauungsplan von 32.000 Quadratmetern wurde ebenso abgelehnt wie die abgespeckte Version mit 15.000 Quadratmetern. Nach anfänglicher Verärgerung wollte die Kuwaiterin eigentlich schon längst neue Pläne für 9000 Quadratmeter vorlegen. Doch: "Seit Monaten hat sich nichts getan", bedauert ein Stadtsprecher.

Das Trauerspiel um die Traum-Immobilie begann, als sich Max Markgraf von Baden Mitte der 1990er Jahre außer Stande sah, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Anlage weiter zu unterhalten. Auch das Land Baden-Württemberg und die Stadt Baden-Baden winkten angesichts eigener Finanznöte ab. In einer spektakulären Versteigerung des Auktionshauses Sotheby's kam daraufhin nahezu das gesamte Inventar unter den Hammer.

Auch wenn er für sein Museum und damit für die Allgemeinheit einige Kostbarkeiten retten konnte: Nicht nur dem Direktor des Badischen Landesmuseums, Harald Siebenmorgen, trieb es beim Ausverkauf der badischen Kulturgüter die Tränen in die Augen. War doch das Neue Schloss vor der Auktion das einzige Residenzschloss am Oberrhein mit nahezu noch einheitlicher Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert.

Es beherbergte unter anderem die wertvolle Kunstkammer der Markgrafen, die größtenteils mit Möbeln, Porzellan und Gemälden für über 80 Millionen Mark versteigert und somit in die weite Welt verstreut wurde. Die Auktion und der schon damals geplante Verkauf des Schlosses diente der Sanierung des Fürstenhauses.

Im Park steht einer der ältesten Bambushaine Deutschlands

Park beherbergt uralte Pflanzen

Das Neue Schloss hat eine lange Tradition: In Urkunden erstmals 1388 erwähnt, wurde es zunächst in mittelalterlicher Form konzipiert, später zur Renaissance-Residenz ausgebaut. Doch auch Stile wie Historismus und Rokoko hielten im Laufe der Jahrhunderte Einzug ins Haus. Bis zum Jahr 1527 war es Stammsitz des Hauses Baden. Doch auch danach wurde es von der Markgrafenfamilie genutzt: Im 19. Jahrhundert war das Schloss Sommerresidenz, im 20. Jahrhundert diente es als Witwensitz, teils als Museum und für Repräsentationszwecke.

Unbeschadet überstanden haben auf dem 50.000 Quadratmeter großen Parkgrundstück immerhin uralte Pflanzen den badischen Ausverkauf. So gedeiht im südöstlichen Parkteil an einer kleinen Grotte noch immer einer der ältesten Bambushaine Deutschlands. Die 1806 in den Rang von Großherzögen aufgestiegenen Markgrafen hatten die Halme aus China Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt. Heute ist der Phyllostachys fast zehn Meter hoch. Mehr Geschichten könnte eine riesige, innen hohle Linde erzählen: Sie ist mit rund 500 Jahren der älteste Baum der Kurstadt.

Die Bevölkerung, die früher zumindest Teile des Parks anschauen konnte, bekommt solche Raritäten nicht mehr zu sehen. Für Gartenamtschef Markus Brunsing ist das zunächst zweitrangig. "Die neue Schlossherrin hat die Grundlage für die Erhaltung des Parks geschaffen", freut er sich. Auch hat al-Hassawi, der das Schloss seit Anfang 2004 gehört, schon beteuert: "Wir kommen aus einem wüstenähnlichen Land, da kann es nicht in unserem Sinn sein, Grün zu zerstören."

Dem früheren Stammsitz des Hauses Baden begegnet sie mit "großem Respekt". Erste Schritte zum Erhalt des vom Verfall bedrohten Gebäudes hat sie schon getan - und sich im ehemaligen Kavalierbau mit Rittersaal Privaträume und Büros eingerichtet.

Susanne Kupke, dpa

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