Sofa-Trends "Ein bisschen wie Lego"

Fernsehen, essen, toben, herumlümmeln oder tagträumen: Sofas müssen heutzutage einiges aushalten. Je größer die Couch ist, desto besser. Die neuen Sofas und Sessel sind üppig und ausladend. Manches Modell schafft den Spagat zwischen formalem Sitzen und privatem Lümmeln geradezu meisterlich.

Köln/Bad Honnef - Sofas werden heute nicht mehr geschont, sondern müssen für den ganz normalen Familienalltag taugen. Auch sollen sie sich den individuellen Ansprüchen anpassen - was tagsüber zum Beispiel Spielplatz für Kind und Kegel und abends traute Kuschelinsel.

Anders als in der Mode sind Übergrößen bei Polstermöbeln kein Problem. Ganz im Gegenteil: "Voluminöse Maße sind nach wie vor gefragt", hieß es jüngst auf der Internationalen Möbelmesse (IMM) in Köln. "XXL ist der Trend", fasst Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) die Entwicklung zusammen. Die Formen sind dabei häufig den sechziger Jahren entliehen. Organisch und ausladend prägen üppige Sitzlandschaften das Wohnzimmer.

Selbst Hersteller, die bisher eher für formale Sofas und Sessel bekannt waren, sind inzwischen auf die entspannte Welle aufgesprungen. Es darf abgehangen werden, auch auf dem Designerstück für mehrere 1000 Euro.

Typisch für diesen Trend ist zum Beispiel das Sofa "Lava". Als "Sitz-Liege-Lounge-Möbel" bezeichnet Berthold Strüve vom Unternehmen Cor den eigenwilligen Entwurf des Designer-Teams Studio Vertijet. Gesessen, gelegen und gespielt wird hier auf verschiedenen Ebenen. Neben frei kombinierbaren Sitzelementen, bei denen die Rückenlehnen verschoben werden können, gehört zu "Lava" auch eine Polstermatte, die Boden und Couch miteinander verbindet.

Verwandelt in Sekundenschnelle

Andere Firmen spielen bewusst mit dem Gegensatz zwischen privatem und öffentlichem Sitzen. Sowohl im Wohnzimmer als auch im Büro eine gute Figur macht etwa "Maya", eine vom Designer Paolo Piva für den österreichischen Hersteller Wittmann entworfene Elementgruppe. Hier entscheidet die jeweilige Kombination aus diversen Elementen, Arm- und Rückenlehnen, ob das Sofa formal oder lässig aussieht.

Vom repräsentativen Sitzmöbel zur Relax-Insel - bei "Lazy Island" von Walter Knoll geht das in Sekundenschnelle. Die beiden Seiten des üppig dimensionierten Ecksofas lassen sich ganz einfach zu einer Liegeinsel zusammenschwenken.

Ähnlich sieht es beim Modell "540" von Rolf Benz aus Nagold aus. Das ist kein flexibles Multifunktions-Sofa, sondern ein sehr repräsentatives, luxuriöses Sitzmöbel", sagt Jürgen Hopf von der Pressevertretung des Unternehmens. Das heißt aber nicht, dass die Couch steif und unveränderlich im Raum steht. Zusammengesetzt aus trapezförmigen und dreieckigen Anreihelementen, kann sich das Sofa zum Beispiel von einer Lang- in eine intimere Eckversion oder sogar in eine U-förmige Wohninsel verwandeln.

Sofas müssen was können

Solche Spielereien werden für die Möbelkäufer immer wichtiger, hat Ursula Geismann beobachtet. "Sofas, die nichts können, sind out", sagt die Expertin. "Wandelbarkeit ist ein Mehrwert. Die Deutschen wollen zumindest die Möglichkeit haben, auch wenn sie sie vielleicht gar nicht nutzen", bestätigt Manfred Spörl von Brühl und Sippold. Der Hersteller aus Bad Steben hat bereits mehrere Sofas im Programm, an denen die Besitzer Lehnen drehen, wenden oder umstecken können.

Der neueste Entwurf ist das Sofa "Plupp", bei dem der Korpus über zahlreiche Öffnungen verfügt, in die die Lehnen in immer neuen Kombinationen umgesteckt werden können. Auf diese Weise kann nicht nur "klassisch" gesessen werden, sondern zum Beispiel auch Rücken an Rücken oder diagonal übereinander.

"Es ist ein bisschen wie Lego", kommentiert der britische Designer James Irvine sein für das Unternehmen Thonet aus Frankenberg entworfenes Sofaprogramm "S 5000". Die geradlinigen Stahlrohr-Sofas können aus verschiedenen Einzelelementen zusammengesetzt werden. Zusätzlich lassen sich Lehnen ab- und anschrauben und Polster verschieben.

"Aus dem Sofa wird eine Bank wird ein Bett", so Irvine. Solche Einzelsofas, die sich zu Sitzgruppen zusammenstellen lassen, sind eher die Ausnahme unter den Neuzugängen auf dem Möbelmarkt. Im Trend liegen weiterhin raumgreifende Sitzlandschaften, die über Eck verlaufen. Allerdings werden Ecksofas jetzt nicht mehr in die Ecke gestellt. Stattdessen stehen sie weitgehend frei im Raum.

Ein Beispiel dafür ist "Vol de Rève" von der niederländischen Firma Leolux. Der aus einer großen Anzahl von Einzelelementen kombinierbare "Traumflug" wird mit zwei Lehnenformen angeboten: "Low" ist leicht gebogen, "Swing" ringelt sich regelrecht über den Sitz und würde allein wegen ihrer Ausbuchtung nicht in eine Ecke passen.

Es geht auch anders

Kein Trend ohne Gegentrend: "Shiraz" von e15 aus Oberursel kann zwar ebenfalls frei im Zimmer stehen. Wie Wände wirkende hohe Rückenteile sorgen hier bei Bedarf jedoch für Abgeschiedenheit. Wie das Designteam von e15 ließen sich auch die Brüder Ronan und Erwan Bourroulec für ihr Sofa "Alcove" von arabischen Sitzvorlieben inspirieren. Übergroße Seiten- und Rückenpanele sowie weiche Sitzpolster und Kissen sollen dazu einladen, sich ganz in das Sofa zurückzuziehen, heißt es beim Hersteller Vitra in Weil am Rhein.

Sich allein, zu zweit oder mit der Familie einzukuscheln - für viele Fachleute ist das die Zukunft des Sofas. Denn für das Treffen mit Freunden dient mittlerweile eher der große Tisch in der Küche, sagt etwa Irene Fromberger vom Beratungsunternehmen "Form und Folgen" in Rodgau. Das Sofa dagegen zähle zur Intimsphäre. Und da darf man es sich - mit Kissen, Decken, Chips und Fernbedienung - bequem machen.

Sandra Cantzler, dpa

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