Schloss Salem Wertvoller Schatz

Kaum ein Internat ist so bekannt wie das Schloss Salem. Weniger bekannt ist, dass in der hochherrschaftlichen Residenz nicht nur die Schule, sondern noch zahlreiche andere Mieter residieren. Doch die Zukunft der kunsthistorisch wertvollen Kleinstadt am Bodensee ist ungewiss.

Salem - Die Zahlen sprechen für sich. Schloss Salem ist nicht einfach "nur" eine hochherrschaftliche Residenz einer Adelsfamilie. Die Anlage gleicht vielmehr einer Kleinstadt. 450 Menschen arbeiten in dem kunsthistorisch wertvollen Ensemble des ehemaligen Zisterzienserklosters aus dem 12. Jahrhundert, das sich auf 25 Hektar im idyllisch-hügeligen Bodensee-Hinterland erstreckt.

37 Mieter sind registriert, von denen das Elite-Internat wohl der prominenteste ist. Aber auch Ämter sind dort untergebracht sowie Arzt und Apotheke. Kunsthandwerk und Gastronomie sind zu finden wie Polizei und Feuerwehr. Gerade ist das Kulturamt des Bodenseekreises eingezogen. 130.000 Touristen besuchen das Schloss im Jahr.

"Wir leben und arbeiten hier in einer öffentlichen Anlage", sagt Bernhard Prinz von Baden. Der 36-jährige Generalbevollmächtigte des Adelshauses, seit Monaten wegen eines geplanten Vergleichs mit dem Land Baden-Württemberg in den Schlagzeilen, stellt gleich klar: "Wir wollen das klösterliche Erbe fortführen, aber nicht als Eigentümer, sondern als Statthalter." Nicht im entferntesten gehe es darum, ein adeliges Privathaus mit Staatsgeld standesgemäß herzurichten, sondern ein Kulturdenkmal zu bewahren.

Bewohnt ist es nur noch zu einem kleinen Teil. Seine Eltern Max Markgraf von Baden (73) und Valerie Erzherzogin von Österreich sowie das jüngste der vier Kinder, Prinz Michael (30), haben im Südflügel des Schlosses ihr Zuhause. Der älteste Markgrafensohn lebt dagegen mit seiner Frau Stephanie und den drei kleinen Söhnen in einem nahe gelegenen Forsthaus.

Als die Finanzen des Adelshauses in den 1990er Jahren in eine Schieflage gerieten, gab er sein Studium der Betriebswirtschaft und der Rechte in Hamburg auf und kümmerte sich um die Sanierung. Das Adelshaus trennte sich von drei der vier Schlösser sowie Firmenbeteiligungen. Während seine Schwester in den USA lebt und ein weiterer Bruder als Bauingenieur arbeitet, wurde Prinz Bernhard 1998 Generalbevollmächtigter. "Ich bin da reingewachsen", sagt er.

Kostbare Handschriften zum Verkauf?

Was aus dem geplanten Modell für den Erhalt Salems wird, ist offen. Das Haus Baden wollte dem Land Kunstschätze im Wert von rund 300 Millionen Euro überlassen. Im Gegenzug erhielte es 70 Millionen Euro, von denen 30 Millionen Euro zur Tilgung der Schulden aus Sanierungsarbeiten und 40 Millionen Euro als Kapitalstock einer Stiftung dienen sollen. "Wir übertragen unser Eigentum, wir stiften für einen gemeinnützigen Zweck", betont der offen und selbstbewusst wirkende blonde Adelsspross. Allerdings stellte sich im Laufe der Verhandlungen heraus, dass Teile der Kunstsammlung bereits dem Land gehörten. Eine Expertenkommission soll nun klären, wem was gehört.

"Aus unserem operativen Geschäft können wir Salem nicht tragen", sagt er. Land- und Forstwirtschaft sowie der Weinbau werfen nicht genug ab, um die Anlage so in Schuss zu halten wie das aktuell der Fall ist. Er ist schon froh, dass die laufenden Kosten gedeckt sind.

Die Ankündigung, kostbare mittelalterliche Handschriften zu verkaufen, hat indes einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Land Baden-Württemberg plante Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe zu verkaufen. Der Erlös sollte in eine Stiftung Schloss Salem überführt werden, um die angefallenen Renovierungskosten zu refinanzieren. "Ich hätte eine differenziertere Diskussion erwartet", räumt Prinz Bernhard ein.

Allein 3,5 Millionen Euro hat die Restaurierung des gotischen Münsters verschlungen, das drittgrößte im Südwesten nach Ulm und Freiburg. Es ist wie der Betsaal, das evangelische Gotteshaus, seit Jahrhunderten Gemeindekirche. Besonders im Münster spürt Prinz Bernhard den Geist von Salem. "Ich bin dankbar, dass ich hier aufgewachsen bin", sagt er. "Ich fühle mich diesem Erbe verbunden und setze mich deshalb dafür ein". Wie die Kosten nun gedeckt werden, ist weiterhin offen. Findet sich keine andere Finanzierungsmöglichkeit, bleibt von Baden nur noch der Verkauf. "Aber das wäre für mich ein Greuel", so der Schlossherr in der "Bietigheimer Zeitung".

manager-magazin.de mit Material von dpa

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