Hamburger Hafencity Wasser, Wohnen, Weltstadt

Die Pfeffersäcke rüsten auf. Mit der Hafencity, dem größten Städtebauprojekt Europas, will Hamburg in die Liga der internationalen Metropolen aufrücken. Innerhalb von 25 Jahren wollen die Investoren einen neuen Stadtteil an der Elbe schaffen und schrecken dabei auch vor 200-Millionen-Investitionen nicht zurück.

Hamburg - Die Herren in ihren dunklen Anzügen konnten den Stolz kaum verbergen: Sie bekamen ein Lob des weltberühmten Architekten und Stadtplaners Albert Speer. Die Worte "Ich bin begeistert, wie schnell und vor allem mit welcher Qualität sich das Projekt entwickelt", müssen wie Musik in den Ohren der anwesenden Investoren geklungen haben.

Das Projekt, von dem der Toparchitekt in den höchsten Tönen spricht, ist der Bau der Hamburger Hafencity, das derzeit größte Städtebauprojekt Europas. Mitten im Herzen der norddeutschen Hansestadt entsteht ein Quartier, das rund 50.000 Menschen Platz zum Wohnen und Arbeiten direkt am Wasser bieten soll.

Seit sieben Jahren baut die Stadt Hamburg mit Unterstützung privater Investoren das ehemalige Freihafengelände auf der Elbinsel um. Auf insgesamt 155 Hektar soll sich innerhalb von 25 Jahren ein neuer Stadtteil entwickeln, der durchzogen von Kanälen und Hafenbecken die historische Hansestadt mit neuzeitlicher Architektur verbinden soll: Die denkmalgeschützten Lagerhäuser der Speicherstadt im Norden der Insel, die um 1880 erbaut wurden, stehen im Kontrast zu modernen Bauten von Peter Schweger, Richard Meier, Pierre de Meuron und anderen hochkarätigen Architekten.

Die Wände sind von den Treppen kaum zu unterscheiden: Das Foyer der Elbphilharmonie

Die Wände sind von den Treppen kaum zu unterscheiden:
Das Foyer der Elbphilharmonie

Foto: Herzog & De Meuron
Der erste öffentliche Kultur- und Freizeitort der Hafencity:Blick von den Magellan-Terrassen auf den Sandtorhafen/

Der erste öffentliche Kultur- und Freizeitort der Hafencity:Blick von den Magellan-Terrassen auf den Sandtorhafen/

Das Orchester bildet den Mittelpunkt: Der große Musiksaal der Elbphilharmonie

Das Orchester bildet den Mittelpunkt:
Der große Musiksaal der Elbphilharmonie

Foto: Herzog & De Meuron
Treffpunkt für Hotelgäste, Mieter und Konzertbesucher: Von der Plaza der Elbphilharmonie aus hat man einen beeindruckenden Überblick über den Hamburger Hafen und den Innenstadtbereich

Treffpunkt für Hotelgäste, Mieter und Konzertbesucher: Von der Plaza der Elbphilharmonie aus hat man einen beeindruckenden Überblick über den Hamburger Hafen und den Innenstadtbereich

Foto: Herzog & De Meuron
Bis 2023 soll das ehemalige Freihafengelände komplett umgebaut sein: Die Hafencity in Hamburg

Bis 2023 soll das ehemalige Freihafengelände komplett umgebaut sein: Die Hafencity in Hamburg

Über eine Pier gelangt der Besucher zum Museumshafen: Die Magellan-Terrassen sind am Wochenende eröffnet worden

Über eine Pier gelangt der Besucher zum Museumshafen:
Die Magellan-Terrassen sind am Wochenende eröffnet worden


Wohnen und Arbeiten auf der Elbinsel
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Auch Stadtplaner Speer, der Sohn des gleichnamigen NS-Rüstungsministers, ist an dem Projekt beteiligt. Der 70-Jährige steht einer der letzten beiden Investorengruppen beratend zur Seite, die sich um den Bau des so genannten "Überseequartiers", dem neuen Zentrum der Hafencity, bewirbt.

Der bekennende Hamburg-Fan unterstützt den architektonischen Kraftakt an der Elbe: "Die Hamburger haben erkannt, dass sie in ihre städtebauliche Architektur investieren müssen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können." Denn nur eine attraktive Region zieht gut ausgebildete Bewohner an. "Und wo qualifizierte Fachkräfte zu finden sind, sind auch die Unternehmen meist nicht weit entfernt, die wiederum die Steuerkasse auffüllen", so Speer.

"Die Hamburger machen Lärm"

"Die Hamburger machen Lärm"

Der Hamburger Stadtentwicklungssenator Michael Freytag findet noch andere gute Gründe, die für das Milliarden-Projekt sprechen. Zum einen sollen durch die Hafencity wieder mehr Menschen vom Hamburger Umland in das Zentrum ziehen und dieses dadurch wieder stärker beleben. Zum anderen soll Hamburg im Ranking der Weltstädte auf einen der vorderen Plätze aufsteigen.

Der Senator kämpft mit dem Projekt gegen das internationale Image der Metropole an, sie sei nur der Hafen von Berlin. "Als die Queen Mary 2 vor kurzem in der Hansestadt festmachte, setzte sich ein Großteil der Passagiere gleich nach seiner Ankunft in einen Bus und fuhr nach Berlin. Das muss geändert werden."

Laut Speer ist Hamburg auf einem guten Weg. "Hamburg präsentiert sich derzeit als die positivste und optimistischste Stadt Deutschlands. Die Hamburger machen Lärm. Daran können sich viele andere deutsche Städte ein Beispiel nehmen."

Der deutsche Architekt übt aber auch Kritik: Der Anteil der Dienstleistungsfläche (52 Prozent) sei im Vergleich zur Wohnfläche (33 Prozent) viel zu hoch geplant. "Während die Nachfrage nach Wohnen in Metropolen aufgrund der veränderten Altersstruktur immer weiter ansteigen wird, sinkt im Gegenzug die Nachfrage nach Gewerbeflächen", meint Speer. Hamburg müsse darauf vorbereitet sein, sonst verliere die Hansestadt den Anschluss.

Magellan-Terrassen als Anziehungspunkt

Denn Städte wie Hamburg befinden sich nicht mehr nur im Konkurrenzkampf mit anderen deutschen Orten, sondern auch mit europäischen und internationalen Metropolen. "Mit der Hafencity gelingt es Hamburg, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und das ist einer der wichtigsten Faktoren im globalen Wettbewerb der Städte", so Speer.

Für die benötigte internationale Anerkennung sorgen herausragende Architekturprojekte wie die Magellan-Terrassen, die Elbphilharmonie und die Living Bridge. Bereits am vergangenen Wochenende wurden die Magellan-Terrassen, der erste öffentliche Kultur- und Freizeitort der Hafencity, eröffnet.

Der knapp 5000 Quadratmeter große Platz, konstruiert von der Architektin Benedetta Tagliabue, wurde nach dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan benannt, um die enge Verknüpfung zwischen Land und Wasser in der Hafencity zu unterstreichen. Die Terrassen sind auf drei Ebenen über weitläufige Treppen und Rampen miteinander verbunden und bieten Platz für verschiedene Kunst- und Kulturprojekte.

Die so genannte Elbphilharmonie wird dagegen am 12. Juli aller Voraussicht nach nur noch vom Hamburger Senat abgenickt. Schon jetzt spricht einiges dafür, dass die Hansestadt tatsächlich eine neue Konzerthalle erhält: Während normalerweise eine Ausschreibung darüber entscheidet, welches Architekturbüro den Entwurf für ein öffentliches Bauvorhaben liefert, haben die Baseler Stararchitekten Herzog & de Meuron neben ihrem Konzept auch ihren privaten Investor gleich mitgebracht.

Das neue Wahrzeichen Hamburgs

Das neue Wahrzeichen Hamburgs

Nach den Plänen der Architekten und Stadtplaner soll die Elbphilharmonie, die auf einem kastenförmigen Kakaospeicher aus den 60er Jahren aufbaut, das neue Wahrzeichen Hamburgs werden. Mit der wellenförmigen Gestaltung des Daches soll das maritime Flair der Stadt unterstützt werden.

Innerhalb des gläsernen Gebäudes befinden sich ein großer und ein kleiner Musiksaal, in denen sich die wellenförmige Bauweise auf den Zuschauerrängen fortsetzt, ein Hotel mit 220 Zimmern, 35 Luxus-Wohnungen und eine öffentlich zugängliche Plaza, die ihren Besuchern aus 37 Meter Höhe einen beeindruckenden Blick über den Hamburger Hafen und die Innenstadt erlaubt.

Insgesamt soll der Bau der Elbphilharmonie rund 186 Millionen Euro kosten - zehn Millionen Euro weniger, als ursprünglich geplant. Spätestens im Sommer 2009 sollen dann die ersten Konzerte zu hören sein.

Gänzlich in den Sternen steht noch die so genannte Living Bridge, die der Investor und Bauunternehmer Dieter Becken zusammen mit dem Architekten Hadi Teherani bauen möchte. Die Brücke soll ab 2009 nicht nur der Verbindung der Innenstadt mit dem relativ dünn besiedelten Süden Hamburgs dienen, sondern auch zu einem neuen Wohnort für interessierte Hamburger werden.

Die bewohnte Brücke

Wie auf der Ponte Vecchio in Florenz sollen die Bürger dort auf rund 90.000 Quadratmeter wohnen und arbeiten. Dass sich weitere Investoren für das 324 Millionen Euro teure Vorhaben finden werden, bezweifeln Experten nicht. "Vor allem ausländische Finanziers interessieren sich für deutsche Projekte, da die Immobilienpreise in Deutschland derzeit relativ gering sind", sagt Frank Billand von der Immobilienfondsgesellschaft Difa.

Höchste Priorität für den Erfolg aller Projekte in der Hafencity habe allerdings die Anbindung der Hafencity an das Hamburger Verkehrsnetz. "Wenn die Hafencity nicht bald angeschlossen wird, bleiben auch die Investoren aus", ist sich der Experte sicher. "Potenzielle Mieter oder Besucher kommen nur in eine Region, wenn sie auch problemlos an- und abreisen können. Dies ist momentan aber nicht möglich", kritisiert Billand.

Auch Speer pflichtet Billand bei. "Die Menschen ziehen nur um, wenn die Region durch eine entsprechende Qualität, sowohl in Bezug auf die private wie auch die öffentliche Fläche, überzeugt. Die Anbindung der Hafencity an den öffentlichen Nahverkehr ist eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg der Hafencity."

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