Wohnen im Hotel "Zimmerservice, bitte!"

Udo Lindenberg nutzt das Atlantic, Jürgen Thumann verzichtet in Berlin auf eine eigene Wohnung: Immer häufiger werden Hotels zumindest vorübergehend zum Wohn- und Zufluchtsort. Der kostet monatlich zwar ein paar tausend Euro – dafür gibt es aber Rabatt auf Parkplatzmiete, Schuhputzservice und Frühstückseier.

Hamburg - Manchmal hat der Mensch auf einmal kein Zuhause mehr. Weil das neue Haus noch nicht fertig ist, aber die alte Wohnung schon verkauft. Oder weil der Job einen Umzug in eine andere Stadt notwendig macht, aber so schnell dort kein Heim gefunden wird. Möblierte Zimmer und Wohnungen sind da nicht jedermanns Sache - immer öfter wird daher ein Hotel gewählt. "Das ist ein ganz deutlicher Trend", sagt Stefanie Heckel, Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin.

Zwar hat es dem Verband zufolge in den vergangenen zehn Jahren auch eine "rasante Entwicklung" hin zu Häusern mit voll eingerichteten Apartments gegeben, in denen den Bewohnern auf Zeit manche lästige Haushaltsaufgabe abgenommen wird. Reine so genannte Boardinghouse-Anlagen mit möblierten Ein- oder Zweizimmerwohnungen inklusive Reinigungsservice sind jedoch auf dem Rückzug.

"Gefragt ist die Mischform Hotel und Apartment." Angesichts ihres Arbeitgebers ist diese Analyse zwar recht eigennützig und darf durchaus mit Vorsicht betrachtet werden, aber immerhin ist die Frau vom Fach und kann eine Begründung liefern. "Die Kunden schätzen an dieser Lösung die Annehmlichkeiten eines Hotels wie Schwimmbad oder Bar im Hause, kombiniert mit dem eigenen Zimmer."

3000 Euro monatlich sollten es schon sein

So logiert der Altrocker Udo Lindenberg zeitweise im Hamburger Hotel Atlantic. Als Jürgen Thumann vor wenigen Wochen zum neuen BDI-Präsidenten gewählt wurde, verzichtete der westfälische Unternehmer ebenfalls auf eine eigene Wohnung in Berlin.

In Deutschland haben sich einige Häuser auf diese Kundschaft eingestellt. Die amerikanische Hotelkette Hyatt etwa hat im Park Hyatt Hamburg 31 Apartments speziell für Dauergäste eingerichtet. "Wir haben viele Gäste aus den USA und Großbritannien, die von ihren Firmen für ein Projekt nach Hamburg geschickt werden", sagt Anne Mackeprang, Salesmanagerin Apartments. "Aber es kommen auch Leute, die auf die Fertigstellung ihrer Wohnung oder ihres Hauses warten."

Die Wohnungen haben eine kleine Kochnische, einen Bürobereich und eine Menge Schrankfläche. Zweimal pro Woche wird geputzt. Auf dem Flur gibt es einen voll eingerichteten Waschraum. Familien finden in Großapartments Platz.

"Langzeitgäste werden schwierig"

"Langzeitgäste können ganz schön schwierig werden"

Die Unterbringung im Hotel ist zwar bequem, aber nicht billig. Im Suitehotel Accor Potsdamer Platz, einem neuen Drei-Sterne-Haus in Berlin, kostet ein 30 Quadratmeter großes Hotelapartment am Tag 79 Euro, im Hyatt geht es ab 2950 Euro im Monat los. Dafür gibt es in Hamburger Nobelvierteln wie Harvestehude bereits mondäne Altbauwohnungen - und ein paar 100 Euro für die Putzfrau bleiben durchaus noch über. "Der Preis variiert je nach Standort, Kategorie der Herberge und Größe des gewählten Apartments und des Dienstleistungsumfanges", so Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland in Berlin.

Die Hotels versuchen sich durch besseren Service von den Boardinghouse-Anlagen abzugrenzen. "Wir kaufen für unsere Gäste sogar ein", sagt Susanne Klein, die beim Madison-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin arbeitet. Das Haus hat 166 Suiten mit bis zu 101 Quadratmetern Größe für Langzeitgäste. Kaffee, Tee und Schokolade sind kostenlos. "Und jeden Morgen hängen wir Brötchen vor die Tür."

Viele Häuser geben ihren Dauergästen auch Rabatt auf die Hotelleistungen wie Restaurantbesuche, Hemdenservice, Massage oder Mahlzeiten - meistens zwischen 10 und 15 Prozent. So können die Nebenkosten ganz hübsch zu Buche schlagen, wenn die Hotelangebote mitgenutzt werden - bei Frühstückskosten bis zu 20 Euro am Tag. Auch Parkplätze können ins Geld gehen.

Langzeitgäste seien sehr anspruchsvoll, sagt Anne Mackeprang. "Nach einiger Zeit fühlen sie sich wie zu Hause und wollen auch so behandelt werden." Das sei verständlich, aber mitunter auch nicht ganz einfach.

Von Hilke Segbers, dpa

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