Badezimmer Das kachelt!

Ob mediterran, luxuriös oder puristisch: Fliesen geben dem Badezimmer einen individuellen Charakter. Und die Wünsche der Kunden werden immer differenzierter - vor allem, wenn es um Formen und Größen geht.

Berlin - Vorbei sind die Zeiten, da das Badezimmer an allen Wänden mit unifarbenen Kacheln bis zur Decke gefliest war. Das moderne Bad besticht durch seine Individualität.

"Heute werden betont einzelne Bereiche gegeneinander abgegrenzt. So entstehen verschobene Höhen, die eine Atmosphäre von Lebendigkeit schaffen", sagt Ingeborg Burgaller vom Deutschen Industrieverband Keramische Fliesen und Platten. Dort, wo Spritzwasser die Wand erreichen könnte, über dem Waschbecken und der Wanne, in der Dusche und eventuell rund ums WC sind Fliesen das Material der Wahl. An den übrigen Wandflächen kommen vor allem Putz, aber auch Holzverkleidungen oder gar Lehm zum Einsatz.

Für den Fliesenleger ist diese Entwicklung eine Herausforderung und bietet zugleich Gestaltungsspielraum - zumal die Wünsche der Kunden immer differenzierter werden, zum Beispiel wenn es um Formen und Größen geht. "Die Standardwandfliese mit den Maßen 20 mal 25 Zentimeter gibt es natürlich noch", so die Fachfrau. "Doch sie wird immer häufiger kombiniert - mit ganz großen oder ganz kleinen Formaten."

Badezimmer mit gelben und weißen Fliesen

Badezimmer mit gelben und weißen Fliesen

Foto: DDP
Badezimmer in maritimen Farben

Badezimmer in maritimen Farben

Foto: DDP
Badezimmer in Rot und Beige

Badezimmer in Rot und Beige

Foto: DDP
Zielgruppe Kind? Auffällige Farbenmixtur im Badezimmer

Zielgruppe Kind? Auffällige Farbenmixtur im Badezimmer

Foto: DDP




Ganz schön bunt:
Bitte klicken Sie einfach auf ein Bild,
um zur Großansicht zu gelangen.

Vor allem Mosaikfliesen, also Kacheln von weniger als zehn Quadratzentimetern, sind weiter auf dem Vormarsch. Sie präsentieren sich vielfältig: Als unifarbene Fläche, die mit einem feinen Netz von Fugen überzogen ist, als fantasievolles Muster oder als mannigfach schillerndes Glasmosaik setzen sie Akzente und geben dem Raum Struktur. Auch gewölbte Flächen oder Säulen lassen sich mit diesen Miniformaten hervorragend fliesen. Längst muss dabei nicht mehr jede Fliese einzeln gesetzt werden. Man bekommt sie im Verbund als fertige Matten, die mit herkömmlichem Fliesenkleber einfach verarbeitet werden können.

Maxi-Formate - zum Beispiel die Maße 40 mal 80 oder sogar 60 mal 80 - sorgen daneben für ein großzügiges Ambiente und schaffen durch ihren geringen Fugenanteil auch in Minibädern eine ruhige Optik. Die alte Regel "kleine Fliesen für kleine Räume und große Fliesen für große Räume" gilt heute nicht mehr.

Bei der Auswahl der Farben spielt die Größe des Raumes allerdings eine wichtige Rolle: "Warme Farben von Orange-gelb bis Rotviolett verkleinern Räume und gehören nur in große Bäder", informiert Expertin Burgaller. Helle Töne sind dagegen ideal auch für kleine Räume. Mit Farben von Violett bis Grüngelb kann man ebenfalls optisch Raum gewinnen.

Erlaubt ist, was gefällt

Den Gesamteindruck bestimmt das Zusammenspiel von Fußboden, Wänden und Decke: "Ein farblich kräftiger Fußboden und helle Wände geben einem Raum Höhe und Weite", erläutert der Fachverband Deutsches Fliesengewerbe. "Dunkle Wände engen ein oder verkürzen, kräftige Decken lassen einen Raum niedriger wirken. Ein Gefühl des Schwebens wird erzielt, wenn der Boden heller als die Wände und die Decke ist."

Die unangefochtene Trendfarbe im Bad ist Weiß. Doch das wartet darauf, mit Farbtupfern aufgepeppt zu werden - zum Beispiel mit Bordüren oder ihren dreidimensionalen Verwandten, den Listelli. Die schmalen, rechteckigen Fliesen wurden ursprünglich vor allem wie ein Band im oberen Bereich einer verfliesten Wand verlegt, um die Höhe des Raumes abzusetzen. Inzwischen werden sie verstärkt zu geometrischen Mustern zusammengefügt und auch im Bodenbereich verwendet.

Konkurrenz für die Bordüre

"Bordüren spielen nach wie vor eine Rolle. Sie werden jedoch sehr edel - zum Beispiel durch Kombinationen von Keramik mit Glas, Holz oder Metall", so Burgaller. Konkurrenz macht der Bordüre inzwischen der nicht minder edle Einleger - ein dekoratives Element in einer Ausschnittfliese. Sehr harmonisch wirkt die Kombination von größeren Mosaikflächen mit Ausschnittfliesen, in welche passende Mosaikfliesen eingelegt wurden.

Je nach Geschmack wird aus verschiedenen Formaten, Materialien und Farben beispielsweise ein luxuriöses Wellness-Bad mit Glitzereffekten, ein mediterranes Urlaubsbad in Natur- und Terracotta-Tönen oder ein puristisches Zen-Bad mit geraden Linien und großflächigen Spiegeln gestaltet. Erlaubt ist, was gefällt, die riesige Auswahl macht alles möglich.

Traumbäder zum Anfassen gibt es vor allem in den Ausstellungen der Großhändler. Bei ihnen kann der Kunde inzwischen auch direkt alles Badzubehör bestellen. Mancherorts erleichtern Computersimulationen die Planung.

Rutschfestigkeit als Kaufkriterium

Doch optische Gesichtspunkte sollten nicht allein entscheidend sein: Während der Liebhaber südlicher Lebensart die Gebrauchsspuren auf Terracottaböden gerne hinnimmt, wird sich der Perfektionist über jeden Fleck ärgern. Und so edel strahlend weiße Fliesen auch sind - Familien mit Kindern sind dazu verdammt, ständig den Boden zu wischen.

Auf dem oft feuchten oder gar nassen Badezimmerboden ist die Rutschfestigkeit der Fliesen ein wichtiges Kaufkriterium. Unpolierte, unglasierte Fliesen sind von sich aus stumpf. Außerdem sind kleine Kacheln durch ihren hohen Fugenanteil rutschfester als große.

Von Eva Neumann, ddp

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.