Keramag Traditionsörtchen

Briten erfanden das Wasserklosett und exportierten das erfolgreiche Hygieneprodukt in alle Welt. So gründete ein Engländer vor hundert Jahren Keramag. Das Unternehmen beschränkt sich heute nicht auf profane Schüsseln. Seine Produkte firmieren unter dem Begriff "Sanitärkultur".

Ratingen - Sie finden sich in der Dresdner Semperoper und im Gewandhaus zu Leipzig, aber auch in internationalen Luxushotels, Kreuzfahrtschiffen und Flughäfen: Waschbecken und Toilettenschüsseln von Keramag.

Mit Sanitärkeramik-Produkten hat sich Unternehmen aus Ratingen bei Düsseldorf nicht nur die deutsche Marktführerschaft gesichert, sondern auch weltweit einen hervorragenden Ruf erworben. Keramag feiert sein 100-jähriges Bestehen.

Der Industrielle Thomas William Twyford gründete im Oktober 1903 in der Nähe des Ratinger Bahnhofs eine Tonwarenfabrik zur Herstellung von Sanitärkeramik, um den deutschen Markt ohne Einfuhrzölle beliefern zu können. Er versprach sich vom deutschen Markt kräftige Gewinne, nachdem das in England erfundene Wasser-Klosett auf der britischen Insel seinen Siegeszug angetreten hatte.

Drei Tonwarenfabriken

Weitere Tonwarenfabriken gründeten Partner von Twyford in Wesel und Flörsheim bei Frankfurt/Main. Doch die Engländer hatten nicht lange Freude an ihren zunächst florierenden Geschäften: 1917 gingen die drei Werke im Zuge der kriegsbedingten Liquidation britischer Besitztümer in die neue «Gesellschaft Keramische Werke Aktiengesellschaft» über. 1926 sicherten sich die Briten erneut die Mehrheit an dem neuen Unternehmen. Die Hauptverwaltung der drei Werke saß bis 1945 in Bonn und zog dann nach Ratingen, wo noch bis 1983 produziert wurde, bis zur Verlagerung der Fertigungsstätte nach Wesel.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg geht es bei Keramag steil bergauf. Die drei Werke fertigen das komplette Sortiment für Sanitärkeramik - Waschtische, Klosetts, Küchenspültische, Wannen und Duschen. Mit sanitären Krankenhauseinrichtungen sichert man sich eine erste Großbranche als Kunden.

Ab 1964 löst der Werkstoff Keralith den Feuerton ab und sorgt für ein geringes Gewicht der Sanitärprodukte. Ab den späten sechziger Jahren spielen Design und Ästhetik die zentrale Rolle bei Keramag, die die Firma in Zusammenarbeit mit führenden Designern fortan zum Top-Anbieter für «gehobene» Bad-Kultur machen.

Von englischen in finnische Hände

Neben Wesel und Flörshein produziert die Keramag seit der Wende auch in Ostdeutschland. 1990 wurden die Keramischen Werke Haldensleben (Sachsen-Anhalt) von der Treuhand übernommen. Die Besitzrechte an der knapp 600 Mitarbeiter zählenden Keramag, die im vorigen Jahr knapp 138 Millionen Euro umsetzte, liegen weiterhin im Ausland. Das Sagen haben inzwischen aber nicht mehr Briten, sondern die finnische Sanitec Corporation (Helsinki), der mit 8300 Mitarbeitern und 37 Produktionsstätten europaweit größte Hersteller von Sanitärkeramik, Wannen und Duschen.

Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Vorstandschef Georg Wagner trotz der Krise der Baukonjunktur optimistisch. "Maßstäbe" will er setzen und "Herausforderungen" annehmen. Dazu zählt er die Risiken und Chancen der Globalisierung und die ökologische Forderung nach weiterer Reduzierung des Wasserverbrauchs. Unter dem Dach des Sanitec-Konzern sei die Keramag aber bestens für die Zukunft gerüstet.

Frank Bretschneider, ddp

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