Menschliche Entwicklung Schweiz verdrängt Norwegen von Platz eins

Welches Land weist die höchste menschliche Entwicklung auf, welches die niedrigste? Erstmals seit seiner Einführung vor mehr als drei Jahrzehnten ist der entsprechende Index der Vereinten Nationen zweimal in Folge zurückgegangen.
Uno-Ranking: Die Schweiz weist die höchste menschliche Entwicklung noch vor Norwegen aus

Uno-Ranking: Die Schweiz weist die höchste menschliche Entwicklung noch vor Norwegen aus

Foto: WALTER BIERI/ AP

Die Corona-Pandemie und andere Krisen haben die Entwicklung der Menschheit laut einem Uno-Bericht um fünf Jahre zurückgeworfen. Wie das Uno-Entwicklungsprogramm (UNDP) am Donnerstag berichtete, ging der alle Jahre wieder erhobene Index der menschlichen Entwicklung  (HDI) erstmals seit seiner Einführung vor mehr als drei Jahrzehnten in den Jahren 2020 und 2021 zweimal in Folge zurück. Der Index misst die durchschnittliche Lebenserwartung, das Bildungsniveau und den Lebensstandard in den Mitgliedstaaten.

Der derzeitige Rückgang bedeute, "dass wir früher sterben, weniger gut gebildet sind, dass unsere Einkommen sinken", sagte UNDP-Chef Achim Steiner (61). Dies führe zu einem verbreiteten Gefühl von "Verzweiflung, Frustration, Zukunftsangst".

Human Development Index 2021/22

Rang

Land

HDI-Wert

Lebenserwartung bei der Geburt

Durchschnittliche Schulbesuchsdauer

BIP pro Kopf ppp*

HDI-Wert 2019

1.

Schweiz

0,962

84

13,9

66.933

0,955

2.

Norwegen

0,961

83,2

13

64.660

0,957

3.

Island

0,959

82,7

13,8

55.782

0,949

4.

Hongkong

0,952

85,5

12,2

49.239

0,949

5.

Australien

0,951

84,5

12,7

60.365

0,944

6.

Dänemark

0,948

81,4

13

54.489

0,94

7.

Schweden

0,947

83

12,6

76.169

0,945

8.

Irland

0,945

82

11,6

54.534

0,955

9.

Deutschland

0,942

80,6

14,1

55.979

0,947

10.

Niederlande

0,941

81,7

12,6

49.492

0,944

*kaufkraftbereinigt
Quelle: United Nations Development Programme

Der Index der menschlichen Entwicklung war über Jahrzehnte hinweg stetig gestiegen. 2020 ging er dann erstmals zurück, nun ebenfalls. Dies habe die Errungenschaften der vorangegangenen fünf Jahre zunichtegemacht, heißt es in dem Bericht. Die anhaltende Covid-19-Pandemie habe in fast allen Ländern zur Umkehr in der menschlichen Entwicklung geführt. Zudem hätten Kriege wie in der Ukraine und anderswo zu noch mehr menschlichem Leid geführt. Zusätzlich belasteten Rekordtemperaturen, Brände, Stürme und Überschwemmungen. All dies zusammen führe zu einer weltweiten Krise der Lebenshaltungskosten und zeichne ein Bild unsicherer Zeiten und unruhiger Leben. "Wir leben in einer Welt voller Sorgen", beginnt der Uno-Bericht.

"Großer Rückschlag für die menschliche Entwicklung"

"Wir hatten schon früher Katastrophen. Wir hatten auch früher Konflikte. Aber das derzeitige Zusammentreffen mehrerer Krisen ist ein großer Rückschlag für die menschliche Entwicklung", sagte Steiner. Von dem Rückgang betroffen sind der Studie zufolge mehr als 90 Prozent aller Länder weltweit.

An der Spitze der sehr hoch entwickelten Länder steht im aktuellen Bericht die Schweiz, die damit Norwegen den Rang abgelaufen hat, das über Jahre das Ranking angeführte. In den Top Ten deutlich abgerutscht ist Irland, das von Platz zwei auf Rang acht zurückfiel. Auch Deutschland sackte von Platz sechs auf Platz neun ab. Dem Bericht zufolge ist die Lebenserwartung bei der Geburt hierzulande von 81,3 auf 80,6 Jahre gesunken, ebenfalls ging die durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs leicht zurück. Dagegen stieg das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt von 55.314 Euro auf 55.979 Euro.

Im Ranking der Uno ebenfalls zurückgefallen ist auch die USA, sie rutschte von Rang 17 auf Platz 21. Großbritannien fiel von Rang 13 auf 18. Schlussländer sind der Südsudan, Tschad und der Niger. Für das Ranking wurden Daten aus 191 Ländern gesammelt, nicht berücksichtigt sind Länder wie Monaco, San Marino, aber auch Nordkorea und Somalia.

akn mit afp
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