Privat-U-Boote für Superreiche Milliardäre im Rausch der Tiefe

Die Superjacht ist inzwischen nur noch die Pflicht unter den Ultrareichen rund um die Welt. Die Kür ist das eigene U-Boot an Bord.
"The thing to have": U-Boot der Firma Triton Submarines auf einer Messe in Monaco

"The thing to have": U-Boot der Firma Triton Submarines auf einer Messe in Monaco

Foto: Balint Porneczi / Bloomberg via Getty Images

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Eine Spitze in Richtung der Milliardärs-Kollegen kann sich Ray Dalio (73) nicht verkneifen. "Die Erkundung der Ozeane erscheint mir deutlich aufregender und wichtiger als die Erkundung des Weltalls", sagt der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates. "Man wird im Weltall keine Aliens antreffen – in der Tiefsee allerdings schon."

Die Bemerkung zielt selbstverständlich auf die superreichen Unternehmer Elon Musk (51, Tesla, SpaceX), Jeff Bezos (58, Amazon, Blue Origin) und Richard Branson (72, Virgin Group, Virgin Galactic), die sich seit Jahren ein Wettrennen um die privatwirtschaftliche und touristische Erschließung des Weltalls liefern. Hedgefonds-Milliardär Dalio (Privatvermögen laut "Forbes" : 19,1 Milliarden Dollar) dagegen richtet sein Interesse in die entgegengesetzte Richtung: Sein Blick geht nicht hinauf zu den Sternen, sondern hinab in die Tiefen der Weltmeere.

Seit Jahren schon steckt Dalio viel Geld in die Tiefseeforschung. Der Wall-Street-Big-Shot besitzt selbst vier U-Boote. Zudem hat er Millionen Dollar in das High-Tech-Schiff "OceanXPlorer" gesteckt, das das Geschehen in den Meeren rund um den Globus erforscht und dokumentiert. Einer der Nutzer des Schiffs war Hollywood-Regisseur James Cameron (68, "Titanic", "Avatar"), der darauf Aufnahmen für ein Projekt im Auftrag von National Geographic und Disney machte.

Nun steigen Dalio und Cameron ins kommerzielle Geschäft mit Privat-U-Booten ein. Beide Männer erwarben Anteile an Triton Submarines, dem eigenen Angaben zufolge weltgrößten Hersteller ziviler Unterwasservehikel mit Sitz in Florida. Durch die Beteiligung wollen Dalio und Cameron die Erforschung der Ozeane voranbringen, wie aus der Mitteilung von Triton hervorgeht . Klar ist aber auch: Die Superjacht ist inzwischen die Pflicht unter den Ultrareichen rund um die Welt. Die Kür heißt "Submarine", und kommt in Gestalt eines eigenen Privat-U-Bootes an Bord daher. Dalio und Cameron wollen an diesem Trend offenbar mitverdienen.

Tiefsee-Fan: Hollywood-Regisseur James Cameron bei der Premiere zum zweiten "Avatar"-Film Anfang Dezember in London

Tiefsee-Fan: Hollywood-Regisseur James Cameron bei der Premiere zum zweiten "Avatar"-Film Anfang Dezember in London

Foto: Ian West / dpa

"Wenn Sie auf einer Jacht an einem tollen Ort sind, ist das schön und gut", sagte Dalio der "Financial Times" . "Wenn Sie aber auf einer Jacht sind und Sie können hinabfahren und forschen, dann wird der Trip nicht nur besser. Es dient auch der Wissenschaft."

Details über Dalios und Camerons Beteiligung an Triton Submarines wurden nicht veröffentlicht. Zur "FT" sagte der Hedgefonds-Milliardär lediglich, das Unternehmen gehöre nun ihm, Cameron sowie Triton-Gründer Patrick Lahey.

Dinge sehen, die man noch nie gesehen hat

Lahey kam 2007 auf die Idee, U-Boote für Jachtbesitzer anzubieten und gründete Triton gemeinsam mit Partner Bruce Jones. Es gebe eine "seismische Verschiebung" beim Thema Superjachten, so Lahey laut "FT". Den milliardenschweren Besitzern der Privatschiffe gehe es längst nicht mehr nur um Opulenz und luxuriösen Lebensstil. Die Frage sei vielmehr, "wohin uns die Fahrzeuge bringen könnten, und welche Erfahrungen wir mit ihnen haben können". Deshalb werden U-Boote momentan "the thing to have", sagt Lahey.

Ein Kunde bestätigt das. "Schon ab 50 Metern Tauchtiefe besteht eine gute Chance, etwas zu sehen, das man noch nie zuvor gesehen hat", zitierte kürzlich die "New York Times"  einen reichen Amerikaner. Der Hobbytaucher, zugleich Besitzer einer Privatinsel, habe sein Unternehmen vor einigen Jahren verkauft und erfreue sich nun am Besitz eines U-Boots von Triton, so die Zeitung. Er habe schon Musketen gefunden, Goldbarren und Edelsteine. "Man braucht keine Aquarien mehr, um all die Dinge zu sehen, die da unten sind", sagt er. "Man nimmt einen Cocktail, macht seine Lieblingsmusik an, fährt ein paar hundert Meter abwärts und hat seinen Spaß."

5500 Meter tief auf dem Meeresgrund: Bilder vom Wrack des US-Kriegsschiffs "USS Indianapolis" aus dem Zweiten Weltkrieg, gefunden 2017 von Microsoft-Mitgründer Paul Allen

5500 Meter tief auf dem Meeresgrund: Bilder vom Wrack des US-Kriegsschiffs "USS Indianapolis" aus dem Zweiten Weltkrieg, gefunden 2017 von Microsoft-Mitgründer Paul Allen

Foto: HO/ AFP

Einer, der bereits früh zu dieser Erkenntnis gelangte, war Paul Allen. Der 2018 verstorbene Microsoft-Mitgründer, der zu den reichsten Menschen auf dem Planeten zählte, war bekannt für seine Philanthropie und sein Interesse an Forschung und Wissenschaft, und für beides stellte er viel Geld zur Verfügung. Allen traf dabei nicht etwa die Wahl zwischen Weltall und Tiefsee – er entschied sich für beides.

So finanzierte er bereits 2004 das experimentelle Flugzeug-Raumschiff "SpaceShipOne" des amerikanischen Raumfahrtingenieurs und Unternehmers Burt Rutan (79). Zuvor bereits, im Jahr 2003, übernahm Allen von der Bremer Lürssen-Werft seine berühmte Superjacht "Octopus". Die Luxusjacht gehörte mit 126 Metern seinerzeit zu den längsten ihrer Art. Und sie verfügte über ein Extra, das auch vor 20 Jahren noch eher eine Seltenheit war in der Superjachten-Szene: ein U-Boot mit Platz für acht Personen.

Vorliebe für Schiffswracks

Auch Allen betrieb die Unterwasserfahrt nicht ausschließlich, um sich an der Vielfalt und Farbenfreude der maritimen Pflanzen- und Tierwelt zu erfreuen: Er ging mit Vorliebe auf die Suche nach Schiffswracks. Ab 2016 nutzte er dazu das von ihm finanzierte Forschungsschiff "RV Petrel", mit dem ihm einige spektakuläre Funde gelangen. Bekanntestes Beispiel: 2017 entdeckte Allen mit einer Suchmannschaft den schweren Kreuzer "USS Indianapolis", ein Schiff der US-Marine, das im Juli 1945 von einem japanischen Torpedo getroffen worden war. Jahrzehntelang hatten Suchkräfte ergebnislos nach dem Wrack gefahndet, bis es Allen und seine Leute ausfindig machten. Sie fanden die "USS Indianapolis" in 5500 Metern Tiefe auf dem Boden der Philippinensee im Pazifischen Ozean.

Mindestens ebenso spektakulär sind die Erlebnisse des ehemaligen Navy-Offiziers und Private-Equity-Unternehmers Victor Vescovo (56). Auch Vescovo beschränkt sich bei seinen Abenteuern keineswegs auf die Tiefsee; er gilt als erster Mensch, der sowohl auf dem Gipfel des Mount Everest stand, als auch das Weltall und die tiefsten Orte der Weltmeere besucht hat. So war er an Bord, als das Raumfahrzeug "Blue Shephard" von Jeff Bezos' Firma Blue Origin im Juni dieses Jahres zu seinem fünften bemannten Sternentrip abhob.

Vor allem aber ist Vescovo bekannt für seine Tiefseerekorde. Ebenfalls im Juni 2022 fand er beispielsweise in beinahe 7000 Metern Tiefe im Pazifik das Wrack des US-Marineschiffs "USS Samuel B. Roberts" aus dem Zweiten Weltkrieg – so weit unten auf dem Meeresboden war zuvor noch kein anderes Schiffswrack entdeckt worden.

Vescovo selbst war allerdings schon deutlich weiter unten auf dem Meeresboden: Seit 2019 hält er den Rekord für die tiefste bemannte Tauchfahrt überhaupt. Im April jenes Jahres erreichte er die berüchtigte Challenger-Tiefe im Marianengraben bei Japan, den tiefsten Ort auf der Erde, beinahe elf Kilometer unter der Wasseroberfläche. Vescovo hat die Challenger-Tiefe seither mehrfach besucht. Das Unterseeboot, das er dabei nutzte, heißt "The Limiting Factor" und wurde von Triton Submarines in Florida hergestellt.

Superreiche Jachtbesitzer in aller Welt dürften sich von solchen Geschichten begeistern lassen. Die Preise, für die sie sich ihr eigenes U-Boot beispielsweise bei Triton kaufen können, starten bei 2,5 Millionen Dollar und reichen hinauf bis zu 40 Millionen Dollar, je nach Kapazität und möglicher Tauchtiefe.

Selbst für das kleinere Konto gibt es inzwischen Offerten. Die Firma U-Boat Worx, Tritons Wettbewerber aus den Niederlanden, bietet bereits die Beteiligung an privaten U-Booten per "Joint Ownership". So kommen Hobby-Ozeanologen schon ab Einstiegssummen von 80.000 Euro in den Genuss eines eigenen Unterseevehikels – oder zumindest eines Teils davon.

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