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Code-Königin: Jennifer Doudna präsentiert daheim in Berkeley ihre Nobelpreisurkunde
Code-Königin: Jennifer Doudna präsentiert daheim in Berkeley ihre Nobelpreisurkunde
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Brittany Hosea-Small / Nobel Prize Outreach / Reuters

Buchtipp "The Code Breaker" Naturwunder - die Heldinnen der Genschere

Für ihren Durchbruch in der Gentechnik verdienten sich Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier den Chemie-Nobelpreis. Starbiograf Walter Isaacson erzählt die Wissenschaftsstory hinter der Biotechrevolution.
Von Christian Schütte aus manager magazin 5/2021

Walter Isaacson ist der Biograf der Genies. Über Einstein und da Vinci, Steve Jobs und die wichtigsten Köpfe der Digitalrevolution hat er Bestseller geschrieben. Nun geht er ins Biotechlabor. Denn Moleküle gelten als die Mikrochips des 21. Jahrhunderts.

Das Timing ist perfekt: Noch während Isaacson schrieb, erhielt seine Hauptfigur Jennifer Doudna (57) den Nobelpreis 2020 für Chemie. Mithilfe der Gentechnik gelang es (unter anderem Biontech in Mainz), Corona-Vakzine im Blitztempo zu entwickeln.

Doudna und ihre französische Co-Preisträgerin Emmanuelle Charpentier (52) schufen ein Werkzeug, das "den Code des Lebens neu schreiben kann", so das Nobelkomitee. Isaacson erzählt die Wissenschaftsgeschichte dahinter. Er beschreibt die Grundlagen der "Genschere" Crispr-Cas9, deren Potenzial und auch deren ethische Abgründe. Seine eigentliche Story aber ist die von Detektiven auf den Spuren des Wunders Natur, die zugleich beinhart um persönlichen Ruhm und den Reichtum durch Patente kämpfen.

Zum Fortschritt des Wissens tragen viele bei, das ist Isaacson wichtig. Es macht sein Buch zunächst zäh: Um den Grundkurs in DNA und RNA, Crispr und Cas rankt sich ein schier endloser Cast von Personen. Die erste Genschere lässt die Geschichte dann ab Seite 129 richtig Fahrt aufnehmen.

Doudna und Charpentier waren Pionierinnen in einem zuvor von Männern geprägten Feld. Was sie alle eint: Besessenheit – stets im Wettlauf um Paper, fasziniert davon, die Welt zu verändern. Kein Stoff für Strandlektüre. Aber unbedingt lesenswert.

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Die beiden Wissenschaftlerinnen, die gemeinsam die Technik der "Genschere" entwickelten, sind persönlich sehr verschieden. Die Amerikanerin Doudna, Jahrgang 1964, zog als Kind mit ihren Eltern nach Hawaii, fand sich dort in einer Außenseiterrolle, entdeckte aber ihre Begeisterung für das Erforschen der Natur. Doudna studierte Molekularbiologie in Harvard, es folgten Karrierestationen an weiteren US-Topunis. Seit 2003 lebt sie mit ihrer Familie in Berkeley, Kalifornien, wo sie mehrere Forschungseinrichtungen leitet.

Auf einer Konferenz in Puerto Rico traf sie 2011 die Französin Charpentier, die damals gerade eine Stelle in Schweden hatte. Charpentier, Jahrgang 1968, wuchs in einem Vorort von Paris auf, begeisterte sich zunächst für Klavier und Ballett, entschied sich dann aber für ein Studium am Institut Pasteur. In der Biologieforschung habe sie "die richtige Kombination von Ausdauer und Kreativität" gefunden, sagt sie. Die junge Wissenschaftlerin zog um die Welt, ließ sich bewusst nirgendwo dauerhaft nieder.

Doudna und Charpentier verstanden und mochten sich sofort, in enger transatlantischer Zusammenarbeit entwickelte das Duo 2012 die Grundprinzipien der "Genschere". Nach dem gemeinsamen Durchbruch gingen ihre Wege allerdings allmählich auseinander. Erst in der jüngeren Zeit haben sie wieder persönlichen Kontakt aufgenommen.

Doudna ist seit Jahren eine Schlüsselfigur in der Biotech-Politik und im Biotech-Geschäft in den USA. Charpentier wechselte 2015 zur Max-Planck-Gesellschaft nach Berlin. Seit 2018 ist sie dort Gründungsdirektorin der Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene. Im vergangenen Herbst wurde die Nobelpreisträgerin in die "Hall of Fame der deutschen Forschung" berufen.

Video-Tipp: Doudna im Ted-Talk 

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