Dienstag, 17. September 2019

Blackberry, Laptop, iPhone Manager zweifeln an mobiler Arbeit

Blackberry und Co.: Des Managers ständige Begleiter?

Neues vom kleinen Schwarzen: Eine aktuelle Umfrage widerlegt das Vorurteil vom Manager als Blackberry-Junkie. Deutsche Führungskräfte schätzen zwar die praktischen Vorzüge mobiler Arbeitsgeräte, geben sich aber keinen Illusionen hin. Die Effizienzgewinne, stellen sie fest, verpuffen weitgehend.

Hamburg - Der Manager und sein Blackberry - sie bilden im öffentlichen Bewusstsein schon längst eine Einheit, so fest zusammengeschweißt wie Dieter Bohlen und flapsige Sprüche. Tatsächlich aber gehen Deutschlands Führungskräfte weitaus bewusster und reduzierter mit dem kleinen Schwarzen um, als gedacht. Dies ergab eine Umfrage des "Deutschen Führungskräfteverbands" (ULA) unter rund 400 Managern und leitenden Angestellten, die manager magazin Online exklusiv vorliegt.

Das vielleicht überraschendste Ergebnis: Nicht einmal jeder Zweite (45 Prozent) der Befragten nutzt regelmäßig ein Smartphone - sei es Blackberry oder Apples iPhone. Um unterwegs mobil arbeiten zu können, vertrauen dagegen fast drei Viertel (73 Prozent) auf Laptops mit Fernzugriff auf den Firmenserver (siehe Grafik in der Fotostrecke unten).

Und auch ein zweites beliebtes Vorurteil wird widerlegt: Die vermeintliche Vielfliegerkaste präsentiert sich in Wahrheit weniger mobil als gedacht: Immerhin 22 Prozent geben an, den stationären Arbeitsplatz "so gut wie nie" zu verlassen. Fast ein Drittel (30 Prozent) ist nur alle zwei Wochen auf Achse; und nur 23 Prozent verlassen das Büro zwei bis drei Mal die Woche oder öfter.

Auch im Urlaub zeigt sich der deutsche Manager recht entspannt. Statt Mitreisende mit permanentem Mail-Abrufen zu enervieren, halten sich Deutschlands Führungskräfte in puncto mobiler Arbeit in weiten Teilen zurück. Stolze 31 Prozent nutzen die elektronischen Alleskönner in den Ferien "nie oder so gut wie nie", weitere 40 Prozent "nur bei dringenden Projekten". Nur jeder Zwanzigste schaut mehrmals am Tag in seinen Mail-Eingang oder führt dienstliche Telefonate.

Sind die Manager also Kommunikationsmuffel? Natürlich nicht, sagt Ludger Ramme, Hauptgeschäftsführer des Führungskräfteverbands. "Mobiles Arbeiten ist für die Allermeisten eine Selbstverständlichkeit. Zugleich aber sind sie problembewusst, was die Arbeitsverdichtung sowie die Verwischung der Grenzen zwischen privat und Beruf angeht."

Zumal die Manager erstaunlich reflektiert mit den mobilen Medien umgehen. Zwar stimmen 78 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass mobiles Arbeiten die Effizienz erhöhe und Arbeitszeit einspare. Auch die negativen Folgen der grenzenlosen Arbeit sind ihnen bewusst: Fast jeder Zweite empfindet die ständige Erreichbarkeit als stresserhöhend. Über den Nutzen von Blackberry und Konsorten allerdings machen sich die Führungskräfte offenbar keine Illusionen: Weit mehr als zwei Drittel (84 Prozent) sind der Meinung, dass die erzielten Zeit- und Effizienzgewinne durch die zunehmende Arbeitsverdichtung "mehr oder weniger vollständig ausgeglichen" werden.

Ein Nullsummenspiel also - da legt sich der Manager lieber gleich an den Pool und liest ein gutes Buch.

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