Luxusuhren Gute Pflege für gute Werke

Selbst Uhrenliebhaber vernachlässigen bisweilen die regelmäßige Wartung. Dabei braucht ein feines Werk gute Pflege. Uhrmacherin Christine Genesis verrät, worauf es bei der Wartung ankommt, warum man die Armbanduhr nie auf dem Fernseher ablegen sollte und wieso man das Datum lieber nicht um Mitternacht einstellt.

Hamburg - Tickedi-tickedi-tickedi-tickedi. Kaum liegt die Uhr in der Halterung, wird das fast unhörbare Ticken des Sekundenzeigers von einem viel schnelleren, lauten Rhythmus übertönt. Auf einem Display wird eine feine Zickzacklinie sichtbar. "Was wir jetzt hören, ist das Schwingen der Unruh", erläutert Christine Genesis, "die Zeitwaage wandelt die Geräusche der Uhr, die wir vom Mikrofon hören, in eine digitale Anzeige um." So kann überprüft werden, ob die Uhr in jeder Lage gleich geht und wie sie nachreguliert werden muss.

Auf dem Arbeitstisch der Hamburger Uhrmachermeisterin liegen Rolex-Ersatzteile und Cartier-Gehäuse neben den feinen Werkzeugen. Die Chronometer ihrer Kunden nimmt die zierliche blonde Frau mit der markanten schwarzen Brille bei der alle drei bis fünf Jahre anstehenden Wartung komplett auseinander - und sie hat einige Ratschläge parat, wie Uhrenliebhaber mit ihren Stücken umgehen sollten.

"Jede mechanische Uhr braucht eine regelmäßige Wartung - das ist wie bei einem Auto", erläutert Genesis, die nach ihrer Lehre an der Uhrmacherschule in Pforzheim lange beim Uhrenhändler Wempe edle Chronometer gewartet und repariert hat. In ihrer Werkstatt gibt sie regelmäßig Seminare, bei denen die Teilnehmer eine Uhr auseinandernehmen, veredeln und wieder zusammenbauen können. Seit einigen Jahren bietet die Uhrmacherin auch eine eigene Kollektion an.

Wasserdichtigkeit muss immer wieder geprüft werden

"Die Uhr muss in alle Einzelteile zerlegt werden, dann kommt sie in ein Reinigungsbad - wenn man das nicht macht, kann der über die Jahre anfallende Stahlabrieb zusammen mit dem Öl in der Uhr eine Schmirgelwirkung entfalten. In den Zapfen entstehen dann Rillen, und schließlich brauchen die Teile immer mehr Kraft, um bewegt zu werden. Irgendwann kann die Uhr sogar stehen bleiben. Dann kann es richtig teuer werden, weil viele Teile ersetzt werden müssen."

Bei der Wartung sieht ein Uhrmacher, der seine Aufgabe ordentlich macht, alle Teile komplett mit der Lupe durch und überprüft sie auf Verschleiß. Abgenutzte Teile müssen ersetzt werden. Dabei sollten nur Original-Ersatzteile zum Einsatz kommen. Kunststoffdichtungen müssen regelmäßig ersetzt werden, und bei der Reinigung sollte auch die Zugfeder aus dem Federhaus genommen werden.

Der Aufwand für die Wartung schwankt: Einfachere mechanische Uhren, die aus ungefähr 80 Teilen bestehen, könnte man schon in zweieinhalb Stunden warten, meint Genesis - eine komplizierte Uhr hingegen, die vielleicht noch einen ewigen Kalender und eine Stoppuhrfunktion hat, kann aus 800 Teilen bestehen. Wenn sie dann noch ein Stahlarmband hat, das ebenfalls aufgearbeitet und neu poliert werden muss, kann die Wartung schon mal mehr als einen Arbeitstag in Anspruch nehmen.

Damit die anfallenden Arbeiten nicht allzu aufwendig werden, sollte man tunlichst einmal im Jahr seinen Chronometer auf Wasserdichtigkeit prüfen lassen, empfiehlt Genesis. Das kostet allenfalls ein paar Euro - aber diese Ausgabe nicht getätigt zu haben, bereut man spätestens dann, wenn man seinen edlen Zeitmesser doch versehentlich geflutet hat.

Vorsicht mit Sauna und Magnetfeldern

Denn auch Luxusuhrenhersteller arbeiten mit Kunststoffdichtungen, und dieses Material altert - besonders, wenn es hohen Temperaturen oder Einflüssen wie Meerwasser oder Schweiß ausgesetzt ist. "Am besten wird die Wasserdichtigkeit mit einem Gerät geprüft, das mit Überdruck arbeitet", erläutert Genesis, "es gibt auch Unterdruckgeräte, aber da kann es zu fehlerhaften Anzeigen kommen, weil unter Wasser eben kein Unterdruck, sondern Überdruck auf die Uhr einwirkt."

Auch die Stifte der Halterung für die Armbänder gehören regelmäßig ausgetauscht. Die feine Feder in deren Inneren ist, weil sie unter Dauerspannung steht, ein Verschleißteil. Wird das vernachlässigt, kann schnell großer Schaden entstehen - dann nämlich, wenn einer der Stifte sich unversehens löst und die Uhr zu Boden geht.

Manche Besitzer unterziehen ihre Uhr allerdings auch im Alltag besonderen Härtetests. Genesis weiß von Kunden, die ihre Uhr auch in der Sauna nicht abnehmen - und beim anschließenden Sprung ins Eisbecken ebenfalls nicht. "Bei solchen extremen Temperaturschwankungen kann sich der Gang einer Uhr schon verändern", sagt die Uhrmacherin. Auch extreme Sportarten wie Mountainbiken mögen die meisten Uhren gar nicht. Dauernde Erschütterungen nimmt die feine Technik übel. Deshalb sollte man auch wasserdichte Gehäuse keinesfalls in ein Ultraschallreinigungsbad legen: "Das kann Auswirkungen auf die Unruh haben", meint Genesis.

Weg von Fernsehern und Lautsprechern

Sinnvoll sei es dagegen, die Uhr von Zeit zu Zeit behutsam mit einem feuchten Tuch zu reinigen, um sie von Schweiß- und Cremerückständen zu befreien. Auf Reinigungsmittel sollte man dabei verzichten. Wer seine Uhr beim Baden im Meer anbehält, sollte sie danach mit klarem Wasser abspülen, um Salzwasserkorrosionen zu vermeiden.

Besonders aufpassen muss man mit Magnetfeldern: Zwar schirmt das Gehäuse etliches ab, aber wer seine Uhr auf einer Lautsprecherbox oder einem Fernseher ablegt, darf sich nicht wundern, wenn sie danach ungenau geht, weil etliche Teile des Werks magnetisch aufgeladen sind. Zum Glück lässt sich in diesem Fall schnell Abhilfe schaffen - Uhrmacher verfügen über Entmagnetisierungsgeräte.

Mehr Schaden kann entstehen, wenn man unbedacht in den Schaltmechanismus der Datums- oder Mondphasenanzeige eingreift. "Wenn die Uhr schaltet, greifen etliche Räder ineinander. Dieser Prozess kann mehrere Stunden dauern", erläutert Genesis, "wenn man in dieser Zeit von Hand eingreift, kann man leicht etwas beschädigen." Ihr Rat: Ein paar Stunden vor und nach einem anstehenden Datums- oder Mondphasenwechsel sollte man lieber die Finger von der Krone lassen.

Werkpflege: Die Uhrmacherin bei der Arbeit

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