Sportuhren Computer am Handgelenk

GPS-Positionsbestimmung, Höhenmeter, Streckenlänge, Kalorienverbrauch, Warntöne bei zu hoher Herzbelastung - die neuen Uhren für Läufer bieten eine Fülle von Funktionen. Manches ist technikverliebte Spielerei, aber auf eine gute Pulskontrolle sollten auch Hobbyläufer nicht verzichten.

Köln/Hamburg - Am Anfang war die Stoppuhr. Sie zeigte dem Läufer an, wie spät es war und wie lang er schon unterwegs war. Das war in den 80ern. Heute gibt es fürs Handgelenk Laufcomputer, die erklommene Höhenmeter, verbrauchte Kalorien und über Satellitenempfang metergenau die gelaufene Strecke anzeigen.

Spitzenmodelle für rund 400 Euro protzten mit bis zu 74 Funktionen, sagt Urs Weber von der Zeitschrift "Runner's World". "Nach unseren Erfahrungen nutzen die meisten Läufer aber höchstens zehn davon."

Die meisten Hobbyläufer kämen mit den Basismodellen für unter 100 Euro bestens aus, sagt Billy Sperlich vom Institut für Trainingswissenschaft an der Sporthochschule Köln: "Dem normalen Durchschnittsläufer würde ich raten: Warte, bis es eine Laufuhr beim Discounter gibt." Alles außer Stoppuhr und Pulsmessung sei letztlich Spielerei. Selbst einen Pulsmesser benötigen gesunde Läufer laut Sperlich nicht unbedingt. Denn nach einer Weile entwickelten Läufer in der Regel ein gutes Gefühl für ihre Grenzen und ihr Wohlfühltempo. Mit dieser Auffassung stehe er allerdings im Gegensatz zur gängigen Lehrmeinung, so Sperlich.

Tatsächlich empfehlen alle anderen befragten Experten eine Pulsuhr, um gesundheitsschonender zu laufen und den Trainingseffekt zu optimieren: "Der Puls ist ein sehr zuverlässiges Maß für körperliche Belastung", sagt Urs Weber. Ein Pulsmesser sei deshalb für alle Läufer sinnvoll. Ein Gurt um die Brust misst dabei die Frequenz des Herzschlags und funkt diese an die Uhr.

Auch Patrizia Schiller von der Sportgeschäftskette Runners Point erklärt, dass viele Menschen ohne Pulsmesser nicht spürten, wann sie sich überlasten. Und laut Harald Bajohr, Pressesprecher des Herstellers Polar, droht sogar gesunden Menschen bei Überanstrengung eine Palette von Gesundheitsrisiken: Vom Muskelkater über Schlaflosigkeit bis zu erhöhter Anfälligkeit für grippale Infekte.

Unverzichtbar sei eine Uhr mit Herzfrequenzmesser für Menschen mit einer Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems, sagt auch Billy Sperlich. Gleiches gelte für Diabetiker: Trainieren sie zu intensiv, kann ihr Blutzuckerspiegel gefährlich schnell abfallen. Und auch für gesunde Menschen könne sich der Kauf lohnen, um die Trainingsfortschritte zu verfolgen: "Man kann schön sehen, wie nach wenigen Wochen die Herzfrequenz bei gleicher Belastung runtergeht", erklärt Sperlich - für viele zugleich Belohnung und Motivation.

Unterwegs mit GPS und Kalorienzähler

Ebenso motivierend sei es für manche Läufer, nach dem Laufen von der Uhr abzulesen, wie viele Kilometer sie zurückgelegt haben, sagt Weber. Diese Möglichkeit bieten Entfernungsmesser in manchen Uhren. Sie messen die zurückgelegte Distanz durch einen Schrittzähler oder über Satellitendaten des Global Positioning System (GPS). Einige Modelle sind außerdem mit einer Schnittstelle ausgestattet, über die die Daten auf den PC übertragen werden können. So kann der Nutzer zum Beispiel mit Hilfe einer Anwendung wie Google Earth seine genaue Strecke nachverfolgen.

Für die Anschaffung einer Laufuhr mit GPS-Empfang spricht laut Sperlich die vielfältige Nutzbarkeit: Manche der Uhren ließen sich auch als Tacho beim Radfahren oder Skifahren verwenden. Allerdings fresse das GPS viel Strom. Das sei ein Grundproblem der Multifunktionsuhren: Je mehr technische Möglichkeiten sie bieten, desto mehr Strom verbrauchen sie in der Regel - und desto schneller ist der Akku leer.

Viele andere Funktionen sind laut dem Sportwissenschaftler ohnehin reine Spielereien und produzieren zum Teil fragwürdige Daten. So werde der Kalorienverbrauch indirekt über die Herzfrequenz errechnet - und zwar anhand von Idealtypen. Der tatsächliche persönliche Verbrauch könne davon erheblich abweichen.

Statt auf möglichst viele Funktionen sollten Käufer auf gute Bedienbarkeit und Tragekomfort achten, rät Urs Weber. Die Knöpfe sollten leicht zu bedienen und nicht zu verwechseln, das Display groß und beleuchtbar sowie die Zahlen durch einen deutlichen Kontrast gut erkennbar sein. Deutliche Qualitätsunterschiede zeigten sich bei den Brustgurten, sagt Bajohr. Manche Modelle messen den Herzschlag über Textilgurte, die sich angenehm an die Haut anschmiegen. Viele Uhren seien aber mit einem Plastikgurt kombiniert, der bei längeren Läufen die Brust wund scheuern könne.

Außerdem sollte die Uhr weder schlackern, noch das Handgelenk zu eng umschließen und so den Blutfluss abzwicken. Deshalb empfiehlt Patrizia Schiller, Laufuhren vor dem Kauf immer anzuprobieren. Wer weiß, vielleicht passt eine altmodische Stoppuhr ja am besten.

Florian Sanktjohanser, dpa

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