Mittwoch, 16. Oktober 2019

Füllermanufaktur Fink Leiser Luxus

Staatsmänner schreiben mit ihm, Künstler und Könige. Die handgefertigten Füllfederhalter von Stefan Fink gehören zum Exquisitesten, was es an Schreibgeräten gibt. manager-magazin.de hat den Meister der Handschmeichler in seiner Hamburger Manufaktur besucht.

Hamburg - Es ist kühl in der großzügigen Werkstatt im Hamburger Stadtteil St. Georg. Durch deckenhohe Fenster fällt fahles Winterlicht. Es riecht nach Holz und grünem Tee. Durch das Atelier dringen leise Jazzklänge.

In der ehemaligen Schraubenfabrik herrscht eine ungewöhnliche Mischung aus Komposition und Chaos: An den Wänden lehnen Baumstammscheiben. Kisten voller Hölzer stapeln sich zwischen chinesischen Stühlen und einem schlichten, japanisch anmutenden Stehpult. Und über der wohlgeordneten Werkbank in der Ecke warten Myriaden flötenförmiger Füllerrohlingen auf ihre Weiterverarbeitung.

Inmitten des Ganzen steht Stefan Fink. Schwarz gekleidet und mit grauem Raspelhaarschnitt wiegt er bedächtig ein dunkles, schweres Stück Holz in der Hand. "3500 Jahre alte Mooreiche aus der Elbe", sagt er so leise, dass man fast gezwungen ist, von seinen Lippen zu lesen. "Ein wunderbares Material."

Wenn Fink über Holz spricht, klingt das wie eine Liebeserklärung. "Ich mag Holz einfach", sagt er, und in seiner Stimme sind leichte Überbleibsel überwundenen Stotterns zu hören. "Es nimmt die Körperwärme auf, liegt gut in der Hand und ist einfach wunderschön."

Wundersam und exotisch klingen auch die Namen der Hölzer, aus denen Fink seine Füller fertigt: Fernambuk, Amaranth, Grenadell, Königspalisander, Bubinga, Rosenholz und wilde Olive. Der Schreibwerkzeugmacher bezieht es von Instrumentenbauern und Messerherstellern, die den Werkstoff ebenso schätzen wie er - und bei denen die Hölzer meist schon mehrere Jahre lagern.

Wertvolle Zeit - denn "Holz arbeitet und ist immer durch die Umgebung, der es ausgesetzt ist, geprägt", sagt der Designer, Tischler und Drechsler, der prinzipiell Möbel nur aus einem einzigen Stück fertigt. "Wenn man mit Holz arbeitet und einen gewissen Anspruch an Qualität hat, braucht man Geduld und Hingabe."

Fink hat sie: Drei Jahre dauert es, bis ein Fink flügge wird, aus einem Stück edlen Holzes ein fertiger Füllfederhalter entsteht. Zeit, die das Material braucht, um "die Erfahrungen zu sammeln, die es später für den täglichen Gebrauch benötigt", wie Fink es formuliert

Einmal zugeschnitten und vorgebohrt, lagern die Rohlinge wie edler Wein zum Teil mehr als drei Jahre im Regal.

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