Füllermanufaktur Fink Leiser Luxus

Staatsmänner schreiben mit ihm, Künstler und Könige. Die handgefertigten Füllfederhalter von Stefan Fink gehören zum Exquisitesten, was es an Schreibgeräten gibt. manager-magazin.de hat den Meister der Handschmeichler in seiner Hamburger Manufaktur besucht.

Hamburg - Es ist kühl in der großzügigen Werkstatt im Hamburger Stadtteil St. Georg. Durch deckenhohe Fenster fällt fahles Winterlicht. Es riecht nach Holz und grünem Tee. Durch das Atelier dringen leise Jazzklänge.

In der ehemaligen Schraubenfabrik herrscht eine ungewöhnliche Mischung aus Komposition und Chaos: An den Wänden lehnen Baumstammscheiben. Kisten voller Hölzer stapeln sich zwischen chinesischen Stühlen und einem schlichten, japanisch anmutenden Stehpult. Und über der wohlgeordneten Werkbank in der Ecke warten Myriaden flötenförmiger Füllerrohlingen auf ihre Weiterverarbeitung.

Inmitten des Ganzen steht Stefan Fink. Schwarz gekleidet und mit grauem Raspelhaarschnitt wiegt er bedächtig ein dunkles, schweres Stück Holz in der Hand. "3500 Jahre alte Mooreiche aus der Elbe", sagt er so leise, dass man fast gezwungen ist, von seinen Lippen zu lesen. "Ein wunderbares Material."

Wenn Fink über Holz spricht, klingt das wie eine Liebeserklärung. "Ich mag Holz einfach", sagt er, und in seiner Stimme sind leichte Überbleibsel überwundenen Stotterns zu hören. "Es nimmt die Körperwärme auf, liegt gut in der Hand und ist einfach wunderschön."

Wundersam und exotisch klingen auch die Namen der Hölzer, aus denen Fink seine Füller fertigt: Fernambuk, Amaranth, Grenadell, Königspalisander, Bubinga, Rosenholz und wilde Olive. Der Schreibwerkzeugmacher bezieht es von Instrumentenbauern und Messerherstellern, die den Werkstoff ebenso schätzen wie er - und bei denen die Hölzer meist schon mehrere Jahre lagern.

Wertvolle Zeit - denn "Holz arbeitet und ist immer durch die Umgebung, der es ausgesetzt ist, geprägt", sagt der Designer, Tischler und Drechsler, der prinzipiell Möbel nur aus einem einzigen Stück fertigt. "Wenn man mit Holz arbeitet und einen gewissen Anspruch an Qualität hat, braucht man Geduld und Hingabe."

Fink hat sie: Drei Jahre dauert es, bis ein Fink flügge wird, aus einem Stück edlen Holzes ein fertiger Füllfederhalter entsteht. Zeit, die das Material braucht, um "die Erfahrungen zu sammeln, die es später für den täglichen Gebrauch benötigt", wie Fink es formuliert

Einmal zugeschnitten und vorgebohrt, lagern die Rohlinge wie edler Wein zum Teil mehr als drei Jahre im Regal.

Gegen die haptische Magersucht

Gegen die haptische Magersucht

Mehrmals werden sie gewendet, bevor sie 300 Handgriffe später sorgfältig gedrechselt, in Öl gehärtet, samtweich poliert und mit einem flugtauglichen Tintenleiter und 18-Karat-Goldfeder versehen werden.

Das Ergebnis sind Unikate, die in ihrer architektonischen Schlichtheit an Skulpturen erinnern, deren Maserung aber gleichzeitig Wärme und Lebendigkeit ausstrahlen.

Nur rund 150 Füller - sowie etwa die gleiche Menge Skizzenstifte, Roller und Druckbleistifte verlassen pro Jahr die Werkstatt von Stefan Fink. Mehr schafft er nicht - und will er auch gar nicht schaffen.

In die Feder der Fink-Füller, die Albatros, Drossel, Nachtigall oder Star heißen - ist als Erkennungsmerkmal ein kleiner Fink eingeprägt - "geprägt, nicht graviert - das ist ein ziemlicher Unterschied", betont Fink. Die Federn bezieht der Handwerker wie andere renommierte Hersteller von der Heidelberger Firma Bock, dem, so der Handwerker, "letzten Federmacher" Deutschlands.

Er mache "lieber wenige, dafür aber gute Sachen", bringt Fink, der sich selbst "qualitätsbesessen" nennt, sein Credo auf den Punkt. Entsprechend teuer sind seine Füller. Zwischen 900 und 6.000 Euro muss man für einen echten Fink zahlen.

Zum Füllfederhalter gekommen ist der studierte Designer, der auch schon für Rotring, Fürstenberg und Rosenthal entwarf und dessen Füller bereits in namhaften Museen zu sehen waren, vor rund 14 Jahren durch den Mangel geeigneter Stifte. "Die litten alle unter haptischer Magersucht und waren so dünn, dass einem mit der Zeit die Hand verkrampfte", erinnert er sich. Da habe er sich einfach seine eigenen Skizzierstifte gedrechselt.

"Manchmal sagt die Hand einfach etwas anderes als der Kopf."

"Manchmal sagt die Hand einfach etwas anderes als der Kopf."

Die fanden zunächst im Freundeskreis und später auch bei anderen, vor allem Grafikern und Architekten, reißenden Absatz. Der Schritt, Füller herzustellen, sei dann nur logische Konsequenz gewesen. "Mich interessiert die Kultur des Schreibens. Da ist ein Füllfederhalter einfach die Königsklasse", sagt Fink, und seine hellen, blauen Augen strahlen.

Mittlerweile kann ihm in puncto Schreibkultur kaum noch jemand etwas vormachen. Ein Füller ohne Schraubgewinde? Kann nichts sein. "Ein guter Füller hat einen Drehverschluss - dann trocknet die Feder nicht aus."

Bei Bedarf kann der auch mal etwas umfangreicher ausfallen, wie beispielsweise bei dem Exemplar für den Staatsanwalt, der unbedingt ein langes Schraubgewinde wollte. "Damit er bei seinen Plädoyers besser rhetorische Pausen setzen kann. Dann schraubt er nämlich seinen Füller zu oder auf."

Allerdings verlässt so mancher den Laden in der Koppel 66 mit einem anderen Füller, als er ursprünglich vorhatte. "Die meisten Männer wollen ein klassisches, röhrenförmiges Modell, gehen aber mit einem konischen wieder hinaus", berichtet Fink, der seine Kunden ermutigt, die Füller vor dem Kauf auszuprobieren. "Manchmal sagt die Hand einfach etwas anderes als der Kopf."

"Heutzutage sterben mehr Handwerksberufe als Pflanzenarten. Wir verlernen die Möglichkeiten. Die Nuancen und Zwischentöne gehen verloren", beklagt er den Niedergang von Handwerk und Schreibkultur und geht zu seinem Computer.

Dann nimmt er einen schwarzen Füller aus der Auslage. "Der wird mich jetzt verlassen." Ein Mann, der kürzlich im Atelier war, hat ihn per E-Mail bestellt. Er wollte sich den Kauf noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Eine gute Entscheidung, meint Fink. Schließlich behält er ihn sein ganzes Leben.

Bilderstrecke: Die Handschmeichler des Stefan Fink

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